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MoneyTalks: Wie viele Finanz-Apps brauchst du wirklich?

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Wie viele Finanz-Apps brauchst du wirklich?

Warum zu viele Finanz-Apps dich Geld kosten können, wann mehrere trotzdem sinnvoll sind, wie du die Übersicht auch bei den Anlagen behalten kannst und mit welchen vier Fragen du dein Setup in fünf Minuten prüfst.
17.09.2026, 14:0217.09.2026, 14:02
Olga Miler
Olga Miler

Neulich wollte ich nur kurz nachschauen, wie viel Budget diesen Monat noch für die Herbstferien übrig ist. Zwanzig Minuten später hatte ich vier Apps geöffnet, ein Gesichtserkennungs-Login wiederholt, weil die Brille im Weg war, und bin in einer Watchlist stecken geblieben, die ich seit dem Frühling nicht mehr angeschaut hatte. Die Ferienfrage? Immer noch offen. Dafür wusste ich jetzt, dass eine Aktie, die ich (noch?) gar nicht besitze, an diesem Tag drei Prozent verloren hatte.

Vielleicht geht es dir ähnlich. Banking-App fürs Lohnkonto, eine zweite Bank fürs Sparkonto, verschiedene Broker-Apps für Depots, für die Reisen, dazu kommen Säule-3a-Apps, und für die Fragen zwischendurch noch KI-Buddies. Dann noch verschiedene News-Anbieter und Social Media. Wenn die alle dann Push-Nachrichten schicken, wird's laut und bunt. In meinen Workshops höre ich immer öfter: «Ich habe eigentlich alles, aber ich habe keinen Überblick.»

Dazu kommt die News Fatigue, wie der Länderbericht Schweiz zum Reuters Institute Digital News Report 2026 zeigt: 39% der Befragten vermeiden bewusst Nachrichten, gleichzeitig nutzen bereits 10% KI-Chatbots für News, meist weil es «schneller» geht, und nur 16% vertrauen diesen Antworten.

Wie viele Finanz-Apps haben wir?

Studien des IFZ der Hochschule Luzern kommen auf durchschnittlich 2,2 Bankbeziehungen pro Person in der Schweiz; rund ein Drittel hat drei oder vier. Gemäss dem aktuellen Swiss Payment Monitor von HSG und ZHAW haben 43,8 Prozent der Befragten schon mindestens einmal eine Online- Banklösung oder Neobank genutzt, allen voran Revolut (20,5%,), Yuh (12,5%) und Neon (10,8%). Auch bei den Neobanken gibt es grosse Kostenunterschiede, wie Moneyland aufzeigt: Die Gesamtkosten variieren von 48 Franken (Wise) bis 262 Franken (Zak). Einen Kostenvergleich kannst du hier gratis runterladen.

Im Bereich Mobile Payment ist Twint ungeschlagen der Spitzenreiter mit über sechs Millionen Nutzer:innen.

Dazu kommt bei vielen ein separater Broker fürs Depot.

Vier bis sechs Orte, an denen dein Geld und deine Informationen verteilt liegen, sind heute somit eher die Regel als die Ausnahme.

Push-Meldung, Impulskauf: Wie unser Kopf auf Apps reagiert

Die Herausforderung ist selten die einzelne App. Es ist, was unser Kopf daraus macht. Frühere Studien der Universität St. Gallen haben das ziemlich deutlich gezeigt: Nach einer Push-Nachricht handelten die Leute um ein Vielfaches häufiger und gingen dabei ein signifikant höheres Risiko ein (Universität St.Gallen, 2021).

Das liegt weniger an der Nachricht selbst als an uns: Eine Kursmeldung auf dem Sperrbildschirm fühlt sich an wie ein Handlungsbefehl, auch wenn sie nur eine Information ist. Und je mehr Apps, desto mehr solche Momente pro Tag.

Die meisten Broker-Apps lassen dich Kursalarme, Marktnews und Kontobewegungen einzeln ein- oder ausschalten, sodass du nur die Benachrichtigungen behältst, die du wirklich brauchst, z. B. für Ein- und Auszahlungen oder Anlagen, die dich wirklich interessieren.

