Wirtschaft
Schweiz

Die Lohnschere in der Schweiz geht immer weiter auf

A person takes a 200 Swiss franc bill out of a wallet, pictured in Zurich, Switzerland, on August 23, 2018. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Eine Person entnimmt eine 200-Franken-Banknote aus einem Porte ...
Die Lohnschere in der Schweiz geht immer weiter auf.Bild: KEYSTONE

Lohnschere in der Schweiz öffnet sich weiter

07.07.2026, 11:3407.07.2026, 12:56

Die Lohnschere in der Schweiz hat sich seit 2016 weiter geöffnet. Während die Saläre von Topverdienenden stark gestiegen sind, stagnieren die mittleren und tiefen Einkommen. Gleichzeitig belasten steigende Krankenkassenprämien die Haushalte zunehmend, wie eine Untersuchung des Gewerkschaftsbundes zeigt.

Die verfügbaren Monatseinkommen von Personen mit tiefen oder mittleren Löhnen sind zwischen 2016 und 2025 gesunken, während sie bei den obersten 0,1 Prozent um über 6500 Franken zunahmen. Das geht aus dem am Dienstag veröffentlichten Verteilungsbericht des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB) hervor.

Stagnierende Reallöhne für die Mitte

Die mittleren Reallöhne stagnierten laut des Berichts in den acht Jahren bis 2026. Dies stehe im Gegensatz zur Zeit von 2006 bis 2016, als die Löhne trotz Finanzkrise real um jährlich 0,9 Prozent wuchsen.

Die Produktivität sei auch in den letzten Jahren um rund ein Prozent jährlich gestiegen, was sich aber nicht in den Löhnen niedergeschlagen habe. Davon profitiert hätten vor allem Arbeitgeber und Aktionäre durch höhere Margen und Dividendenausschüttungen. Für Arbeitnehmende habe es teilweise nicht einmal mehr einen Teuerungsausgleich gegeben.

Im Gegensatz dazu seien die Reallöhne des bestbezahlten Prozents der Arbeitnehmenden seit 2016 um über 16 Prozent gestiegen.

Grosser Geschlechtergraben

Nach wie vor bestünden grosse Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern. Die Hälfte aller Frauen verdiene weniger als 5000 Franken pro Monat, während dieser Medianlohn bei den Männern bei 7000 Franken liege, so der SGB weiter.

Der monatliche Unterschied von 2000 Franken sei zur Hälfte auf das unterschiedliche Arbeitspensum zurückzuführen. Frauen leisteten im Schnitt zwölf Stunden pro Woche mehr unbezahlte Haus- und Sorgearbeit. Weitere 500 Franken des Unterschieds entstünden durch schlechter bezahlte «Frauenberufe» und weil Männer häufiger Vorgesetztenfunktionen innehätten. Die restlichen 500 Franken seien unerklärt und teilweise auf Diskriminierung zurückzuführen.

Prämien drücken aufs Portemonnaie

Weiter belasten gemäss der Analyse die Krankenkassenprämien die tiefen und mittleren Einkommen stark. Für eine Familie mit zwei Kindern und einem mittleren Einkommen machten die Prämien in den zehn grössten Kantonen trotz Verbilligungen mehr als 10 Prozent des Bruttoeinkommens aus.

Der 2026 in Kraft getretene Gegenvorschlag zur Prämienentlastungs-Initiative, der die Kantone stärker in die Pflicht nimmt, werde nur zögerlich umgesetzt, kritisiert der SGB. In vielen Kantonen seien parlamentarische Vorstösse oder Volksinitiativen nötig, um Fortschritte zu erzielen.

Die direkte Besteuerung wirkt hier zwar ausgleichend – der Effekt wird jedoch durch die Krankenkassenprämien teilweise aufgehoben, wie der SGB betonte. Die Belastung durch staatliche Abgaben hängt laut des Berichts nur noch begrenzt von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit ab.

Forderungen nach Mindestlöhnen

Der SGB fordert deshalb eine Wende in der Lohn- und Abgabenpolitik. Die unteren und mittleren Reallöhne müssten deutlich steigen und der Teuerungsausgleich wieder selbstverständlich werden.

Zudem verlangt der Verband einen Mindestlohn von 5000 Franken für Personen mit abgeschlossener Lehre und generell keine Löhne unter 4500 Franken. Die Kantone sollen statt Steuersenkungen für Topverdienende die Krankenkassenprämien spürbar verbilligen. (maw/sda)

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Die beliebtesten Kommentare
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Ichsagstrotzdem
07.07.2026 13:42registriert Juni 2016
"Die Produktivität sei auch in den letzten Jahren um rund ein Prozent jährlich gestiegen, was sich aber nicht in den Löhnen niedergeschlagen habe. Davon profitiert hätten vor allem Arbeitgeber und Aktionäre durch höhere Margen und Dividendenausschüttungen. Für Arbeitnehmende habe es teilweise nicht einmal mehr einen Teuerungsausgleich gegeben."

Ich verstehe daher nicht, warum alle diesem heiligen Gral von Wirtschaftswachstum hinterherrennen.
Die meisten haben wenig bis nichts davon.
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