Unvergessen
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Muhammad Ali am Vortag vor dem Kampf gegen Leon Spinks. Bild: AP

Zum dritten Mal Schwergewichts-Champion

Unvergessen

15.09.1978: Muhammad Alis letzter Triumph

15. September 1978: Muhammad Ali holt gegen Léon Spinks zum dritten Mal den Titel im Schwergewicht. Es ist der letzte Sieg des Grössten aller Zeiten. Und der Anfang vom Ende.



Léon Spinks? Er ist damals fast ein «Nobody». Zwar holt er 1976 in Montréal Olympiagold im Halbschwergewicht. Aber bei den Profis hat er noch keine Heldentaten vollbracht und ist am 22. Oktober 1977 in Las Vegas gegen Scott LeDoux, der auf keiner Weltrangliste geführt wird, nicht über ein Unentschieden hinaus gekommen.

Und doch wird sein Kampf gegen Titelverteidiger Ali eine grosse Sache. Das Fernsehen zahlte die Rekordgage von vier Millionen Dollar. Drei Millionen für Ali, 300'000 für Spinks und der Rest für die Spesen.

«10-zu-1»

Die Quoten zugunsten von Muhammad Ali vor dem Kampf mit Léon Spinks.

Am 15. Februar 1978 treten die beiden in Las Vegas im Hilton in den Ring. Ali nimmt Léon Spinks nicht ernst. Er hat für diesen Kampf kaum trainiert. Er albert ein bisschen im Ring herum. Als wolle er für die Millionen-Gage ein paar Runden Show bieten. 

Rudi Carrell, hollaendischer Fernsehunterhalter, befragt den Schwergewichtsweltmeister Muhammad Ali, waerend einer Pause seines taeglichen Trainings, in Muenchen 19. Mai, 1976.  (KEYSTONE/AP PHOTO/Dieter Endlicher)

Muhammad Ali ist immer für eine gute Show zu haben. Hier beantwortet er Fragen von TV-Legende Rudi Carrell (1976). Bild: AP

Die Sensation ist perfekt

Aber der fast um einen Kopf kleinere und 20 Kilo leichtere Spinks mischt kräftig mit. Immer wieder trifft er seinen Gegner am Kopf. Als Ali auf einmal nicht mehr ein Clown sein will, ist es zu spät. Spinks bekommt den Fight gegen den Titelverteidiger unter Kontrolle. Léon Spinks gewinnt sensationell nach Punkten. Erstmals seit 43 Jahren holt einer im Schwergewicht den Titel nach Punkten.

FILE - Leon Spinks connects with a right hook to Muhammad Ali, in this Feb.16, 1978 file photo taken during the late rounds of their championship fight in Las Vegas, Nev. The 24-year-old Spinks won the bout in a 15-round decision. Muhammad Ali lost just twice in his seven prizefights in Las Vegas over 19 years. Now, dozens of heavyweight celebrities are back in Sin City to laud a lifetime in the spotlight and join the icon known as

Leon Spinks trifft Muhammad Ali hart mit seinem rechten Haken.  Bild: AP

Aber nun wird es kompliziert. Einer der beiden Box-Weltverbände (WBA, WBC), die WBC, hatte ihre Einwilligung zu diesem Kampf nur gegeben, weil beide Boxer unterschrieben hatten, im Falle eines Sieges anschliessend den Titel gegen Ken Norton zu verteidigen. Da jeder davon ausgegangen war, dass Ali gewinnt und dann ein Titel-Kampf Ali gegen Norton das ganz grosse Geld bringt.

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Der erste Kampf zwischen Ali und Spinks.  youtube/Daniela chestnut

Nun ist Léon Spinks Weltmeister und niemand will für einen Kampf zwischen ihm und Ken Norton viel Geld bezahlen. Und so hält sich Spinks nicht an diese Abmachung. Er verteidigt seinen Titel gegen ... Ali. Weil dafür das grosse Geld locker gemacht wird. Für eine Revanche gegen Ali am 15. September 1978 in New Orléans beträgt die Börse 3,5 Millionen Dollar.

Zur Information:

Bei dieser Geschichte halten wir uns an die Schilderungen des legendären Chronisten Mario Widmer. Der ehemalige BLICK-Sportchef ist ein persönlicher Freund von Muhammad Ali und gilt als grösster deutschsprachiger Box-Journalist.

Der Rückkampf zieht das Interesse auf sich

Weil er sich nicht an die Abmachung hält, gegen Ken Norton anzutreten, wird Léon Spinks von der WBC der Titel aberkannt. Den WBC-Titel holt nun Larry Holmes gegen Ken Norton. Aber das interessiert niemanden. Alle interessieren sich nur für die «Battle of New Orléans», angesetzt auf den 15. September 1978. Ali gegen Spinks. Um den Schwergewichtstitel nach Version WBA.

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Der zweite Fight im Video. Sylvester Stallone ist völlig begeistert, wie er gesteht (ab 25:02). Video: YouTube/Kings of Boxing

Ali hat aus seinen Fehlern gelernt. Er trainiert wie verrückt. Er zieht sich in ein Haus ausserhalb von New Orleans zurück um seine Ruhe zu haben und allen Versuchungen der irdischen Genüsse auszuweichen. Seine Sparringpartner leiden und jammern. Und Ali klopft vor dem Kampf auch keine grossen Sprüche.

