Wirtschaft
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Prozess in den USA

Ex-UBS-Banker Raoul Weil freigesprochen – Folgen für Steuerstreit offen

Der ehemalige UBS-Manager Raoul Weil wurde vor Bundesgericht in Fort Lauderdale (Florida) vom Vorwurf der Beihilfe zu Steuerbetrug freigesprochen. Die Geschworenen benötigten nur eine Stunde für die Beratung. Weil und seine Frau brachen in Tränen aus.

«Nicht schuldig», lautete das Verdikt der zwölf Geschworenen am Montagabend um 16.40 Uhr Ortszeit. Raoul Weil, seine Frau Susanne Lerch und die Anwälte der Verteidigung sprangen auf und umarmten sich. Die Staatsanwälte blieben konsterniert sitzen.

Former UBS banker Raoul Weil, who is out on bail, arrives at federal court in Fort Lauderdale, Florida in this file photo taken October 22, 2014. The trial of former high-ranking Swiss banker, Raoul Weil, accused of helping US tax cheats defraud the IRS when he ran global wealth-management for UBS, is likely headed to the jury this afternoon following closing arguments.   REUTERS/Andrew Innerarity/Files (UNITED STATES - Tags: BUSINESS CRIME LAW)

Bild: Andrew Innerarity/REUTERS

Nur zwei Mitglieder der Geschworenen hätten zu Beginn der Beratungen mit einem Schuldspruch geliebäugelt, sagte auf Anfrage der Sprecher der Geschworenen nach dem Prozess. «Sie liessen sich zuerst von Emotionen leiten, statt von Fakten.»

Der Grund für den Freispruch war klar: Es fehlte an direkten Beweisen, dass Weil persönlich in die illegalen Geschäfte der UBS mit US-Kunden verstrickt war. Weil war in den USA wegen Beihilfe zu Steuerbetrug angeklagt.

Bei einem Schuldspruch hätten ihm bis zu fünf Jahre Gefängnis gedroht. Jetzt ist er ein freier Mann. Er bekommt seinen Pass und die hinterlegte Kaution von 10,5 Millionen Dollar zurück.

Raul Weil Prozess: WE HAVE A VERDICT!!

Unmissverständlich teilten die Geschworenen auf dem offiziellen Formular mit: «WIR HABEN EIN URTEIL!!» Bild: Wall street journal



Spannendes Duell der Prozess-Parteien

Dem Urteil war ein spannendes Duell der Parteien vorangegangen. Beide Seiten, Anklage und Verteidigung, hatten je zwei Stunden Zeit, um den Geschworenen nochmals ihre Sicht der Dinge zu präsentieren. Der Freispruch lag aber schon früh in der Luft.

In den Schlussplädoyers konnte die Verteidigung Punkte sammeln, während die Anklage farblos blieb. Das Schlusswort der Verteidigung war hart. Anwalt Matthew Menchel bezeichnete den Kronzeugen Martin Liechti als Kriminellen und Lügner.

Liechti war bis 2008 Amerika-Chef der UBS-Vermögensverwaltung gewesen und hatte seinen früheren Freund und direkten Vorgesetzten Raoul Weil am meisten belastet. «Es ist eine schöne Geschichte, von der US-Regierung schön ausgemalt», spottete Menchel.

«Er hat schlicht gelogen, und als ich ihn überführte, hat er wieder gelogen, und dann nochmals, um seine alten Lügen zu rechtfertigen.»

Verteidiger über Kronzeuge Liechti

In Tat und Wahrheit sei der Fall aber sehr kompliziert. Die Anklage versuche bloss, die Einzelheiten zu übergehen. Die Wahrheit liege aber oft im Detail. So ging er nochmals die Aussagen des Zeugen Liechti durch.

Swiss UBS Banker Martin Liechti is sworn in on Capitol Hill in Washington, Thursday, July 17, 2008, before the Senate Homeland Security and Governmental Affairs subcommittee hearing looking into tax haven banks and compliance with federal tax laws.  (AP Photo/Susan Walsh)

Weils Verteidigung bezichtigte Kronzeuge Martin Liechti (Bild) der Lüge. Bild: AP

«Er hat schlicht gelogen, und als ich ihn überführte, hat er wieder gelogen, und dann nochmals, um seine alten Lügen zu rechtfertigen. Er ist pathologisch.» Es sei Liechti gewesen, der die illegalen Machenschaften der UBS im grenzüberschreitenden Geschäft mit US-Kunden gekannt und unterstützt habe, nicht Weil.

«Dieser Mann, Raoul Weil, hatte damit absolut nichts zu tun.» Zum Schluss drückte er noch auf die Tränendrüsen. Dieses Verfahren habe das Leben seines Mandanten zerstört und dessen Ruf geschädigt.

Magere Beweislage

Die Staatsanwälte Mark Daly und Jason Poole, die am Anfang und zum Schluss das Wort hatten, konnten die magere Beweislage nicht verbessern. Sie beschränkten sich darauf, die illegalen Geschäfte mit US-Kunden möglichst in die Nähe von Weil, der damals Chef der globalen UBS-Vermögensverwaltung und damit oberster Verantwortlicher war, zu rücken.

Sie zeigten nochmals auf, wie es die UBS jahrelang nicht schaffte – offensichtlich nicht schaffen wollte, aus dem umstrittenen Geschäft auszusteigen. Profit sei der Bank wichtiger gewesen als die Einhaltung der Gesetze.

«Es geht um Gier und ums Geld verdienen. Und der Angeklagte war nicht blind.»

