Seit mehreren Wochen kannst du auf unserem Livestream einem Mauersegler-Paar beim Brüten zusehen.
Mittlerweile ist auch der Nachwuchs endlich da. Von den drei gelegten Eiern wurde nur eines bis zum Schluss ausgebrütet. Das Küken, welches am 7. Juni geschlüpft ist, wächst dafür umso rasanter.
In nur 18 Tagen hat es sich komplett verwandelt. Während es sich in den ersten Tagen noch eher wie ein nackter Dinosaurier präsentierte, hat es mittlerweile ein richtig flauschiges Federkleid bekommen. Aber schau am besten selbst:
Die Aufzucht der Vögel dauert im Mittel 42 Tage. Wenn das Wetter also gut bleibt und sich das Kleine weiterhin so gut entwickelt, dürfte es bereits um den 19. Juni herum genauso gross wie seine Eltern sein und ausfliegen.
Für alle, die den Livestream schon länger verfolgen, gehe ich hier unten noch auf zwei Fragen ein, die häufig gestellt werden.
In letzter Zeit haben mich mehrere User kontaktiert, die sich Sorgen um den Lausfliegenbefall der Mauersegler machen oder sogar einen Eingriff fordern. Hierzu möchte ich hier noch kurz Stellung nehmen.
Wie im ursprünglichen Artikel erwähnt, handelt es sich bei der Lausfliege um einen Parasiten, der bei sehr vielen Mauerseglern anzutreffen ist. Er ernährt sich blutsaugend von den Eltern und Jungtieren. Im Livestream ist zu sehen, dass in diesem Nistkasten so einige Lausfliegen anzutreffen sind. Die Vögel haben zeitweise mehrere Lausfliegen am Körper und sind sichtlich davon gestört. Ich verstehe sehr gut, dass dieser Anblick nicht sehr angenehm ist und man das Bedürfnis hat, den Vögeln zu helfen.
Als ich die Vögel vor zwei Jahren das erste Mal per Webcam beobachtete, erging es mir genau gleich. Ich kontaktierte also Ornithologen der Vogelwarte Sempach sowie die Betreiber von Mauersegler Burgdorf, die übrigens auch eine tolle Webcam haben. An beiden Orten hat man mir versichert, dass die Lausfliege keine Gefahr für die Vögel ist und einfach zum Leben der Wildtiere gehört. Dass ein Vogel wegen der Lausfliegen stirbt, kommt nur äusserst selten vor; ob und wie fest die Vögel darunter leiden, ist schlussendlich Ermessenssache.
Es lässt sich nun diskutieren, ob das Unwohlsein der Vögel einen Eingriff durch den Menschen erfordert. Für mich persönlich sind diese Vögel letztlich Wildtiere, die ihr natürliches Leben führen. Neben dem mit Kamera ausgestatteten Nistkasten hängen noch viele andere am Haus und ich müsste mich fragen, ob es verhältnismässig wäre, bei diesen Vögeln einzugreifen, nur weil ich hier beobachten kann, was ich bei den anderen vielleicht nie erfahre. Falls ihr dies ganz klar anders seht, dürft ihr mir aber natürlich sehr gerne einen Kommentar mit euren Gedanken schreiben.
Wie man im Video sieht, ist anfänglich ein Ei mehr im Nest. Ursprünglich legte das Brutpaar drei Eier. Davon fiel eines bereits Ende Mai aus dem Nest. Dies ist in diesem Video genauer zu sehen:
Das zweite Ei war dann ab dem 11. Juni ebenfalls nicht mehr im Nest. Den genauen Hergang konnte ich hier aber nicht nachvollziehen. Analog zur Lausfliege verzichte ich auch hier bewusst auf ein Eingreifen oder Zurücklegen der Eier. Es gibt auch Aufnahmen von Mauerseglern, die ein Ei anscheinend sehr bewusst aus dem Nest stossen oder ein Ei wieder ins Nest zurückrollen. Darum kann ich mir nicht sicher sein, dass ein Zurücklegen der Eier nicht in die Brutstrategie der Vögel eingreifen würde.
Ich hoffe, diese Überlegungen sind für alle nachvollziehbar.
(msh)