Verändert KI unser Finanzverhalten?

Jede vierte Person in der Schweiz hat schon einmal eine Finanz- oder Anlagefrage an ChatGPT und Co. gestellt, bei den Anlegerinnen und Anlegern ist es jede dritte (IFZ/finpension/Demoscope, 2026).

Rund die Hälfte der Anlegerinnen und Anleger, die eine KI befragen, sagt, ihr Verhalten habe sich dadurch verändert: 15 % entscheiden schneller, 11 % sparen mehr, 10 % investieren höhere Beträge, 12 % haben aufgrund einer KI-Empfehlung den Anbieter gewechselt (IFZ/finpension, Februar 2026).

Zum Erklären von Begriffen, zum Vergleichen von Gebührenmodellen oder zum Vorbereiten eines Bankgesprächs kann das nützlich sein. Für Kursdaten, Steuerdetails oder eine Empfehlung ist es das (noch) nicht: Die KI kennt deine persönliche Finanzsituation nicht und sie kann, von der Datenvertraulichkeit ganz zu schweigen, sehr überzeugend falsch liegen.

Warum mehrere Apps sinnvoll sein können

Es gibt gute Gründe, dein Geld bewusst zu verteilen:

  • Sicherheit: Die Einlagensicherung schützt pro Kundin und Bank maximal 100'000 Franken. Wer mehr Cash hat, verteilt es besser.
  • Kosten: Die Unterschiede sind gewaltig. Die aktuelle Moneyland-Studie vom 27. August 2026 bestätigt: Traditionelle Banken verlangen für die Vermögensverwaltung meist Pauschalgebühren über einem Prozent. Eine Auswertung der jährliche ZWEI Wealth Studie zeigt: Bei Portfolios unter einer Million Franken zahlen die günstigsten zehn Prozent der Kundinnen 0,91% pro Jahr, die teuersten zehn Prozent 2,75%, der Median liegt bei 1,9%. Bei den teuersten Anbietern zahlst du also dreimal so viel wie beim günstigsten.
  • Währungen: Neobanken wechseln Fremdwährungen zu deutlich besseren Kursen als die meisten Hausbanken. Reisen ist gemäss Swiss Payment Monitor inzwischen der Hauptgrund, überhaupt eine Neobank zu nutzen.
  • Spezialisierung: Eine gute 3a-App, ein günstiger Broker und ein solides Lohnkonto sind drei verschiedene Jobs. Selten macht eine einzige Bank alle drei gleich gut.

Spezialisierte Apps sind oft günstiger, aber nur, wenn du die Gebühren auch wirklich vergleichst. Denn gerade die versteckten Kosten, etwa die Währungsmargen beim Kauf ausländischer Titel, machen laut ZWEI Wealth über die Jahre einen erheblichen Teil der Gesamtkosten aus.

Trotz vieler Quellen den Überblick behalten

Bei vielen spezialisierten Anwendungen fehlt oft die Übersicht. Wie viel Cash liegt insgesamt herum? Wie hoch ist mein Aktienanteil über alle Depots? Habe ich den gleichen ETF zweimal, einmal beim Broker und einmal in der 3a? Solche Fragen lassen sich ohne Gesamtsicht kaum beantworten.

Die naheliegende Lösung wäre Konsolidierung in einer Übersicht. In der EU gibt es das seit Jahren, weil der Gesetzgeber zu standardisierten Schnittstellen verpflichtet. Die Schweiz geht den freiwilligen Weg.

