Sport
Eismeister Zaugg

Wie der Fall Fischer einen Tobsuchtsanfall provoziert hat

Patrick Fischer, der ehemalige Trainer der Schweizer Eishockey Nationalmannschaft, aufgenommen bei seinem Referat am Liechtensteiner Unternehmertag, am Dienstag, 30. Juni 2026, in Vaduz. (KEYSTONE/Gia ...
Der Fall von Patrick Fischer beschäftigt weiterhin.Bild: keystone
Eismeister Zaugg

Wie die Untersuchung im «Fall Fischer» einen Tobsuchtsanfall provoziert hat

Der Verband hat eine Administrativuntersuchung zum «Fall Fischer» in Auftrag gegeben. Nun ist bekannt, warum dieser Untersuchungsbericht nicht veröffentlicht wird.
18.09.2026, 17:2718.09.2026, 17:27

Eine Administrativuntersuchung ist ein juristisch zahnloses Instrument. Aber lukrativ für jede Anwaltskanzlei. Logisch also, dass der Verband die hauseigene Kanzlei – deren Name wird hier verschwiegen, weil er nichts zur Sache tut – mit diesem Mandat beglückt hat. So ist auch sichergestellt worden, dass am Ende das vom Auftraggeber gewünschte Resultat herauskommt.

Juristisch ist eine solche Administrativuntersuchung zahnlos, weil es – anders als bei einer Strafuntersuchung – keinerlei rechtliche Handhabe gibt. Will heissen: Alle, die befragt werden, dürfen ungestraft lügen oder eine Befragung verweigern und es gibt keine Möglichkeit, Akten gegen den Willen der Beteiligten einzusehen.

Der Verband hat offiziell verkündet, die Erkenntnisse der Administrativuntersuchung im Fall von Patrick Fischer (mit gefälschtem Impf-Ausweis an den Olympischen Spielen 2022 in Peking/Verurteilung wegen Urkundenfälschung) geheim zu halten. Was natürlich das Interesse am Inhalt erst recht geweckt hat.

Nun ist klar, warum der Verbands-Verwaltungsrat so entschieden hat. Aus dem trauten Kreis dieses siebenköpfigen Gremiums wird Folgendes erzählt und von mehreren Personen unabhängig voneinander bestätigt.

Der Bericht umfasse gut 160 Seiten und habe rund 80'000 Franken gekostet (wörtlich: «Mit dieser Summe kommen Sie der Wahrheit nahe …»). Eine Seite kostete also um die 500 Franken. Das sei – so wird erzählt – reine Geldverschwendung. Denn in dieser Administrativ-Untersuchung stehe: Nichts. Keiner anderen Person als Patrick Fischer wird darin ein Fehlverhalten oder auch nur eine Saumseligkeit nachgewiesen. Besonders stossend sei, dass eine ganze Reihe von Schlüsselfiguren die Aussage schlichtweg verweigert habe und dass viele Aussagen sich gegenseitig neutralisieren.

Will heissen: Person A habe das und das erklärt, Person B das exakte Gegenteil. Daraus sei keinerlei Schlussfolgerung gezogen worden. Die Administrativ-Untersuchung sei nichts anderes als das Protokoll einer unverbindlichen Befragung von Personen und hätte auch von einem KV-Stift so gemacht werden können.

Patrick Fischer, head coach of Switzerland national ice hockey team, looks disappointed as they leave his bench after the second period, during the men's group A preliminary round game between Ca ...
Fischer wurde kurz vor der Heim-WM entlassen.Bild: keystone

Immerhin hätten die gut honorierten Verfasser des Untersuchungsberichtes eine Schlussfolgerung ziehen können. Es wären mehrere Varianten möglich gewesen. Die boshafte: Der Verband hat den erfolgreichsten Nationaltrainer der Geschichte schäbig im Stich gelassen. Die kritische: Der Verband hätte die Eskalation verhindern können, ja müssen. Die sachliche: Der Verband hätte Patrick Fischer in der kritischen Phase helfen können.

Der neue Verbandspräsident Marc Lüthi habe dem Verwaltungsrat erklärt, er habe nach der Lektüre dieses Papiers – das ja vor seinem Amtsantritt in Auftrag gegeben worden ist – einen Tobsuchtsanfall bekommen. Er habe an der Verwaltungsratssitzung tatsächlich von einem «Tobsuchtsanfall» gesprochen. Weil so viel Geld für ein nutzloses Papier verschwendet worden sei. Er habe eigentlich den Bericht veröffentlichen wollen. Aber nach der Lektüre darauf verzichtet. Weil sich der Verband mit einer Veröffentlichung lächerlich gemacht hätte.

