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Der Ukraine-Krieg und die neutrale Schweiz: 11 weit verbreitete Irrtümer

epa13193968 An interceptor drone pilot of the Khartiia Brigade, part of the National Guard of Ukraine, prepares Sting interceptors to neutralize Russian attack and reconnaissance drones heading toward ...
Die Ukraine hat sich zum gefragten Entwickler bezahlbarer Militärtechnologie gewandelt.Bild: keystone
Analyse

11 unbequeme Punkte zum Ukraine-Krieg und der neutralen Schweiz, die man kennen sollte

Wir sollten faktenbasiert über die Folgen des russischen Angriffskrieges und unsere Rolle in einem krisengeschüttelten Europa diskutieren. Diese Analyse geht oft gehörten Behauptungen auf den Grund.
14.09.2026, 17:2214.09.2026, 20:30

Viele Bürgerinnen und Bürger können sich aus nachvollziehbaren Gründen nicht intensiv mit dem Krieg gegen die Ukraine beschäftigen – oder wollen es nicht.

In Umfragen zeigt sich eine gewisse Verunsicherung. Andere bestreiten, dass Europa durch ein offen imperialistisches, demokratiefeindliches Russland Gefahr droht.

Und dann sind da noch die gezielten Falschinformationen, Desinformation genannt, die via Social Media einsickern. Narrative des Kremls werden unkritisch übernommen und weiterverbreitet. Einige schaffen es bis ins Parlament.

Im Folgenden nehmen wir 11 oft gehörte Behauptungen unter die Lupe und ordnen sie faktenbasiert ein.

1. «Die NATO hat Russland mit ihrer Osterweiterung provoziert»

Einordnung: Das trifft nicht zu ❌

Jedes souveräne Land darf seine internationalen Bündnisse frei wählen. Dies gilt selbstverständlich nicht nur für die Schweiz, sondern auch für Osteuropa. Dort hat sich nicht etwa die NATO aggressiv ausgedehnt. Vielmehr ersuchten frühere Sowjet-Staaten aus historisch begründeter Angst vor Russland um Aufnahme in das militärische Verteidigungsbündnis – eine Angst, die sich 2022 bestätigte.

Paradoxerweise hat Wladimir Putins Überfall auf die Ukraine genau das bewirkt, was er angeblich verhindern wollte: Die NATO rückte näher. Wegen akuter Sicherheitsbedenken trat (nebst Schweden) das neutrale Finnland dem westlichen Verteidigungsbündnis bei, womit sich die russische Grenze zu NATO-Gebiet auf einen Schlag verdoppelte.

Die NATO-Osterweiterung

Die NATO-Osterweiterung bezeichnet die schrittweise Aufnahme von 14 Staaten des ehemaligen Warschauer Paktes, früheren Sowjetrepubliken und Nachfolgestaaten Jugoslawiens, in das westliche Verteidigungsbündnis.

Erste Osterweiterung (1999):

Beitritt von Polen, Tschechien und Ungarn.

Zweite Osterweiterung (2004):

Beitritt der baltischen Staaten Estland, Lettland, Litauen sowie von Bulgarien, Rumänien, der Slowakei und Slowenien.

Balkan-Erweiterungen (2009):

Beitritt von Albanien und Kroatien.

Montenegro (2017):

Aufnahme des südosteuropäischen Staates.

Nordmazedonien (2020):

Beitritt nach der Beilegung eines jahrelangen diplomatischen Streits mit Griechenland.

Die Aufnahmen von Finnland 2023 und Schweden 2024 werden geografisch meist als NATO-Norderweiterung klassifiziert, sie stehen geopolitisch aber im gleichen Kontext: Man fühlt sich bedroht durch ein Russland, das völkerrechtswidrig agiert und Nachbarländer wie die Ukraine militärisch überfällt.

Es ist nachvollziehbar, dass Russlands Machthaber die NATO-Erweiterung als geopolitische Herausforderung betrachtet. Das Völkerrecht sieht jedoch keine exklusiven Einflusssphären vor, wie sie die USA und Sowjetunion im Kalten Krieg hatten.

