Wirtschaft
Italien

Italiener schwänzte 15 Jahre unbemerkt die Arbeit

Italiener schwänzte 15 Jahre unbemerkt die Arbeit – bezahlt wurde er trotzdem

Niemandem fiel es auf: Ein Spitalmitarbeiter erschien während 15 Jahren nicht zur Arbeit und kassierte trotzdem seinen monatlichen Lohn.
22.04.2021, 09:5022.04.2021, 17:40

Der von der italienischen Presse «König der Schwänzer» genannte Mann soll einen nationalen Rekord gebrochen haben, indem er 15 Jahre lang nicht zur Arbeit auftauchte.

2005 setzte er zuletzt einen Fuss in das Pugliese Ciaccio Spital, in der kalabresischen Stadt Catanzaro, wo er angestellt war, berichtet «The Guardian». Trotzdem erhielt er jeden Monat seinen Lohn. Insgesamt 464'000 Euro (593'000 CHF) sackte er auf diese Weise ein, ohne dafür einen Finger gerührt zu haben.

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Ein Gebäude in der kalabresischen Stadt Catanzaro. imago images

Jetzt ist der Schwindel des 67-Jährigen aufgeflogen. Er sieht einer Anklage wegen Amtsmissbrauchs, Urkundenfälschung und schwerer Erpressung entgegen. Auch gegen sechs Manager wird ermittelt. Sie sollen seine Abwesenheit ermöglicht haben – kein unbekanntes Phänomen im öffentlichen Sektor Italiens.

Wie «The Guardian» weiter schreibt, habe die Polizei den Betrug im Rahmen einer Ermittlung mit dem Codenamen «Teilzeit» aufgedeckt. Dazu hatten sie Zeugenaussagen von Kolleginnen und Kollegen gesammelt und Anwesenheits- und Gehaltsakten eingesehen.

Wenn im Alltag so gesprochen würde wie in Arbeitszeugnissen

Video: watson/Knackeboul, Madeleine Sigrist, Emily Engkent

Schon vor 15 Jahren habe der Mitarbeiter häufig gefehlt, worauf die Krankenhausdirektorin einen Disziplinarbericht einreichen wollte. Mittels Erpressung hielt er sie davon ab. Als die Direktorin schliesslich in Rente ging, geriet die Angelegenheit in Vergessenheit: Die Anwesenheit des Mitarbeiters wurde weder von ihrem Nachfolger noch von der Personalabteilung überprüft, so die Polizei.

Nachdem in der Vergangenheit bereits mehrere ähnliche Fälle an die Öffentlichkeit gekommen waren, hatte die Regierung 2016 ein neues Gesetz gegen Arbeitsscheue eingeführt. Einer der bekannt gewordenen Fälle betraf einen Verkehrspolizist, der im selben Gebäude wohnte, in dem er auch arbeitete. Dass der Arbeitsort ein bisschen zu günstig gelegen war, deckten schliesslich Sicherheitskameras auf: Er checkte sich jeweils noch in Unterwäsche zur Arbeit ein, bevor er sich wieder ins Bett legte. (saw)

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