Unvergessen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Austria's Hermann Maier kisses the red line after winning a mens ski World Cup giant slalom race at Val d'Isere, France, Sunday, Dec. 10, 2000. The reigning world champion in 1997 was stripped a giant slalom victory and disqualified on this same course for unstrapping his skis before passing the red line marking the safe area. (AP Photo/Alessandro Trovati)

Meier küsst die rote Linie im Zielraum von Val d'Isère: Drei Jahre nach der Disqualifikation darf er seinen Riesenslalom-Sieg dort behalten.
Bild: AP

Unvergessen

14.12.1997: Weil Hermann Maier falsch jubelt, erbt Mike von Grünigen den Sieg des Österreichers

14. Dezember 1997: Hermann Maier gewinnt den Riesenslalom von Val d'Isère. Doch lange kann er sich nicht über seinen Erfolg freuen: Der «Herminator» wird disqualifiziert, weil er im Ziel einen Ski zu früh auszieht.



54 Weltcup-Siege stehen in der Bilanz von Ski-Star Hermann Maier. In der offiziellen Bilanz. Denn nach Maiers eigener Zählweise hat er im Weltcup 55 Mal gewonnen. Der Österreicher sieht sich auch als Sieger des Riesenslaloms von Val d'Isère, den er als schnellster Fahrer bewältigt hat.

Doch die Rekordbücher sagen etwas anderes. Dort steht als Sieger der Schweizer Mike von Grünigen. Sein Rivale aus dem Nachbarland wird als «disqualifiziert» aufgeführt.

Swiss ski racer Michael von Gruenigen, center, who won today's giant slalom in Val d'Isere, France, Sunday, December 14, 1997, poses with his Swiss teammates Urs Kaelin, left, who finished fourth, and Steve Locher, fifth. 
(KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Lächeln im Käsedress: Sieger Mike von Grünigen flankiert von Urs Kälin (links, 4.) und Steve Locher (5.).
Bild: KEYSTONE

Der Grund dafür ist eine Lappalie, eigentlich kaum der Rede wert. Aber weil die Lappalie im Regelwerk festgehalten wird und das bauernschlaue Schweizer Team dieses genau kennt, kann es einen Protest gegen die Wertung des Rennens einlegen. Denn Hermann Maier hat – oh mein Gott! – nur mit einem Ski am Fuss eine rote Linie im Zielraum überquert. Nicht die Ziellinie, wo die Zeit gestoppt wird. Sondern eine Linie weiter hinten, die eben auch mit zwei Ski an den Füssen überquert werden muss.

Unter der Werbung geht es weiter.

Aufgefallen ist dies laut dem «Blick» Paul Accola. «Jetzt nimmt's mich wunder, was passiert», murmelt der Davoser, als er Maiers verfrühten Jubel sieht. Die Schweizer legen Protest ein und kommen damit durch. Schliesslich ist die rote Linie einst genau deshalb eingeführt worden, damit die Fahrer nicht schon auf der Ziellinie die Ski ausziehen und sie in die Fernsehkameras halten.

Zwillinge verwechseln Nummer

Der vielleicht kurioseste Fall, der zu einer Disqualifikation im Ski-Weltcup geführt hat, ereignet sich im Januar 1984 im bündnerischen Parpan. Dem Amerikaner Steve Mahre wird der Sieg in einem Slalom aberkannt, weil er im ersten Lauf versehentlich die Nummer mit Zwillingsbruder Phil vertauscht hat. So erbt der Luxemburger Marc Girardelli.

Die Presse feuert hin und her

Dass die Österreicher das Vorgehen der Schweizer nicht unbedingt sportlich finden, liegt auf der Hand. «Die (N)Eidgenossen spielten einen Streich mit dem berühmten Strich, von dem man seit einem Jahrzehnt keine Notiz mehr genommen hatte», schreibt «Die Presse».

Hermann Maier from Austria speeds down to the course to take first place in the men's  Ski World Cup giant slalom race in Val d'Isere, France, Sunday Dec. 10, 2000. (KEYSTONE/AP Photo/Alessandro Trovati) === ELECTRONIC IMAGE ===

Maier im Jahr 2000 in Val d'Isère wie man ihn kennt: Aggressiv und schnell.
Bild: AP

Der «Blick» schiesst im Ski-Krieg zurück und meint: «Die Österreicher messen nicht mit gleicher Elle. Sportlichkeit und Fairness verlangen sie nämlich vor allem von den andern», schreibt das Boulevardblatt und listet unsportliche Taten des historischen Erzrivalen auf. Mike von Grünigen sagt zwar, ihm tue Maier leid, «aber es gibt schliesslich Reglemente.» Der Schönrieder bedankt sich und kassiert die Siegprämie von 45'000 Franken statt die 25'000 Franken, die es für Rang 2 gibt.