  • Multibanking der Banken: Seit dem 25. November 2025 zeigen einige Banken in ihrer eigenen App auch die Konten anderer Banken an. Technisch läuft das über die bLink-Plattform von SIX. Der Dienst ist kostenlos und muss von dir aktiv freigeschaltet werden. Eine Übersicht findest du hier.
  • Budget-Apps: Auch hier gibt es Schweizer Ansätze, z. B. Liquid oder Bluebudget, welche ebenfalls an bLink angeschlossen sind.
  • Portfolio-Tracker fürs Depot: Wer mehrere Depots hat, braucht ein anderes Werkzeug. Parqet (Gratis-Basisversion, Plus-Abo rund 100 Franken pro Jahr) importiert Depotauszüge per CSV und rechnet in Franken. Alternative dazu Getquin, etwas günstiger, zusätzliche KI Unterstützung und Möglichkeit auch Kunst oder Rohstoffe hinzuzufügen. Wer es lokal mag: Portfolio Performance gratis, läuft lokal auf dem Computer und hat sehr viele Funktionen, ist aber nicht ganz so einfach zu handhaben.

Wichtig: Eine Konsolidierungs-App ist nur so gut wie die Daten, die du ihr gibst, und sie ist eine weitere App mit Zugriff auf deine Finanzdaten. Schau dir vor dem Verbinden an, wer dahintersteht, wo die Daten liegen und wie du den Zugriff wieder entziehst. Pragmatisch geht es auch mit einer Excel-Tabelle (oder Toshl Finance), die lokal gespeichert ist und alle paar Monate aktualisiert wird.

5 Tipps, um aus deinen Finanztools das Maximum herauszuholen

Es geht nicht darum, möglichst wenige oder möglichst viele Tools zu haben, sondern die richtigen, und jedes mit einem klaren Job. Hier ein paar Tipps dazu:

  • Jede App bekommt eine Aufgabe: Lohnkonto und Rechnungen, Notbatzen, langfristiges Depot, Reisen, Vorsorge. Was keine Aufgabe hat, kann raus.
  • Ein Ort für die Gesamtsicht: Multibanking bei deiner Hauptbank aktivieren, falls sie es anbietet, und für die Depots entweder ein Tracker oder eine Tabelle. Wichtig ist vor allem, dass du irgendwo eine Übersicht hast.
  • Benachrichtigungen bewusst wählen: Nur Meldungen behalten, die eine Handlung brauchen. Statt Kursalarmen ein fixer Termin: einmal im Monat Kontrolle, einmal im Quartal Gesamtbild, einmal im Jahr Gebühren prüfen.
  • KI als Erklärhilfe, (noch) nicht als Beraterin: Fragen stellen, Begriffe verstehen, Vergleiche vorbereiten, ja. Kaufentscheide oder ganze Portfolios daraus ableiten, nein.
  • Einmal im Jahr aufräumen: Apps mit weniger als 500 Franken drauf und ohne Zweck: schliessen. Kleinstbeträge, die du «mal ausprobiert» hast, kosten mehr Aufmerksamkeit, als sie bringen.

Vier Fragen, die dir zeigen, wo du stehst:

  • Weisst du, ohne nachzuschauen, wie viele Apps du für dein Geld nutzt?
  • Bekommst du Push-Meldungen, die dich zu spontanen Käufen oder Verkäufen verleiten?
  • Hast du einen Ort, an dem du dein gesamtes Vermögen auf einen Blick siehst?
  • Vertraust du deiner Informationsquelle, oder sammelst du dir die Antwort aus fünf Ecken zusammen?

Wenn du zweimal oder öfter unsicher bist, lohnt sich ein Aufräum-Nachmittag. Ich habe 10 Finanzapps und 3 Konsolidierer. Freue mich auf einen Regensonntag, um aufzuräumen.

Wie viele Finanz-Apps hast du auf dem Handy, welche nutzt du und welche davon würdest du morgen löschen?

Olga Miler ...
... war über zehn Jahre in verschiedenen Funktionen bei der UBS tätig, unter anderem hat sie dort das Frauenförderungsprogramm und den UBS Gender ETF aufgebaut. Danach gründete sie den unabhängigen Finanzbilder SmartPurse, eine Plattform, auf der sie digitale Kurse und Workshops zum Thema Finanzen anbietet. Seit fünf Jahren schreibt Miler den Blog «MoneyTalks», jüngst erschien ihr erstes Buch «Rich, Richer...Me!», ein humoristischer Finanzratgeber, im Beobachter Verlag.
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Bild: Evelyn Harlacher
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