So schnell wie hier waren Wohnungen noch nie weg
Der Mietwohnungsmarkt in der Stadt Zürich ist überhitzt. Im Schnitt sind Wohnungen dort nur zwölf Tage lang auf Immobilienplattformen online. Das zeigt der neueste Online-Wohnungsindex (OWI) von SVIT Schweiz, dem Hauseigentümerverband (HEV Schweiz) und dem Immobilienportal Newhome in Kooperation mit dem Swiss Real Estate Institute.
Nur in der Stadt Chur ist die sogenannte Insertionszeit zwischen April 2025 und März 2026 noch kürzer als in Zürich. Dort dauert es durchschnittlich gerade einmal elf Tage, bis ein Wohnungsinserat wieder verschwindet.
Neben Chur und Zürich verzeichnen auch Winterthur (13 Tage) und Luzern (15 Tage) kurze Laufzeiten für Wohnungsinserate, die Suchende unter grossen Zeit- und Konkurrenzdruck setzen. In Genf steigt die Dauer zwar um zwei Tage, bleibt mit 16 Tagen aber weiterhin deutlich unter dem Schweizer Schnitt von 24 Tagen. In Lugano und Neuenburg sinkt die Nachfrage gemäss der Studie ebenfalls, weil es weniger Inserate gibt und deren Laufzeiten deutlich steigen.
In vielen Kantonen sinkt die Nachfrage
Trotz der angespannten Situation in den Städten sinkt das Mietwohnungsangebot in der Schweiz insgesamt leicht – laut Studie ein Indiz für eine Marktberuhigung. Im Schnitt findet man auf den grossen Schweizer Immobilienplattformen 17'000 Inserate weniger (-4 Prozent) als im Vorjahr. In 20 von 26 Kantonen schrumpft das Angebot, am meisten in den Kantonen Uri (-19 Prozent), Schaffhausen (-15 Prozent), Zug (-14 Prozent) und Genf (-14 Prozent).
Gleichzeitig erhöht sich die Laufzeit der Inserate im Schnitt um einen Tag von 23 auf 24 Tage. Gemäss dem OWI zeigen die beiden Entwicklungen, dass die Nachfrage nach Mietwohnungen insgesamt leicht nachlässt. Dennoch seien die Insertionszeiten im mehrjährigen Vergleich weiterhin sehr kurz. Von einer generellen Entspannung des Wohnungsmarkts könne deshalb nicht die Rede sein.
Die grosse Ausnahme ist der Kanton Zürich: Das Angebot auf den Immobilienplattformen wächst dort leicht um zwei Prozent und die durchschnittliche Insertionsdauer sinkt von 17 auf 14 Tage.
Anders entwickeln sich etwa die Kantone Neuenburg (+9 Tage auf 47 Tage), Jura (+2 Tage auf 51 Tage) und Tessin (+5 Tage auf 35 Tage). Sie alle verzeichnen sinkende Inseratezahlen bei gleichzeitig längeren Ausschreibungszeiten – laut OWI sei dies ein klares Indiz für sinkende Nachfrage und lokale Überkapazitäten.
Die neue Wohnung ist meist teurer als die alte
Den landesweiten Rückgang der Wohnungsinserate und die gedämpfte Umzugslust erklärt die Studie primär mit wirtschaftlichen Faktoren. Zum einen sei ein grosser Teil der während der Pandemie aufgestauten Umzugswünsche inzwischen befriedigt. Zum anderen habe sich die Schere zwischen den bestehenden Mieten und den neu angebotenen Mieten in den letzten Jahren massiv geöffnet.
Für viele Mieterinnen und Mieter sei es finanziell schlicht vorteilhafter, in ihren aktuellen Wohnungen zu bleiben, anstatt sich den teureren Marktpreisen bei einem Wechsel auszusetzen. Das führe zu weniger Wohnungskündigungen, wodurch es wiederum weniger neue Inserate gebe. (olj)
