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MoneyTalks: SpaceX-IPO: Traden oder Investieren, was passt zu dir?

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SpaceX-IPO: Traden oder Investieren, was passt zu dir?

Freitag geht SpaceX an die Börse, wahrscheinlich wird es der grösste Börsengang der Geschichte. Alle reden davon, viele wollen dabei sein. Bevor du jetzt eine Order platzierst, lohnt sich eine ehrliche Frage: traden, investieren oder beides? Hier erfährst du, was es damit auf sich hat und wie du beim IPO mitmachen kannst.
11.06.2026, 14:0211.06.2026, 14:02
Olga Miler
Olga Miler

Lange erwartet, vielfach diskutiert. Elon Musks SpaceX geht an die Börse. Ticker: SPCX. Nasdaq. Angestrebter Ausgabepreis: 135 US-Dollar je Aktie, Bewertung bis zu 1.75 Billionen US-Dollar und damit wohl der grösste Börsengang der Geschichte.

In meinen Kursen und den Chatgruppen gab es dazu viele Fragen und spannende Diskussionen, von praktischer Umsetzung bis hin dazu, ob Mitmachen überhaupt sinnvoll ist, und natürlich viel über Elon Musk. Vielleicht fragst du dich auch: Soll ich dabei sein? Und wenn ja, wann und wie eigentlich?

Was der Unterschied zwischen Traden und Investieren ist, warum auch diejenigen, die gar keine Fans von SpaceX sind, vielleicht bald schon Aktien im Portfolio haben werden und wie du beim IPO mitmachen kannst, erfährst du hier.

Traden vs. Investieren

Kurz im Erklärmodus, weil die Begriffe oft durcheinandergeworfen werden.

Investieren

Du kaufst eine Aktie, einen ETF oder eine andere Anlage und hältst sie langfristig, über Jahre oder sogar Jahrzehnte. Du glaubst an das Geschäftsmodell, willst am Wachstum teilhaben und lässt den Zinseszins für dich arbeiten.

Der langfristige Vermögensaufbau steht im Vordergrund, kurzfristige Kursschwankungen interessieren dich nicht besonders. Studien zeigen immer wieder: Wer langfristig und breit gestreut investiert, schlägt auf Dauer die meisten aktiven Trader. Für die meisten Menschen mit Beruf, Familie, Leben, die langfristig ihr Vermögen mehren wollen, ist das der realistischere Ansatz.

Traden

Du kaufst und verkaufst z. B. Aktien, Contracts of Difference (CFDs), Optionen, Währungen oder Futures kurzfristig, manchmal innerhalb von Minuten, Stunden oder Tagen. Du analysierst Charts, Nachrichten und Kursverläufe und versuchst, von kurzfristigen Bewegungen zu profitieren. Im Vordergrund stehen schnellere Gewinne, die auch erheblich sein können.

Aber verschiedene Studien zeigen, dass rund 74 bis 89 % der privat tradenden Menschen langfristig Geld verlieren (ESMA, Zahlen zu CFD Handel). Weil sie gegen Algorithmen, Vollzeitprofis und vor allem die eigene Psychologie kämpfen.

Wann macht Traden trotzdem Sinn? Wenn du Spass an den Finanzmärkten hast und die Zeit hast, dich häufig damit zu beschäftigen. Wenn du die Technik, Charts, Orders, Stop-Loss in den Grundzügen verstehst. Wenn du kurzfristig Gewinne machen möchtest. Und wenn das Kapital, das du einsetzt, auch komplett weg sein darf, ohne dass dein Leben davon abhängt.

Wann ist Investieren die bessere Wahl? Fast immer, wenn du Vermögen langfristig aufbauen willst und nicht täglich auf dein Depot schauen möchtest.

Kombination beider Welten

Das eine muss das andere nicht ausschliessen. Viele Menschen, wie zum Beispiel ich, haben langfristige Anlagen und zusätzlich einen Trading Pot von z. B. fünf Prozent des Anlagevermögens, um kurzfristige Chancen wahrzunehmen. Wichtig ist vor allem, dass du dir bewusst bist, in welcher Welt und mit welchem Ziel du mitmachst, und dir dafür nicht nur klare Regeln setzt, sondern dich auch daran hältst.

Der häufigste Fehler: Man beginnt mit dem Investieren, wird beim ersten Kurseinbruch nervös, versucht den Markt irgendwie zu timen und landet ungewollt im Limbo.

Trading einfach erklärt: So startest du erfolgreich

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Warum SpaceX die Frage nach Traden und Investieren so plakativ weckt

SpaceX vereint Raumfahrt (Raketen, Starship), ein globales Satelliten-Internet (Starlink) und künstliche Intelligenz (Xai) unter einem Dach. Science-Fiction wird so quasi Stück für Stück zur kommerziellen Realität.

Gleichzeitig sind die Zahlen im offiziellen S-1-Prospekt eher nüchtern: SpaceX wies im ersten Quartal 2026 einen Nettoverlust von 4.28 Milliarden US-Dollar aus, bei einem Umsatz von 4.69 Milliarden Dollar. Der Grund: Das Xai-Segment verbrennt Kapital in industriellen Mengen. Das Starlink-Segment dagegen ist operativ profitabel und erwirtschaftete 2025 einen operativen Gewinn von 4.4 Milliarden Dollar. (Quelle: SpaceX S-1, SEC EDGAR, eingereicht 20. Mai 2026)

Das Analysehaus Morningstar sieht den fairen Wert von SpaceX bei rund 780 Milliarden Dollar, fast halb so viel wie die angestrebten 1.75 Billionen. (Quelle: Morningstar, zitiert in investing.com, Juni 2026)