Staatsanwalt Poole warf der Verteidigung vor, vom Kern der Sache abzulenken. Es sei eben doch ein einfacher Fall, ein Fall von klassischer Steuerhinterziehung. «Es geht um Gier und ums Geld verdienen. Und der Angeklagte war nicht blind.»

Er habe von diesem illegalen Geschäft Kenntnis gehabt, gewusst, dass 90 Prozent der US-Kunden ihr Konto bei der Steuerbehörde nicht deklarierten. Als es brenzlig wurde, habe er Untergebene wie Liechti sogar aufgefordert, um jeden einzelnen dieser Kunden zu kämpfen, um ihn bei der UBS zu halten.

Richter öffnet Tür zum Freispruch

Richter James Cohn hatte zuvor in seinen Instruktionen an die Geschworenen unterstrichen, dass es nicht der Angeklagte sei, der seine Unschuld beweisen müsse. Er machte dir Tür zu einem Freispruch weit auf.

«Wenn Sie begründete Zweifel an seiner Schuld haben, müssen Sie ihn freisprechen. Wenn sie ihm glauben, dass er nichts gewusst und immer nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt hat, müssen Sie ihn freisprechen.» So kam es dann auch.

Folgen offen

Welche Folgen der Freispruch von Raoul Weil für den Steuerstreit zwischen der Schweiz und den USA hat, ist gemäss den Schweizer Behörden offen. Das Eidg. Finanzdepartement EFD nimmt den Ausgang des Prozesses in den USA zur Kenntnis. 

Der Freispruch sei «nicht negativ» für die Schweiz, sagte EFD-Sprecher Roland Meier auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. (pma/rey/sda)

Das könnte dich auch interessieren:

AfD-Politikerin Alice Weidel ist heimlich wieder in die Schweiz gezogen

Link zum Artikel

Mein Horror-Erlebnis im Militär – und was ich daraus lernte

Link zum Artikel

2 mal 3 macht 4! – Das wurde aus den Darstellern von «Pippi Langstrumpf»

Link zum Artikel

Greta Thunberg wollte Panik säen, erntet nun aber Wut

Link zum Artikel

Pasta mit Tomatensauce? OK, wir müssen kurz reden.

Link zum Artikel

«Es war die Hölle» – dieser Schweizer war am ersten Woodstock dabei

Link zum Artikel

Oppos Reno 5G ist ein spektakuläres Smartphone – das seiner Zeit voraus ist

Link zum Artikel

MEI, Minarett und Güsel: Das musst du zum Polit-Röstigraben wissen

Link zum Artikel

Ich hab die 3 neuen Huawei-Handys 2 Monate im Alltag getestet – es gab einen klaren Sieger

Link zum Artikel

Keine Hoffnung auf Überlebende nach Unwetter im Wallis ++ Gesperrte Pässe in Graubünden

Link zum Artikel

Immer wieder Djokovic – oder Federers Kampf gegen die Dämonen der Vergangenheit

Link zum Artikel

QDH: Huber ist in den Ferien. Wir haben ihn vorher noch ein bisschen gequält

Link zum Artikel

YB-Fan lehnt sich im Extrazug aus dem Fenster – und wird von Schild getroffen

Link zum Artikel

10 Tweets, die zeigen, dass in Grönland gerade etwas komplett schief läuft

Link zum Artikel

Wahlvorschau: Die Zentralschweiz ist diesmal nicht nur für Rot-Grün ein hartes Pflaster

Link zum Artikel

Sogar Taschenrechner verwirrt: Dieses Mathe-Rätsel macht gerade alle verrückt

Link zum Artikel

Die bizarre Geschichte der Skinwalker-Ranch, Teil 4: Die Zweifel des Insiders

Link zum Artikel

Uli, der Unsportliche – warum GC-Trainer Forte in Aarau unten durch ist

Link zum Artikel

Die Bloggerin, die 22 Holocaust-Opfer erfand, ist tot, ihre Fantasie war grenzenlos

Link zum Artikel

Google enthüllt sechs Sicherheitslücken in iOS – das solltest du wissen

Link zum Artikel

Der neue Tarantino? Ist Mist. Aber vielleicht seht ihr das ganz anders

Link zum Artikel

Wohin ist denn eigentlich die Hitzewelle verschwunden? Nun, die Antwort ist beunruhigend

Link zum Artikel

Gewalt und Krankheiten – die Bewohner der ersten Steinzeit-Stadt lebten gefährlich

Link zum Artikel

Ab heute lebt die Welt auf Ökopump – und diese Länder sind die grössten Umweltsünder

Link zum Artikel

ARD-Moderatorin lästert über «Fortnite»-Spieler und erntet Shitstorm – nun wehrt sie sich

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

1
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen

Wegweisend: Bundesgericht bewilligt Lieferung von UBS-Kundendaten an Frankreich

Die Schweiz darf Namen und weitere Informationen zu rund 40'000 UBS-Konten an die französischen Steuerbehörden senden. Das Bundesgericht hat eine Beschwerde der Eidgenössischen Steuerverwaltung mit drei zu zwei Stimmen gutgeheissen. Das Urteil gilt als wegweisend für den Schweizer Finanzplatz.

Im Mai 2016 gelangte die französische Steuerbehörde mit einem Amtshilfegesuch an die Eidgenössische Steuerverwaltung. Die Franzosen forderten Daten von über 45‘000 Kundenbeziehungen der UBS. Das …

Artikel lesen
Link zum Artikel