Marc Luethi, neuer Praesident des Schweizer Eishockeyverbands, SIHF, posiert an einer Medienkonferenz, am Freitag, 28. August 2026 in Fribourg. Luethi wurde vom Verwaltungsrat als Nachfolger von Urs K ...
Beim Lesen des Berichts hat SIHF-Präsident Marc Lüthi einen «Tobsuchtsanfall» bekommen.Bild: keystone

Auf die Angelegenheit angesprochen, verweigert der sonst recht redselige neue Verbandsobmann jede Auskunft. Aber die ganze Geschichte wird aus dem trauten Kreis seines Verwaltungsrates bestätigt. Also darf sie dem interessierten Publikum erzählt werden.

Fassen wir also zusammen: Die Erkenntnis aus der Lektüre von rund 160 Seiten: Alle beim Verband – ausser Patrick Fischer natürlich – haben alles richtig gemacht. Niemand hat etwas gewusst, gehört oder gesehen und so konnte auch niemand die Eskalation verhindern. Alle ausser Patrick Fischer sind – wie einst beim Ablasshandel im Mittelalter – durch die Zahlung von gut 80'000 Franken an die hauseigene Anwaltskanzlei von allen Sünden freigesprochen und reingewaschen worden. Tatsächlich ist ja ausser Patrick Fischer niemand ins Fegefeuer der öffentlichen Kritik geraten.

P.S. Sollte es wieder einmal einen Grund für eine Administrativuntersuchung geben, stellt sich der Chronist zur Verfügung. Nicht für ein Zürcher Anwalts-, sondern für ein Oberaargauer Chronisten-Honorar. Er garantiert höchsten Unterhaltungswert und sichert zu, sich bei Anschuldigungen und Verdächtigungen nicht zurückzuhalten.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
HCD, SCB, ZSC und? Diese Klubs wurden schon Schweizer Hockey-Meister
1 / 14
HCD, SCB, ZSC und? Diese Klubs wurden schon Schweizer Hockey-Meister
HC Davos: 31 Titel, 6 seit 1986; zuletzt Meister: 2015.
quelle: keystone / ennio leanza
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Despacito mit Eishockey-Spielern
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
25 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
HugiHans
18.09.2026 18:08registriert Juli 2018
Und die Schlussfolgerung, das Personen im Verband von Anfang an Bescheid wussten und Fischer solange es ging deckten und sich damit mitschuldig gemacht haben, kam im Bericht nicht vor? Trotz der verweigerten und/oder wiedersprüchlichen Aussagen? Wäre ja das naheliegendste 🤷🏻‍♂️.


Ah, die Kanzlei war sich beim Verfassen wohl bewusst welche Hand sie füttert ….
620
Melden
Zum Kommentar
avatar
Heini Hemmi
18.09.2026 18:17registriert November 2017
„Auf die Angelegenheit angesprochen, verweigert der sonst recht redselige neue Verbandsobmann jede Auskunft.“ Genau mein Humor! 😂😂😂
524
Melden
Zum Kommentar
avatar
Gnu76
18.09.2026 17:42registriert Dezember 2016
Es gäbe noch eine vierte Möglichkeit: Einige Mitglieder im Verband wussten davon und hätten nicht gedacht, dass Fischer so verblendet ist und alles ausplaudert, waren aber dann so naiv zu glauben, dass es schon gut kommt, da Fischer ja ein Hockey-Heiliger ist.
502
Melden
Zum Kommentar
25
Polizei ermittelt: Achterbahn-Waggon der grandiosen Osnabrück-Choreo gestohlen
In der ersten Runde des DFB-Pokals traf der VfL Osnabrück auf Titelverteidiger Bayern München. Zwar ging der Zweitligist als Verlierer vom Platz, brillierte aber mit einer fantastischen Achterbahn-Choreografie. Nun wurde ein Waggon der Choreo gestohlen.
«VfL Osnabrück geht ab wie Achterbahn», so lautete das Motto der atemberaubenden Choreo des VfL Osnabrück im DFB-Pokal gegen Bayern München. Vermummte Puppen fuhren dabei in einer von der Fankurve aufgestellten Achterbahn in einem Waggon über die Bahn. Damit spielten die Osnabrücker darauf an, wie es bei ihrem Klub mal nach oben und dann wieder nach unten geht.
Zur Story