Unter der Werbung geht es weiter.

Und Hermann Maier? Der zeigt sich von der Disqualifikation unbeeindruckt: «Man kann mich derzeit offensichtlich nicht anders stoppen, also kämpft man so gegen mich», sagt er cool. Ihm würden bloss die verlorenen Weltcup-Punkte weh tun, «die entgangene Siegprämie kratzt mich nicht.» Er wisse um seine überragende Form, posaunt er: «Darum muss ich wohl krank werden, damit ein anderer gewinnen kann.»

Siege en masse und ein Sturz für die Ewigkeit

So überheblich diese Aussage auch klingt: Hermann Maier hat sicher nicht Unrecht. Ihm gelingt in diesem Winter der endgültige Durchbruch. Er gewinnt zehn Rennen (nach seiner Sichtweise elf) und Ende Saison erstmals den Gesamtweltcup.

Hermann Maier of Austria holds his two cristal globes, the winner trophies for his victories of the overall men's super-G and giant slalom, in Crans-Montana, Switzerland, on March 14, 1998.  (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Maier gewinnt nebst der grossen Kristallkugel 1998 auch die Disziplinen-Wertungen in Super-G und Riesenslalom.
bild: keystone

Das legendärste Ereignis dieses Winters ist jedoch kein Sieg, sondern ein Sturz. In der Olympia-Abfahrt von Nagano 1998 hebt Maier spektakulär ab, landet im Fangnetz und steigt nur Tage später wie Phoenix aus der Asche empor: Er verlässt Japan als Doppel-Olympiasieger in Super-G und Riesenslalom.

abspielen

Hermann Maiers Sturz und die Siege in Nagano.
YouTube/Olympics

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.

Alles Käse oder was? Die Swiss-Ski-Anzüge im Wandel der Zeit

Das könnte dich auch interessieren:

Eine Enttäuschung für Cassis und Rytz. Nun darf es nicht einfach so weitergehen

Link zum Artikel

So würde Online-Shopping im «Real Life» aussehen

präsentiert vonMarkenlogo
Link zum Artikel

Die Generation Z bestimmt die grössten globalen Probleme – und es ist nicht nur das Klima

Link zum Artikel

Ta-ta-ta-taaaa: PICDUMP Nummer 300 ist da! 🎉

Link zum Artikel

SBB-Chef Ducrot ist der «Anti-Meyer» – aber mit einem dicken Tolggen im Reinheft

Link zum Artikel

Lehrer M. zur Pisa-Studie: «Schüler erzählen mir fast triumphierend, dass sie nicht lesen»

Link zum Artikel

Toiletgate im Weissen Haus: Wegen Trumps Klo-Tirade lacht das Internet Tränen

Link zum Artikel

Stell dir deine Pizza zusammen und wir sagen dir, ob du Gourmet oder Banause bist

Link zum Artikel

8 Zeichnungen des ersten Terrorhäftlings, die zeigen, wie die Amerikaner folterten

Link zum Artikel

Glück vor Geld – Island treibt Wirtschaft der Zukunft voran

Link zum Artikel

Shaqiri erhält nach Traum-Comeback ein Sonderlob von Klopp – und eine Entschuldigung

Link zum Artikel

Ho ho ho! Der Bundesrat schnürt das Budgetpäckli: Dafür gibt er am meisten Geld aus

Link zum Artikel

Das beste Kamera-Handy gibt's jetzt in der Schweiz – wir haben es getestet

Link zum Artikel

Diese Schweizer Organisationen erhalten am meisten Spendengelder

Link zum Artikel

TikTok zensiert Videos von Menschen mit Behinderung – um sie vor Mobbing zu schützen 🤔

Link zum Artikel

Wegen «Wildwest-Modell» von Uber & Co. – warum bald Millionen in den AHV-Kassen fehlen

Link zum Artikel

Alphabet Inc. – das macht der Mega-Konzern hinter Google wirklich

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Eine Enttäuschung für Cassis und Rytz. Nun darf es nicht einfach so weitergehen

98
Link zum Artikel

So würde Online-Shopping im «Real Life» aussehen

8
Link zum Artikel

Die Generation Z bestimmt die grössten globalen Probleme – und es ist nicht nur das Klima

28
Link zum Artikel

Ta-ta-ta-taaaa: PICDUMP Nummer 300 ist da! 🎉

174
Link zum Artikel

SBB-Chef Ducrot ist der «Anti-Meyer» – aber mit einem dicken Tolggen im Reinheft

48
Link zum Artikel

Lehrer M. zur Pisa-Studie: «Schüler erzählen mir fast triumphierend, dass sie nicht lesen»

