Wirtschaft
International

Nestlé löscht YouTube-Videos wegen Shitstorm

Nestlé hat eine neue Videoserie auf YouTube gestartet – nur, um diese wenige Tage später wieder zu löschen.
Nestlé hat eine neue Videoserie auf YouTube gestartet – nur, um diese wenige Tage später wieder zu löschen.Bild: SHutterstock/Screenshot Youtube/watson

Nestlé löscht Videos wegen Shitstorm – und gerät noch stärker in Kritik

Nestlé Deutschland veröffentlichte YouTube-Videos zur Aufklärung über Kinderarbeit, Palmöl und Trinkwasser. Ein Shitstorm folgte, die Videos wurden gelöscht. Die Hintergründe.
27.02.2023, 09:4502.03.2023, 09:30

Der Grosskonzern Nestlé reagierte in verschiedenen YouTube-Videos auf Fragen bezüglich Kinderarbeit, Trinkwasser und Palmöl. Diese Videoserie sollte für mehr Transparenz sorgen. Ein grosses Vorhaben – bei welchem Nestlé scheiterte.

«Das hier ist kein Standard-Werbevideo»

Die Reihe beginnt mit einem kurzen, einleitenden Video. Darin begrüsst eine Schauspielerin das Publikum. Sie arbeitet ab und an als Moderatorin. «Das hier ist kein Standard-Werbevideo. Wir reden mit und über Nestlé, und zwar Klartext. Über Themen, die Nestlé bewegen und für die Nestlé noch heute stark in der Kritik steht», so die Moderatorin.

Videos, welche auf dem offiziellen YouTube-Channel von Nestlé Deutschland veröffentlicht werden, aber keine Standard-Werbevideos seien. Schon dieser Satz verärgerte viele User.

Die Videos überzeugten die Zuschauenden anscheinend generell nicht und erhielten viele negative Kommentare. Nestlé hat die Videos nach wenigen Tagen wieder vom Netz genommen.

Die Entfernung erhitzte die Gemüter erneut. Verschiedene YouTuber mokierten sich in Videos über Nestlé und die Löschung der Videos.

YouTuber mokieren sich

Ein Video von zwei deutschen YouTubern, die sich Space Frogs nennen, erhält fast 300'000 Aufrufe. In diesem mokieren sie sich so ziemlich über alle Punkte, die in der Nestlé-Videoserie besprochen wurden. Die zwei YouTuber führen die Erklärungen der verschiedenen Expertinnen in den Nestlé-Videos ad absurdum.

Nestlé-Mitarbeiterinnen erklärten in einem der vier Videos, wie genau es dazu kam, dass Nestlé in vielen Produkten Palmöl verwendet hat. Die Mitarbeiterin im Video sagt: «In Bezug aufs Palmöl: Wir wussten ungefähr, wo es herkam, aber wir wussten es nicht ganz genau.» Die YouTuber halten diese Rechtfertigungen für eher fragwürdig.

Palmöl: «Daraus haben wir dann gelernt»

Video: youtube/Space Frogs

Das sagt Nestlé

Was wollte Nestlé mit den Videos erreichen? Das hat watson mit Alexander Antonoff, Head of Media Relations Nestlé Deutschland, besprochen.

«Das übergeordnete Ziel war, zu informieren. Wir wollten aufklären und Hintergründe darstellen und Fakten vermitteln. Wir wollen transparent vermitteln, was wir machen und wie wir es machen», sagt Antonoff.

Antonoff erklärt, dass die Videos hätten informieren sollen, aber sie hätten zu stark polarisiert. «Jeder kann jetzt sehen, dass wir die entsprechenden Konsequenzen gezogen haben und die Videos wieder offline genommen haben. Das zeigt, dass das nicht der Weg ist, den wir gehen möchten», so Antonoff.

Die Moderatorin sagt zu Beginn der Videoserie: «Ich habe den Job als Moderatorin angenommen. Unter einer wesentlichen Bedingung: Ich schau mir die Themen an, die am meisten weh tun und für die Nestlé die härteste Kritik kassiert hat.» Dieser Satz sorgte für Empörung.

watson hat Nestlé gefragt, ob man sich keine Gedanken gemacht habe darüber, wie glaubwürdig dieser Satz klingt.

Antonoff beantwortet die Frage ausweichend: «Es liegt in der Natur der Sache, dass auf einer Unternehmensplattform primär immer die Sicht des Unternehmens dargestellt wird. Wir haben versucht, Inhalte in einer Interview-Situation zu vermitteln. Das haben wir getestet und reagiert, indem wir uns relativ schnell von dieser Art der Aufbereitung wieder verabschiedet haben.»

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Schweizer Schokoladenpioniere
1 / 10
Schweizer Schokoladenpioniere
François-Louis Cailler (1796-1852): Er erlernte in Turin das Handwerk des Chocolatiers. Nach seiner Rückkehr nach Vevey eröffnete er in Corsier-sur-Vevey die erste Schokoladenfabrik der Schweiz. Er war es, der die heute noch gängige Tafelform etablierte.
quelle: keystone / gaetan bally
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Nestlé immer wieder in der Kritik. Das ist die Geschichte
Video: srf
Das könnte dich auch noch interessieren:
Drohne in litauischen Luftraum eingedrungen und abgestürzt
In Litauen ist eine Drohne in den Luftraum des baltischen EU- und Nato-Landes eingeflogen und abgestürzt.
Nach Angaben von Verteidigungsminister Robertas Kaunas ist der unbemannte Flugkörper vermutlich aus dem benachbarten Polen kommend im Norden des Landes zu Boden gegangen. Trümmerteile haben dabei ein fahrendes ziviles Fahrzeug beschädigt. Verletzt worden sei bei dem Vorfall niemand, sagte der Leiter des nationalen Krisenmanagementzentrums, Vilmantas Vitkauskas, im litauischen Radio.
Zur Story