Jetzt geht diese Firma an die Börse und die Aktien werden für uns alle zugänglich. Historische Daten zeigen, dass solche Börsengänge verschiedene Chancen bieten:

  • IPO Pop: Am ersten Handelstag selbst oder kurz danach sind die Kursschwankungen erheblich. Laut einer langfristigen Analyse von Finanzprofessor Jay Ritter (University of Florida) lagen die durchschnittlichen First Day Returns bei US-Börsengängen von 1980 bis 2025 bei rund 19 %, bei Tech-IPOs sogar bei 31 %. (Quelle: Ritter, «Initial Public Offerings: Updated Statistics», University of Florida, Mai 2026)·
  • Langfristig ist Vorsicht angebracht: Wer erst am ersten Schlusskurs einstieg und drei Jahre hielt, underperformte den Markt im Schnitt um rund 20%. Das gilt für den US-Markt über 44 Jahre und einzelne IPOs können stark davon abweichen. Aber die Botschaft ist klar: Die Euphorie des ersten Tages kann ihren Preis haben.

Die Fragen, die du dir stellen solltest:

  • Glaube ich an SpaceX und will ich mir das langfristig ins Depot holen? Dann kann es sinnvoller sein, den IPO-Hype auszusitzen, zu beobachten, was passiert, und erst mit mehr Daten zu entscheiden, wenn der Markt die Bewertung zeigt.
  • Willst du kurzfristige Chancen nutzen und auf einen IPO Pop hoffen? Dann solltest du für den Start entsprechend parat sein.

Wie kannst du am SpaceX-IPO mitmachen?

Es gibt mehrere Wege mit sehr unterschiedlichen Chancen und Risiken.

Option 1: Zeichnung vor dem Börsengang

Elon Musk hat bis zu 30 Prozent der Aktien für Private reserviert. Diese kannst du vorzeichnen, bevor der Markt loshandelt. Allerdings ist die Zuteilung nicht garantiert. Die Zeichnung läuft grösstenteils über US-Konsortialbanken und ausgewählte US-Broker.

Für uns in der Schweiz ist der direkte Zugang daher eher schwierig. Die Saxo Bank Schweiz bietet eine IPO-Zeichnung an, die IG Bank bietet Möglichkeiten an, mit CFDs am Pre-IPO-Markt teilzunehmen.

Option 2: Am ersten Handelstag kaufen

Ab dem 12. Juni ist SPCX an der Nasdaq wie jede andere US-Aktie handelbar. Über gängige Broker kannst du ab Marktöffnung, sobald SpaceX gelistet ist, eine Order platzieren. Dann siehst du auch den echten Marktpreis.

Zu beachten: Der erste Handelstag eines gehypten IPOs kann sehr volatil ausfallen, Kurse können innert Minuten im zweistelligen Prozentbereich schwanken, in beide Richtungen. Praktisch heisst das: um 15.30 Uhr vor dem Computer parat sein und dann situativ entscheiden und handeln.

Option 3: Abwarten

Hype abklingen lassen. Kurs beobachten. Zahlen verstehen. Und später einsteigen, z. B. nach der ersten Ergebnisveröffentlichung als börsennotiertes Unternehmen.

SpaceX wird nach dem IPO voraussichtlich in den Nasdaq-100 und allenfalls andere Indizes aufgenommen, das heisst, wer heute z. B. einen Nasdaq-100-ETF-Sparplan hat, wird früher oder später automatisch an Bord sein. Ob du willst oder nicht.

Wenn der Kurs im Zeitverlauf fällt, könntest du einen vorteilhafteren Einstieg haben. Dafür lässt du die Chance des Starts bewusst an dir vorbeiziehen. Falls sich das Ganze positiv entwickelt, ist der Kurs bereits gestiegen und du steigst auf einem anderen Level ein.

Option 4: Über Umwege partizipieren

Alternativen für alle, die SpaceX-Exposure wollen, ohne direkt in SPCX zu investieren: Der Scottish Mortgage Investment Trust (WKN: A115BA) hält SpaceX als grösste Einzelposition mit rund 18 bis 19 Prozent Portfolioanteil.

Oder einfach mit Space-ETFs wie dem VanEck Space Innovators UCITS ETF investieren, auch diese ETFs werden SpaceX nach dem IPO potenziell aufnehmen. Bei diesem Vorgehen hast du Diversifikation und geringeres Einzeltitelrisiko, aber keinen direkten SpaceX-Effekt.

Ich für meinen Teil werde den IPO-Trade mit meinem Trading Pot am Tag selbst live versuchen. Nicht, weil ich ein SpaceX-Fan bin, sondern weil mich der Börsengang interessiert und man live in beide Richtungen traden kann. Gelingt es, super. Und wenn nicht, dann eben abwarten, wie sich ein Unternehmen mit einer Bewertung von 1.75 Billionen Dollar und einem laufenden Konzernverlust entwickelt. Mein Nasdaq-ETF-Sparplan wird mich ohnehin früher oder später wohl an Bord holen.

Und du, bist du beim SpaceX-Börsengang dabei oder schaust zuerst einmal und wartest ab?💰🚀

Olga Miler ...
... war über zehn Jahre in verschiedenen Funktionen bei der UBS tätig, unter anderem hat sie dort das Frauenförderungsprogramm und den UBS Gender ETF aufgebaut. Danach gründete sie den unabhängigen Finanzbilder SmartPurse, eine Plattform, auf der sie digitale Kurse und Workshops zum Thema Finanzen anbietet. Seit fünf Jahren schreibt Miler den Blog «MoneyTalks», jüngst erschien ihr erstes Buch «Rich, Richer...Me!», ein humoristischer Finanzratgeber, im Beobachter Verlag.
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Bild: Evelyn Harlacher
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