Russen fürchten des Kremls lange Finger und heben Milliarden von ihren Konten ab
Aus Angst, der Kreml könnte private Gelder zur Finanzierung des Angriffskriegs in der Ukraine einziehen, verschieben viele Russinnen und Russen ihr Vermögen vom Konto unters Kopfkissen.
Laut Daten der Russischen Zentralbank wurden allein in den ersten zwei August-Wochen circa 286,4 Milliarden Rubel (über 2,7 Milliarden Franken) von Bankkonten abgehoben. Im Juli waren es bereits 5,9 Milliarden Franken und im Juni 3,6 Milliarden Franken. 2026 floss bereits mehr Geld ab als während des gesamten ersten Kriegsjahres. Das berichtet die «Washington Post».
«Das ist alles eine Folge der Angst, dass die Regierung etwas mit dem Bankensystem machen könnte, dass sie Bankguthaben verstaatlichen könnte», erklärt Alexandra Prokopenko, ehemalige Beraterin der russischen Zentralbank, der Zeitung. Zwar halte sie eine solche Verstaatlichung für unwahrscheinlich, könne jedoch auch nicht ausschliessen, dass die Behörden gewisse Bezugslimiten einführen werden.
Probleme für Banken und Putin
«Für einige Banken ist das wirklich ein Problem», erzählt ein ehemaliger hochrangiger russischer Finanzbeamter. «Sie haben nicht damit gerechnet und das ganze Geld woanders investiert. Trotzdem kommen die Leute und heben jeden Monat eine halbe Billion Rubel ab.»
Die Auszahlungen sollen es dem Kreml bereits erschweren, den Krieg durch Staatsanleihen zu finanzieren, schreibt die «Washington Post». Denn die Abnehmer dieser Staatsanleihen sind hauptsächlich russische Banken, welche nun aufgrund des Geldabflusses weniger liquide sind. Banken mit Liquiditätsproblemen haben kein Geld, um neue Staatsanleihen zu kaufen.
Für Grossunternehmen scheint die Angst wohl berechtigt zu sein. Diverse Firmen russischer Milliardäre wurden bereits verstaatlicht. «Wenn die Regierung Geld braucht, wird Putin einfach nach den Vermögenswerten greifen. Er nimmt keine Rücksicht», meint ein Vertrauter eines russischen Milliardärs gegenüber der Zeitung. «Und ich denke, genau darauf läuft es hinaus.»
(nil)
