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Deine Aktien ausleihen für einen Zusatzbatzen, lohnt sich das?

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Deine Aktien ausleihen für einen Zusatzbatzen, lohnt sich das?

Immer mehr Anbieter geben dir die Möglichkeit, deine Aktien und ETFs gegen einen Ertrag auszuleihen. Was dahintersteckt, wie viel es realistisch bringt und welche fünf Fragen du stellen solltest, bevor du das Häkchen setzt.
01.10.2026, 14:0101.10.2026, 14:01
Olga Miler
Olga Miler

Letzte Woche bin ich zum Nachbarn, um ein Velo auszuleihen. Meines war wieder mal platt, und die Kinder wollten ihres nicht ausleihen. Als Dankeschön bringe ich ihm dann immer gerne eine Flasche Averna. Am Abend fragte mich eine unserer Teilnehmer:innen im Chat, ob ich die Wertpapierleihe kenne und damit Erfahrung habe. Und ich dachte: Eigentlich ist das dasselbe Prinzip wie beim Velo auf Pump. Nur dass mich der Nachbar kennt. Und weiss, wo ich wohne.

Vielleicht hast du auch schon eine Nachricht von deinem Anbieter bekommen oder bist im Kleingedruckten deines Depotvertrags über die Frage gestolpert, ob du ein Zusatzeinkommen erwirtschaften und deine Aktien oder ETFs verleihen möchtest. Die Idee klingt verlockend: Die Schweizerische Nationalbank hat den Leitzins im September erneut bei 0% belassen. Auf dem Sparkonto gibt es praktisch nichts, also wird jeder Zusatzbatzen interessant. Hier sind einige Punkte, die du dazu wissen solltest.

Was heisst Wertpapiere ausleihen?

Bei der Wertpapierleihe (Securities Lending) stellst du deine Aktien oder ETF-Anteile für eine bestimmte Zeit jemand anderem zur Verfügung. Dieser zahlt dafür eine Leihgebühr und hinterlegt Sicherheiten, zum Beispiel Bargeld oder Staatsanleihen. Am Ende bekommst du gleichartige Wertpapiere zurück. Nicht zwingend dieselben, aber in derselben Anzahl und vom selben Titel.

Zu den Entleihern gehören Banken, Broker und Hedgefonds. Sie benötigen Wertpapiere beispielsweise für Leerverkäufe, zur Absicherung anderer Positionen oder um Handelsgeschäfte fristgerecht abzuwickeln. Auch Market Maker nutzen die Wertpapierleihe, um den Handel zu ermöglichen.

Das Geschäft ist riesig. Weltweit wurden 2025 mit der Wertpapierleihe 15.3 Milliarden US-Dollar Ertrag erzielt, 26 % mehr als im Vorjahr, und erstmals waren über 4 Billionen Dollar an Wertpapieren ausgeliehen (Equilend, Januar 2026). Treiber waren vor allem KI-Aktien und die hohe Volatilität rund um Zölle und Geopolitik. Die Frage ist also nicht, ob mit deinen Aktien Geld verdient werden kann, sondern wie viel davon bei dir ankommt.

Wer bietet Wertpapierleihe in der Schweiz an?

Lange war die Wertpapierleihe ein Geschäft unter Profis. Inzwischen öffnen verschiedene Anbieter das Angebot auch für Privatkundinnen und -kunden, z.B.:

  • Saxo Schweiz teilt die Leiherträge 50/50 mit dir. Die Sicherheiten betragen mindestens 102 Prozent des Werts der ausgeliehenen Titel, werden täglich neu bewertet und in der Schweiz separat verwahrt. Du bezahlst keine Depotgebühr. Deine direkte Gegenpartei ist Saxo selbst. Du kannst jederzeit aussteigen und verliehene Titel jederzeit verkaufen.
  • Swissquote hat einen Passiven Einkommensplan, zusammen mit dem Fintech Sharegain. Die Leiherträge werden 50/50 zwischen dir und Swissquote geteilt. Die Entleiher hinterlegen Sicherheiten von mindestens 105 Prozent des Werts der ausgeliehenen Titel, die täglich bewertet und separat bei Bank of New York Mellon verwahrt werden. Aktivieren kannst du das Programm für das ganze Portfolio; einzelne Titel kannst du über den Kundendienst ausschliessen.
  • Interactive Brokers gibt im Stock Yield Enhancement Program ebenfalls 50 Prozent eines marktbezogenen Leihsatzes weiter. Als Sicherheit hinterlegt der Broker Cash oder US-Staatsanleihen.

Was bringt dir die Wertpapierleihe?

Wie viel du verdienst, hängt davon ab, wie knapp und gefragt deine konkreten Titel am Leihmarkt sind. Gut verfügbare Wertpapiere bringen häufig wenig oder werden gar nicht ausgeliehen. Bei schwer verfügbaren Titeln können die Leihsätze deutlich höher liegen. Swissquote z. B. weist Leihsätze von 0,5-4% pro Jahr aus, bei Saxo findet man Angaben zu gefragten Aktien, welche in der Vergangenheit 5–20% gebracht haben.

Ein vereinfachtes, illustratives Rechenbeispiel: Von deinem Depot über 100’000 Franken sind im Jahresdurchschnitt Titel im Wert von 20’000 Franken ausgeliehen. Bei einem angenommenen Leihsatz von 0,5 Prozent entstehen 100 Franken Leihertrag. Geht die Hälfte an den Anbieter, bleiben dir 50 Franken vor Steuern. Wird nichts ausgeliehen, verdienst du nichts.

Für ein klassisches ETF-Depot ist die Wertpapierleihe eher ein Zustupf an die Depotgebühren als eine echte Einnahmequelle.

