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Keine Klimapolitik: Nationalbank will weiter in Öl-Aktien investieren

15.11.2019, 10:31

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) will auch weiterhin in Öl- und Gas-Aktien investieren. Es sei nicht ihre Aufgabe, Klimapolitik zu machen, so SNB-Direktorin Andréa Maechler.

Aufgabe der Nationalbank sei die Gewährleistung der Preisstabilität. Dass die SNB «spezifische struktur- oder gesellschaftspolitische Ziele anstrebe», sei nicht wünschenswert, sagte Maechler am Donnerstag in Genf.

SNB-Direktorin Andréa Maechler. (Archivbild von 2016)
SNB-Direktorin Andréa Maechler. (Archivbild von 2016) Bild: KEYSTONE

Während andere Notenbanken und Investoren wie Pensionskassen fossile Ölträger aus ihren Portfolios streichen, will die SNB daran festhalten: «Den SNB-Auftrag mit Blick auf die Verwirklichung anderer Ziele wie die Förderung einer grünen Wirtschaft zu erweitern, würde den Weg für Interessenkonflikte frei machen», warnte Maechler. Das würde zu einer Politisierung der Geld- und Währungspolitik führen.

Momentan ist rund 20 Prozent des Kapitals der SNB in Aktien angelegt. Die Nationalbank investiert in rund 6700 Unternehmenstiteln aus über 40 Ländern. Darunter sind Papiere aus allen Industrien, gemäss Angaben des SRF auch Aktien von Erdölfirmen wie Exxon Mobil oder Chevron.

So legt die Nationalbank an
Die Nationalbank verfolgt bei ihren Aktienanlagen einen passiven und neutralen Ansatz, der sogenannt indexnah umgesetzt wird. Sie bildet mit ihren Anlagen eine Reihe von für die Märkte repräsentativen Indizes nach. Dadurch werde gewährleistet, dass die SNB an den Märkten so neutral wie möglich handle.

In zwei Fällen weicht die SNB von der Neutralität ab:
1. Um Interessenskonflikte zu vermeiden, verzichtet die SNB auf Investitionen in Aktien systemrelevanter Banken sowie mittel- und grosskapitalisierter Banken. Aus dem gleichen Grund hält sie keine Beteiligung an Schweizer Unternehmen.
2. Seit 2013 verzichtet die SNB auf Investitionen in Unternehmen, die in grober Weise gegen ethische Prinzipien verstossen. Dies betrifft namentlich Unternehmen, die in die Produktion international geächteter Waffen involviert sind, grundlegende Menschenrechte massiv verletzen oder systematisch gravierende Umweltschäden verursachen.

Ökologische Gedanken spielen eine Rolle, aber …

Bei der Bewirtschaftung der umfangreichen SNB-Devisenreserven lasse die Nationalbank durchaus ihre Überlegungen zur ökologischen Nachhaltigkeit einfliessen, sagte der stellvertretende SNB-Direktor Thomas Moser. Die Bewirtschaftung sei jedoch klar den geldpolitischen Anforderungen untergeordnet, betonte er.

Eine aktivere Bewirtschaftung auf dem Gebiet der Umwelt als heute würde zudem die Anlagemöglichkeiten der SNB stark einschränken, so Moser: «Sie könnte die Schwankungen unserer Ergebnisse noch erhöhen.»

Würde die SNB die umweltverträglichen Anlagen übergewichten, könnte sie zudem etwa ihre Bilanz nicht mehr verkleinern, ohne die Preise zu beeinflussen. «Die Neutralität gegenüber dem Markt wäre nicht mehr gewährleistet.» (sda/awp/mlu)

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17 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Randen
15.11.2019 10:55registriert März 2014
Exxon Mobil macht aber genau das da => systematisch gravierende Umweltschäden verursachen. Das tun sie seit Jahren obwohl sie schon in den 70ern wussten was geschehen wird.
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FrancoL
15.11.2019 10:55registriert November 2015
"Aufgabe der Nationalbank sei die Gewährleistung der Preisstabilität"

Vielleicht könnte man sich auch überlegen, dass eine nachhaltige Investitionspolitik erst recht zur Preisstabilität beitragen würde. Kurzfristig auf Oel und Gas zu setzen mag JETZT etwas eintragen, aber für die Zukunft wohl kaum.
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Ueli der Knecht
15.11.2019 11:06registriert April 2017
Es ist ja auch total demokratisch, dass die Nationalbank Aktien im Wert von mehreren hundert Millionen Franken kauft, und dann die damit verbundenen Stimmrechte, die eigentlich den schweizern Bürgern gehören, einfach nutzlos vergammeln lässt.

Demokratie geht anders.

Im Grunde genommen, und technisch wären wir dazu sehr wohl in der Lage, müssten die schweizer Bürger an den GVs der Aktiengesellschaften nicht nur ihr Stimmrecht geltend machen dürfen, sondern auch Anträge stellen, um Abstimmungen zu erwirken.

Denn letztlich regieren (und zerstören) diese Firmen die Welt.
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