Unvergessen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
FC Zuerich's Raffael, Mitte, kommt zu Fall,  im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Zuerich und dem FC Basel, am Sonntag, 12. Februar 2006, im Zuercher Letzigrund Stadion.    (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Beim FCZ tanzte Raffael regelmässig durch die gegnerischen Abwehrreihen. Bild: KEYSTONE

Unvergessen

Der «entführte» Raffael wird zum Fall für die Polizei – und muss ein Nachtessen blechen

25. April 2006: Einer der grössten Schweizer Fussball-Krimis endet mit einem Happy End. Nach tagelanger Abwesenheit kehrt der verschollene Raffael beim FCZ ins Training zurück. Zuvor hatte der Klub befürchtet, dass der Brasilianer entführt worden sei.

Hat er das jetzt wirklich gesagt? Die Journalisten im Presseraum des Espenmoos trauen ihren Ohren nicht, als FCZ-Trainer Lucien Favre nach der Analyse des 3:2-Siegs gegen St.Gallen ein erstaunliches Statement abgibt. «Raffael ist gekidnappt worden», sagt Favre mit eindringlicher Stimme.

Weitere Auskünfte könne er zu diesem Zeitpunkt nicht erteilen, erklärt der Waadtländer – und löst damit einen veritablen Spekulations-Tsunami aus. Die verbreitetste Theorie: Brasilianische Gangster treiben in der Schweiz ihr Unwesen. Bedrohen sie sogar das Leben des 21-jährigen Knipsers?

Lucien Favre, Trainer des FC Zuerich, waehrend der Medienkonferenz, aufgenommen am Mittwoch, 7. Februar 2007, anlaesslich der Rueckrundenvorschau Pressekonferenz des FC Zuerich in der Garage von Binelli & Ehrsam in Zuerich. (KEYSTONE/Eddy Risch)

Lucien Favre sorgt sich um seinen vermissten Stürmer-Star. Bild: KEYSTONE

Zwei dubiose Gestalten auf der Geschäftsstelle

Einer der grössten Schweizer Fussball-Krimis der vergangenen Jahre beginnt schon zwei Tage vor dem Spiel im Büro von FCZ-Sportchef Fredy Bickel: Dort tauchen zwei Brasilianer auf und verlangen ein Gespräch. Einer von ihnen ist Andre Cury Marduy, Inhaber einer Fussballagentur mit einer offiziellen Spielervermittler-Lizenz. Der andere nennt sich Toni und gibt sich als Bekannter von Raffael aus.



Die Besucher sind nicht zum Spass gekommen. Sie wollen Geld. Viel Geld. «Raffael gehört uns», behaupten sie – und verlangen eine Verfünffachung des Lohns und eine halbe Million bar auf die Hand. Andernfalls würden sie Raffael mitnehmen und ihn nicht mehr für den FCZ auflaufen lassen.

Bis die dubiosen Berater auftauchen, läuft für Raffael beim FCZ alles rund. Bild: KEYSTONE

Die Zürcher, die für Raffael im vergangenen Sommer eine halbe Million Franken an den FC Chiasso überwiesen und damit rechtmässig die Transferrechte an ihrem damaligen Topskorer (12 Tore, 14 Assists) erworben haben, lassen sich nicht unter Druck setzen. Die ungebetenen Gäste werden hinaus spediert.

Wie vom Erdboden verschluckt

Tags darauf erscheint Raffael in Begleitung von Marduy und Toni zum Abschlusstraining. Nach der Einheit verfrachten ihn die Männer in ein Auto und brausen mit ihm davon. Ab da bleibt der junge Brasilianer verschwunden.

Der Zuercher Raffael De Araujo, rechts, laeuft Wangens Cyrill Bossard, links, davon im Fussballspiel der 2. Runde des Schweizer Cups zwischen Wangen bei Olten und dem FC Zuerich am Samstag, 30. September 2006, in Wangen. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Raffael mit 21 Jahren. Wendig und trickreich, aber beeinflussbar durch falsche Freunde. Bild: KEYSTONE

Als sich die Mannschaft am Sonntagmorgen um 10.15 Uhr zur Abfahrt nach St.Gallen trifft, fehlt er unentschuldigt. Sein Handy ist abgeschaltet und seine Wohnung verlassen. Darum schlägt der sonst so besonnene Favre auf der Pressekonferenz Alarm. Sportchef Bickel wendet sich an die Polizei. Er gibt eine Vermisstmeldung auf und erstattet Anzeige wegen versuchter Erpressung und Freiheitsberaubung.

