Wirtschaft
Digital

Giga-Factory in Deutschland startet: Das sollten Tesla-Fans wissen

The construction site of the new Tesla Gigafactory for electric cars is pictured in Gruenheide near Berlin, Germany, Friday, March 18, 2022. (AP Photo/Michael Sohn)
Blick auf die Tesla-Fabrik in Grünheide, bei Berlin. Demnächst sollen die Fertigungsbänder offiziell anrollen.Bild: keystone

Vor dem Start der Giga-Factory in Deutschland: Das sollten Tesla-Fans wissen

Preise runter, Qualität rauf? Der anstehende Tesla-Start in Brandenburg bringt so manche Hoffnung mit sich. Welche ist berechtigt, welche eher nicht? Hier ist der Realitäts-Check.
20.03.2022, 12:2020.03.2022, 16:05
Markus Abrahamczyk / t-online
Ein Artikel von
t-online

Grünheide ist startklar: In wenigen Tagen will Tesla die Autoproduktion in seinem neuen Werk bei Berlin aufnehmen. Die bereits fertige Fabrik wurde vom Land Brandenburg am 4. März genehmigt – Tesla baute ohne die Freigaben auf eigenes Risiko. Für den 22. März 2022 sei nun eine Eröffnungsfeier geplant, heisst es. Danach sollen die Fertigungsbänder anrollen.

Künftig kommen neue Teslas also nicht mehr nur aus Fremont (US-Staat Kalifornien) oder aus Shanghai (China), sondern auch aus Brandenburg. Was ändert sich ausserdem?

Kommen Teslas jetzt schneller?

Anfangs werden in Grünheide 150'000 Autos pro Jahr entstehen, später soll die Kapazität auf jährlich 500'000 Neuwagen steigen. Diese Autos sind natürlich auch für Deutschland und die umliegenden Länder bestimmt. Damit will Tesla den wochenlangen und teuren Transport aus anderen Weltregionen überflüssig machen – genau deshalb fiel die Wahl auf einen Standort im Zentrum Europas. Diese Wochen der Wartezeit auf den Neuwagen entfallen dann für künftige Besitzer.

Allerdings werden in Grünheide nicht alle Tesla-Modelle gebaut. Zunächst soll nur das Model Y in der neuen Fabrik vom Band laufen, später auch das Model 3.

Werden Teslas jetzt besser?

Das würde sich zumindest mancher wünschen. Besitzer klagen über schlechte Qualität, immer wieder kommt es zu grossen Rückrufen, im TÜV-Report schneiden die teuren Stromer so schlecht ab wie ein Billigauto.

Beispiel Model S (ab 102'000 Euro): Schon im ersten Anlauf – also nach drei Jahren – fällt jedes zehnte Auto durch die Prüfung. Schlechter sind nur Dacia Duster und Dacia Logan. Beide sind aber keine Elektroautos, denen man eine höhere Wartungsarmut bescheinigt, und kosten einen Bruchteil des Model S.

Womöglich ist der Wunsch nach höherer Qualität nicht unbegründet: Tesla hat sich unter anderem für einen deutschen Standort entschieden, um vom hiesigen Know-how zu profitieren. Damit konnte Grünheide so manchen Wettbewerber ausstechen, der unter anderem geringere Kosten und dadurch höhere Profite versprach – und sich damit nicht durchsetzen konnte.

Klar ist: Wer Premium-Preise kassiert, sollte auch Premium-Qualität liefern. Sonst wandert so mancher Kunde schnell wieder ab. Und gerade wenn Tesla in Deutschland so richtig Fuss fassen will, sollte man sich nicht zu viel Murks erlauben.

Werden Teslas jetzt billiger?

Fertigung vor der Haustür, kein langer Transport – da hofft mancher auf fallende Preise. Daraus wird aber nichts. Ein langer Lieferweg wird natürlich vom Hersteller eingepreist. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass ein kürzerer Weg das Auto billiger macht. Ihre Preise bestimmen die Hersteller anhand verschiedener Kriterien, etwa Steuern und Kaufkraft eines Marktes. Und da liegt Deutschland weit vorn.

Natürlich kalkulieren viele Autobauer ihre Preise so, dass sie kräftige Rabatte gewähren und trotzdem Gewinn machen können. Aber auch daraus wird im Fall von Tesla nichts: Die Amerikaner nehmen, was auf dem Preisschild steht – und keinen Cent weniger. Rabatte gibt es nicht. Ihre Autos verkaufen sich schliesslich auch ohne Nachlässe hervorragend.

Billiger wird ein neuer Tesla also nur durch die staatliche Kaufprämie fürs Elektroauto (bis zu 9000 Euro, je nach Netto-Listenpreis des Autos, das gilt nur für Deutschland).

Und die Schweiz?
In der Schweiz sind Elektroautos (keine Plug-In Hybride) auf nationaler Ebene von der Automobilsteuer (4 Prozent des Fahrzeugwertes) befreit. Ob die Händler die Einsparung an die Käufer weitergeben, sei ihnen überlassen, schreibt swiss-emobility.ch. Auf kantonaler Ebene subventionierten immer mehr Kantone den Kauf von energieeffizienten Autos, indem sie diese steuerlich entlasten. Daneben gebe es «zahlreiche Förderprogramme für Fahrzeuge und/oder Ladeinfrastrukturen, für welche entweder Kanton, Stadt oder Gemeinde verantwortlich sind.»

Quellen

  • ADAC
  • Handelsblatt
  • Auto Motor und Sport
  • Autozeitung
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die 15 meistverkauften E-Autos in der Schweiz 2021
1 / 17
Die 15 meistverkauften E-Autos in der Schweiz 2021
Rang 15: Hyundai Ioniq 5 (745 Verkäufe)
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Mann täuscht Unfall vor – und wird von einem Tesla entlarvt
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Eskalation im All: Wie sich die Ukraine aus der Starlink-Abhängigkeit lösen will
Ein russischer Satellit macht Jagd auf einen finnischen Radarsatelliten – und kurz darauf schliesst die Ukraine einen Pakt mit zwei nordischen Tech-Unternehmen. Hier erfährst du, was dahintersteckt.
Die ukrainische Regierung sucht nach Wegen, um die dringend benötigte Satelliten-Kommunikation krisenfest und unabhängig zu machen. Am Donnerstag gab das ukrainische Verteidigungsministerium eine neue Partnerschaft bekannt. Es unterzeichnete eine Absichtserklärung mit zwei finnischen Tech-Giganten: dem Satellitenbetreiber Iceye und dem Telekommunikationskonzern Nokia.
Zur Story