Schnell wird klar, wie der Kampf ausgehen wird. Ali ist diesmal bis in die Haarspitzen motiviert und bereit. Keine Clownereien. Titelverteidiger Léon Spinks wirkt hingegen gehemmt. Die sieben Monate als Weltmeister haben Spuren hinterlassen. Er hat mehrmals Schwierigkeiten mit der Polizei gehabt. Fahren ohne Ausweis. Alkohol. Drogen. Zuviel Rock und Roll, zu wenig Training.

Leon Spinks, known for his toothless smile and for once beating Muhammad Ali, leans on the ropes at a boxing ring Tuesday, Jan. 23, 2001, in Lombard, Ill.  Thursday, Feb. 15, marked the 23rd anniversary of the fight when Spinks, still fresh from a gold medal at the 1976 Olympics in Montreal, took boxing's heavyweight championship from one of the most famous sports figures of the 20th century. He now leads a quiet life in suburban Chicago focusing on his sons' boxing careers and a charitable foundation for first-time criminal offenders and poor single parents. (AP Photo/(Arlington Heights) Daily Herald, Bev Horne)

Léon Spinks 2001. Das Boxer-Leben hat seine Spuren hinterlassen.  Bild: (ARLINGTON HEIGHTS) DAILY HERALS

Der Titelverteidiger verliert sang und klanglos nach Punkten. Ali holt sich als erster Boxer der Geschichte den Schwergewichts-Titel zum dritten Mal zurück. Es ist zwar nur die «halbe Krone,» nur der Titel des Weltboxverbandes WBA. Doch das schmälert den Triumph nicht. Hauptsache Ali ist wieder der Champion. Die Welt jubelt.

Aber es ist nicht mehr der grosse Ali. Das bisschen verbliebene Klasse hat ihm gereicht, um einen körperlich unterlegenen, gehemmten Gegner in einem schlecht geführten Titelkampf zu besiegen. Der Grösste aller Zeiten erklärt den Rücktritt. Er tritt im Alter von 36 Jahren als Weltmeister ab. Doch es sollte nur sein letzter Sieg, der Anfang vom Ende, aber noch nicht sein letzter Kampf sein.

Für das Comeback 36 Kilo verloren – dank Chemie

Ali lässt sich noch einmal zu einem Comeback überreden. Am 2. Oktober 1980 versuchte er zum vierten Mal Weltmeister zu werden. Diesmal gegen seinen früheren Sparring-Partner und WBC-Weltmeister Larry Holmes. Ali zieht sich vier Monate lang in die Berge von Deer Lake zurück und trainiert verbissen. Er läuft jeden Tag zehn Kilometer und unterzieht sich einer brutalen Diät: Spinat-Saft und Steaks. Er hat das Training mit 136 Kilo begonnen und ist vor dem Kampf nur noch 100 Kilo schwer.

Dabei macht er in seiner Verbissenheit einen Fehler. Er will unbedingt, um seinen Gegner zu beeindrucken, auf die 100-Kilo-Marke herunterkommen. Die letzten Kilos schafft er nicht mehr mit Training und greift zur Chemie. Am 2. Oktober 1980 ist er in Las Vegas gegen Larry Holmes (bis dahin 35 Siege in 35 Kämpfen) chancenlos. 

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Der grösste Boxer aller Zeiten ist nur noch ein Schatten seiner selbst. video: YouTube/Kings of Boxing

Er kann keinen einzigen Wirkungstreffer anbringen und wird nur durch die offensichtliche höfliche Zurückhaltung seines Gegners vor einem Niederschlag bewahrt. Er ist so ausgelaugt, dass ihn Trainer Angelo Dundee zur elften Runde nicht mehr in den Ring lässt. Es ist Alis erste und einzige vorzeitige Niederlage.

Einer der traurigsten Tage der Boxgeschichte

Dieser Kampf ist als «Last Hurrah», aber als einer der traurigsten Tage in die Boxgeschichte eingegangen. Ali erleidet nach dem Kampf einen Kreislauf-Zusammenbruch, kann nicht zur Doping-Kontrolle erscheinen und wurde dafür gebüsst. Aber so schmählich will er seine Karriere nicht beenden.

Weil man ihn in den USA nicht mehr boxen lässt, findet sein allerletzter Kampf am 11. Dezember 1981 in Nassau statt. Gegen Trevor Berbick. Bei diesem «Drama auf Bahamas» ist Ali bereits von seiner Krankheit (Parkinson) gezeichnet und verliert einstimmig nach Punkten. Nun ist definitiv Schluss. Er hat 61 Profikämpfe bestritten. Davon gewann er 56 (37 durch K.O.) und verlor nur 4.

Bild

Muhammad Ali in seinem letzten Profikampf. Bild:

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.

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60'000 decken «Kugel-Werni» mit Pfiffen ein – er antwortet mit erstem Schweizer WM-Titel

29. August 1987: Werner Günthör stösst die Kugel in Rom mit Urgewalt auf 22,23 Meter und verteilt anschliessend als erster Schweizer Leichtathletik-Weltmeister Kusshändchen an das aufgebrachte Italo-Publikum.

Er esse alles gerne – «ausser Chinesisch», erklärt der 26-jährige Werner Günthör vor seinem Abflug an die Leichtathletik-WM 1987 in Rom. Wer dem Kugelstoss-Giganten einmal persönlich gegenüberstand, mag diesen Worten gerne Glauben schenken. Zwei Meter gross, 127 Kilogramm Körpergewicht, Schuhgrösse 46 – es sind alles nur Zahlen, die seine imposante Erscheinung nicht einmal ansatzweise erfassen können.

Und dann sind da die blonden Strähnchen, die irgendwie gar nicht ins Bild passen wollen, …

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