157
Link zum Artikel

Toiletgate im Weissen Haus: Wegen Trumps Klo-Tirade lacht das Internet Tränen

47
Link zum Artikel

Stell dir deine Pizza zusammen und wir sagen dir, ob du Gourmet oder Banause bist

158
Link zum Artikel

8 Zeichnungen des ersten Terrorhäftlings, die zeigen, wie die Amerikaner folterten

229
Link zum Artikel

Glück vor Geld – Island treibt Wirtschaft der Zukunft voran

102
Link zum Artikel

Shaqiri erhält nach Traum-Comeback ein Sonderlob von Klopp – und eine Entschuldigung

22
Link zum Artikel

Ho ho ho! Der Bundesrat schnürt das Budgetpäckli: Dafür gibt er am meisten Geld aus

62
Link zum Artikel

Das beste Kamera-Handy gibt's jetzt in der Schweiz – wir haben es getestet

33
Link zum Artikel

Diese Schweizer Organisationen erhalten am meisten Spendengelder

15
Link zum Artikel

TikTok zensiert Videos von Menschen mit Behinderung – um sie vor Mobbing zu schützen 🤔

6
Link zum Artikel

Wegen «Wildwest-Modell» von Uber & Co. – warum bald Millionen in den AHV-Kassen fehlen

31
Link zum Artikel

Alphabet Inc. – das macht der Mega-Konzern hinter Google wirklich

0
Link zum Artikel

Das könnte dich auch interessieren:

Eine Enttäuschung für Cassis und Rytz. Nun darf es nicht einfach so weitergehen

98
Link zum Artikel

So würde Online-Shopping im «Real Life» aussehen

8
Link zum Artikel

Die Generation Z bestimmt die grössten globalen Probleme – und es ist nicht nur das Klima

28
Link zum Artikel

Ta-ta-ta-taaaa: PICDUMP Nummer 300 ist da! 🎉

174
Link zum Artikel

SBB-Chef Ducrot ist der «Anti-Meyer» – aber mit einem dicken Tolggen im Reinheft

48
Link zum Artikel

Lehrer M. zur Pisa-Studie: «Schüler erzählen mir fast triumphierend, dass sie nicht lesen»

157
Link zum Artikel

Toiletgate im Weissen Haus: Wegen Trumps Klo-Tirade lacht das Internet Tränen

47
Link zum Artikel

Stell dir deine Pizza zusammen und wir sagen dir, ob du Gourmet oder Banause bist

158
Link zum Artikel

8 Zeichnungen des ersten Terrorhäftlings, die zeigen, wie die Amerikaner folterten

229
Link zum Artikel

Glück vor Geld – Island treibt Wirtschaft der Zukunft voran

102
Link zum Artikel

Shaqiri erhält nach Traum-Comeback ein Sonderlob von Klopp – und eine Entschuldigung

22
Link zum Artikel

Ho ho ho! Der Bundesrat schnürt das Budgetpäckli: Dafür gibt er am meisten Geld aus

62
Link zum Artikel

Das beste Kamera-Handy gibt's jetzt in der Schweiz – wir haben es getestet

33
Link zum Artikel

Diese Schweizer Organisationen erhalten am meisten Spendengelder

15
Link zum Artikel

TikTok zensiert Videos von Menschen mit Behinderung – um sie vor Mobbing zu schützen 🤔

6
Link zum Artikel

Wegen «Wildwest-Modell» von Uber & Co. – warum bald Millionen in den AHV-Kassen fehlen

31
Link zum Artikel

Alphabet Inc. – das macht der Mega-Konzern hinter Google wirklich

0
Link zum Artikel

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Revolution auf der Schanze! Jan Boklöv siegt als erster Skispringer mit dem V-Stil

10. Dezember 1988: Ein Missgeschick im Training läutet den radikalen Umbruch ein. Als der Schwede Jan Boklöv erkennt, dass er breitbeinig weiter fliegen kann, perfektioniert er den Stil, bis er den Gesamtweltcup holt. Er endet als Opfer seines Erfolgs.

1985 ist Jan Boklöv 19-jährig. Und damit im besten Alter, um als Revoluzzer in Erscheinung zu treten. Allerdings ist es weniger Boklövs Absicht, die Welt zu verändern, sondern ein Zufall, der dazu führt.

Als der Schwede auf der Normalschanze in Falun trainiert, macht ihm heftiger Gegenwind zu schaffen. «Er stoppte mich quasi in der Luft», erinnert sich Jan Boklöv in der «Welt». «Ich wollte irgendetwas tun, um weiterzufliegen, und warf mich nach vorn. Dann rissen auf einmal die Ski zum V …

Artikel lesen
Link zum Artikel