Dein ETF verleiht vielleicht schon

Viele ETFs verleihen selbst einen Teil ihrer Wertpapiere. Die zusätzlichen Erträge kommen der Wertentwicklung des Fonds zugute, auch ohne dass du die Wertpapierleihe bei deinem Broker aktivierst. Ob dein ETF das macht, findest du im Jahresbericht oder auf der Produktseite unter Securities Lending oder Wertpapierleihe.

Chancen & Risiken

Wie vieles bei den Finanzen hat auch die Wertpapierleihe Vor- und Nachteile.

Chancen:

  • Zusatzertrag ohne Aufwand: Einmal aktiviert, läuft es im Hintergrund.
  • Du bleibst investiert: Die Kursentwicklung deiner Titel gehört weiterhin dir, im Guten wie im Schlechten.
  • Flexibilität: Bei den meisten Anbietern kannst du verliehene Titel jederzeit verkaufen und das Programm wieder ausschalten.
  • Gebühren kompensieren: Gerade bei Anbietern mit Depotgebühren kann der Leihertrag einen Teil davon wettmachen.

Risiken:

  • Du bist nicht mehr Eigentümerin, sondern Gläubigerin. Solange deine Titel ausgeliehen sind, gehören sie rechtlich nicht mehr dir. Du hast nur noch einen Anspruch darauf, gleichartige Titel zurückzubekommen. Normalerweise sind Wertpapiere in deinem Depot bei einem Bankkonkurs geschützt, sie werden ausgesondert und bleiben dein Eigentum. Bei ausgeliehenen Titeln ist das nicht der Fall. Die Sicherheiten federn das ab, aber sie sind kein Garant: Fällt deine Gegenpartei aus und reichen die verwertbaren Sicherheiten nicht aus, kann dir ein Verlust entstehen. Das kann etwa passieren, wenn der Kurs der verliehenen Titel stark steigt oder die Sicherheiten an Wert verlieren.
  • Kein Stimmrecht: Während der Leihe kannst du an der Generalversammlung nicht mitbestimmen.
  • Ersatzzahlung statt Dividende: Sind deine Aktien über den Dividendentermin verliehen, erhältst du unter Umständen eine Ausgleichszahlung statt der regulären Dividende. Steuerlich muss das nicht dasselbe sein. Ob Quellensteuern zurückgefordert oder angerechnet werden können, hängt unter anderem vom Herkunftsland der Dividende und der Abwicklung der Leihe ab. Lass dir deshalb erklären, welcher Betrag nach Steuern bei dir ankommt und welche Belege du erhältst.
  • Wenig Kontrolle: An wen, wann und zu welchen Konditionen verliehen wird, entscheidest nicht du.
  • Viel Kleingedrucktes für einen unter Umständen relativ bescheidenen Ertrag: Gerade bei breit gestreuten Portfolios mit gängigen Marktindizes sind die Erträge eher bescheiden.

Für wen kann sich Wertpapierleihe lohnen, und für wen eher nicht?

Interessant kann sie sein, wenn du:

  • Deine Wertpapiere ohnehin länger halten möchtest und sie am Leihmarkt gefragt sind.
  • Nach Anbieteranteil und Steuern einen für dich lohnenden Zusatzertrag bekommst, vorher genau berechnen ist allerdings schwierig.
  • Die Bedingungen verstehst und das zusätzliche Gegenparteirisiko akzeptierst.

Weniger passend ist sie, wenn du:

  • Dein Depot möglichst einfach halten und zusätzliche Risiken vermeiden möchtest.
  • Deine Stimmrechte ausüben möchtest oder die steuerlichen Folgen unklar bleiben.
  • Vor allem gut verfügbare Standard-ETFs hältst und der erwartete Zustupf für dich den zusätzlichen Aufwand und das Risiko nicht rechtfertigt.

5 Fragen, bevor du das Häkchen setzt

  1. Wie wird der Ertrag aufgeteilt? Wie viel der Leihgebühr kommt bei dir an, und wie viel behalten Bank und Vermittler?
  2. Welche Sicherheiten gibt es, und wo liegen sie? Wie hoch ist die Überdeckung, wie oft wird sie neu bewertet, und ist sie getrennt von der Bank verwahrt?
  3. Kann ich einzelne Titel ausnehmen? Zum Beispiel Aktien, bei denen dir das Stimmrecht wichtig ist.
  4. Was passiert mit Dividenden und Quellensteuern? Frag konkret nach, ob du die Verrechnungssteuer und ausländische Quellensteuern weiterhin zurückfordern kannst.
  5. Wie schnell komme ich wieder raus? Kann ich jederzeit verkaufen und das Programm ohne Frist beenden?

Ich für meinen Teil habe die Wertpapierleihe in meinem Depot nicht aktiviert. Viele meiner Depots bestehen vor allem aus breiten und thematischen ETFs, und für die überschaubaren Erträge möchte ich nicht vom Eigentum in eine Forderung wechseln.

Hast du die Wertpapierleihe in deinem Depot aktiviert, oder wusstest du bis heute gar nicht, dass es sie gibt? 💰

Olga Miler ...
… war über zehn Jahre in verschiedenen Funktionen bei der UBS tätig, unter anderem hat sie dort das Frauenförderungsprogramm und den UBS Gender ETF aufgebaut. Danach gründete sie den unabhängigen Finanzbildner SmartPurse, eine Plattform, auf der sie digitale Kurse und Workshops zum Thema Finanzen anbietet. Seit fünf Jahren schreibt Miler den Blog «MoneyTalks», jüngst erschien ihr erstes Buch «Rich, Richer … Me!», ein humoristischer Finanzratgeber, im .
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