Die Entwarnung und eine durchzechte Nacht

Raffaels Teamkollegen war bereits aufgefallen, dass er in den Tagen zuvor einen völlig verstörten Eindruck machte. Offenbar hatten ihn die beiden Hintermänner massiv eingeschüchtert, ihm weisgemacht, er sei illegal in der Schweiz und dem 1,74 Meter kleinen Brasilianer anschliessend mit finanziellen Versprechen den Kopf verdreht.

Am Sonntagabend gegen 22 Uhr folgt die erste Entwarnung. Raffael meldet sich freiwillig auf der Hauptwache der Zürcher Polizei. Wenigstens eine Entführung kann jetzt ausgeschlossen werden. Die Probleme für den FCZ sind damit aber noch nicht zu Ende.

Im Auftrag der Klubleitung nimmt Mittelfeldspieler César Kontakt mit seinem Landsmann auf und schlägt sich mit ihm bei einer ausgedehnten Beizentour die Nacht um die Ohren. Sein Auftrag: Raffael dazu bewegen, am nächsten Tag wieder im Training zu erscheinen. Der Plan funktioniert nicht. Raffael schwänzt auch am Montagmorgen und César fehlt ebenfalls. Offiziell wegen einer Grippe, in Tat und Wahrheit wohl aber schlicht verkatert.

Zuerichs Cesar de Souza, unten, kommt unter die Fuesse eines Schaffhausers, beim Fussballspiel der Super League zwischen dem FC Zuerich und dem FC Schaffhausen, am Samstag, 21. Oktober 2006, im Hardturmstadion in Zuerich. Zuerich verlor 0-1.  (KEYSTONE/Alessandro Della Bella)

Nach der durchzechten Nacht mit Raffael liegt auch César flach. Bild: KEYSTONE

Ein Nachtessen als Strafe

Am Dienstag folgt endlich das Happy End. Raffaels falsche Freunde haben aufgegeben und sind abgereist. Der Spieler schleicht reumütig zurück ins Training. Er entschuldigt sich bei Favre und der Mannschaft und wird mit offenen Armen empfangen.

Als Strafe für seine ausgedehnte Eskapade muss der Brasilianer nur ein Nachtessen für das ganze Team bezahlen. Schon am nächsten Tag steht er gegen Xamax wieder in der Startaufstellung.

Die Nachsichtigkeit des FCZ lohnt sich: Bis zum Saisonende schraubt Raffael sein Torkonto auf 14 Treffer. Nach zwei weiteren erfolgreichen Saisons beim FCZ holt ihn Favre für 5.4 Millionen Schweizer Franken in die Bundesliga zu Hertha BSC und später zu Borussia Mönchengladbach, wo er immer noch kickt.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei.

Grösster FCZ-Goalie aller Zeiten und «Bau-Chnuschti»

Diese 13 Amateur-Fussballer triffst du in JEDEM Trainingslager

Link zum Artikel

Anders als in der Champions League siehst du hier 11 wunderschöne Tore

Link zum Artikel

Frankfurt-Spieler da Costa hat gerade das beste Platz-Interview des Jahres gegeben

Link zum Artikel

Jetzt mal eine ganz wichtige Frage: Welcher Ball bist du?

Link zum Artikel

Das neueste Cover von «FourFourTwo» ist ein kniffliges Rätsel – schlägst du uns?

Link zum Artikel

Der Titel für das absurd-witzigste Interview des Jahres ist bereits vergeben

Link zum Artikel

Ciao Cristiano! Das sind die 17 schönsten italienischen Fussball-Begriffe

Link zum Artikel

Top-Sportchef Ralf Meile hat in 6 Monaten aus 100 satte 250 Millionen gemacht. Und du?

Link zum Artikel

Das sind die Top 25 der schrägsten Fussballer-Songs aller Zeiten

Link zum Artikel

Sie gleichen sich wie ein Ei dem anderen – diese 10 Fussballer haben heimliche Doppelgänger

Link zum Artikel

Von «New Arrogance» bis «Yugo Boss» – diese Fussballer-Parfüms sollten dringend auf den Markt

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Das sind die besten Rekruten der besten Armee der Welt

Link zum Artikel

9 «Ratschlag»-Klassiker, die du dir in Zukunft einfach mal sparen kannst

Link zum Artikel

Christian Wasserfallen nicht mehr FDP-Vize – wegen der Klimafrage?

Link zum Artikel

Hitzewarnung der höchsten Stufe ++ So bereitet sich die Armee auf die Hitze vor

Link zum Artikel

Das gab's noch nie: Schweizer Mathe-Genie startet als 15-Jähriger mit Master-Studium

Link zum Artikel

Fans raten GNTM-Gewinnerin Stefanie Giesinger zu grösseren Brüsten – aber ihr Konter sitzt

Link zum Artikel

«Die Schweiz ist eine Gold-Weltmacht – ein enormes Risiko»

Link zum Artikel

Turbo Jens ist alles, was du heute gesehen haben musst (wer hat den Typen eingestellt?)

Link zum Artikel

YouTuberin verwandelt Teslas Model 3 in Pick-up – und das Resultat ist grandios

Link zum Artikel

«Ab 30 kann Mann keine kurzen Hosen mehr tragen!» – watson-Chef klärt uns auf 🙄

Link zum Artikel

Diese Schweizer Fussballer haben noch keinen Vertrag für nächste Saison

Link zum Artikel

Herr Matthes, wie gross ist die Schadenfreude bei Nokia über Huaweis Trump-Schlamassel?

Link zum Artikel

Ein Streik kommt selten allein – so wollen die Frauen weitermachen

Link zum Artikel

Nach 27 Jahren kommt der Nachfolger der SMS – das musst du über RCS wissen

Link zum Artikel

Merkel beginnt bei Staatsbesuch plötzlich zu zittern – Entwarnung folgt kurz darauf

Link zum Artikel

Hitzewarnung der höchsten Stufe

Link zum Artikel

Ohrfeige für Bundesanwalt vom Bundesstrafgericht – Lauber ist im FIFA-Fall befangen

Link zum Artikel

40 Millionen Liter Trinkwasser verschwunden? Das Rätsel von Tägerig ist gelöst

Link zum Artikel

OMG – wir haben Knoblauch unser ganzes Leben lang falsch geschält

Link zum Artikel

Warum Donald Trump 2020 wiedergewählt wird – und warum nicht

Link zum Artikel

Ein 3-jähriges Mädchen zerstört eine Fliege – das macht dann 56'000 Franken

Link zum Artikel

«Kann man sich in einen guten Freund verlieben?»

Link zum Artikel

Luzern ruft Klimanotstand aus

Link zum Artikel

Federer vor Halle-Auftakt: «Rasen hat seine eigenen Regeln – vor allem für mich»

Link zum Artikel

We will always love you – vor 60 Jahren veröffentlichte Dolly ihre erste Single

Link zum Artikel

Fazit nach Frauenstreik: Hunderttausende Menschen protestierten für Gleichstellung

Link zum Artikel

«Er hat nicht unrecht» – das sagt Christoph Blocher zu SVP-Glarners Handy-Terror

Link zum Artikel

Du willst dein Handy sicherer machen? Dann solltest du diese 10 Regeln kennen

Link zum Artikel

FCB-Sportchef Streller tritt mit emotionalem SMS zurück: «Es bricht mir s’Herz»

Link zum Artikel

Trump hat sich im Persischen Golf verzockt

Link zum Artikel

5 Action-Heldinnen, die die Filmwelt ordentlich gerockt haben

Link zum Artikel

Preisgeld-Vergleich: So viel mehr kassieren Männer im Sport als Frauen

Link zum Artikel

14 Gründe, warum die Frauen heute streiken

Link zum Artikel

«Das stimmt einfach nicht» – Martullo-Blocher wird in der «Arena» vorgeführt

Link zum Artikel

Nach Handy-Terror: Betroffene Mutter rechnet mit SVP-Glarner ab – und wie

Link zum Artikel

Trump setzte Kopfgeld auf unschuldige Schwarze aus – jetzt melden sie sich zu Wort

Link zum Artikel

9 spannende Geisterstädte und ihre Geschichten

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

2
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen

Christian Gross motiviert Hakaaaan bis in die Zehenspitzen und wir dürfen zuschauen

9. Mai 2002: Das Schweizer Fernsehen strahlt einen Dok-Film über den FC Basel aus, der auf dem Weg zum ersten Meistertitel der Neuzeit ist. In Erinnerung bleibt besonders eine Pausenansprache von Trainer Christian Gross.

Acht Meistertitel in Folge zwischen 2010 und 2017 – bis YB zu seinem Höhenflug ansetzte, war der FC Basel das Mass aller Dinge im Schweizer Klubfussball. Dabei liegen die Zeiten, als Rot-Blau selber zu den Habenichtsen gehörte, noch gar nicht weit zurück.

Erst 2002 holt der FCB den ersten Titel der Neuzeit und aus dieser Zeit stammt auch ein köstliches Video. Es zeigt die Halbzeit-Ansprache von Trainer Christian Gross im Rückspiel des UI-Cup-Finals bei Aston Villa im August 2001, die bei seinem …

Artikel lesen
Link zum Artikel