Und von einer Umzingelung kann keine Rede sein. Vor dem Beitritt Finnlands grenzten 6 Prozent der russischen Landgrenze an NATO-Gebiet. Nun sind es knapp 12 Prozent.

FILE - A French paratrooper stands at the end of the Steadfast Dart 2025 exercise, involving some 10,000 troops in three different countries from nine nations and represent the largest NATO operation  ...
Französischer Fallschirmjäger an einer NATO-Übung in Rumänien, 2025.Bild: keystone

2. «Im Donbass fand ein Genozid an der russischsprachigen Bevölkerung statt, den Putin stoppen musste»

Einordnung: Das trifft nicht zu ❌

Die Situation in der an Russland angrenzenden Ostukraine war seit 2014 tragisch und hat auf beiden Seiten zivile Opfer gefordert. Jedoch gibt es weder von der OSZE noch von den Vereinten Nationen oder internationalen Menschenrechtsorganisationen irgendeinen Beweis für einen systematischen Völkermord. Vielmehr wurde der Konflikt durch Putins verdeckt einmarschierende russische Truppen und massive Waffenlieferungen überhaupt erst befeuert.

Immer wieder wird behauptet, die Ukraine sei verantwortlich für ‹15'000 Tote im Donbass› seit 2014 und habe ‹die eigenen Leute bombardiert›, sodass Russland schützend eingreifen musste. Das ist ein durch Wladimir Putin und Russland gezielt konstruierter Vorwand für den Krieg. Russland verbreitet diese Falschinformationen im Rahmen der hybriden Kriegsführung besonders in Deutschland.
Nico Lange, deutscher Politikwissenschaftler, Militär- und Sicherheitsexperte

Zudem beruht die Behauptung auf einem grundlegenden Missverständnis: Russisch zu sprechen, bedeutet nicht, politisch kremltreu zu sein. Millionen russischsprachige Ukrainerinnen und Ukrainer – gerade in den im Osten oder Süden liegenden Städten wie Charkiw, Odessa oder Mariupol – identifizieren sich zutiefst mit der Ukraine und haben den russischen Truppen erbitterten Widerstand geleistet. Sprache ist nicht gleichbedeutend mit nationaler Loyalität.

3. «Die Ukraine ist kein echtes Land, sondern gehört zu Russland»

Einordnung: Das trifft nicht zu ❌

Die Geschichte Osteuropas ist vielschichtig und es stimmt, dass sich Grenzen über Jahrhunderte immer wieder verschoben haben. Fakt ist: Die ukrainische Geschichte und Kultur reichen weit über die Sowjetzeit hinaus zurück. Etwa bis zur Kiewer Rus, einem Grossreich im Mittelalter, oder den Kosaken der frühen Neuzeit. Das war alles lange bevor das Russische Kaiserreich diese Gebiete dominierte.

Genau weil Geschichte so komplex ist, haben sich die Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg in der UNO-Charta auf die Unverletzlichkeit der bestehenden Grenzen geeinigt. Russland selbst hat die Souveränität der Ukraine 1994 im Budapester Memorandum anerkannt. Würden historische Ansprüche von vor Jahrhunderten heute Kriege rechtfertigen, bräche die gesamte globale Friedensordnung zusammen.

Ukrainian soldiers comfort each other after returning from captivity after a Prisoners of War (POWs) exchange between Russia and Ukraine, in Chernihiv region, Ukraine, Wednesday, Aug. 19, 2026. (AP Ph ...
Aus russischer Kriegsgefangenschaft freigelassene Ukrainer, Juni 2026.Bild: keystone

4. «Die Sanktionen schaden der Schweiz mehr als Russland»

Einordnung: Das trifft nicht zu ❌

Die Sorge um unseren Wohlstand und die Wettbewerbsfähigkeit hiesiger Unternehmen ist verständlich. Ein genauer Blick auf die Handels- und Finanzströme zeigt jedoch das Gegenteil: Die von der Schweiz mitgetragenen Wirtschaftssanktionen gegen den Aggressor Russland schaden ihr nicht, vielmehr würde ihr ein Abseitsstehen massiv schaden.

Würde die Schweiz die Sanktionen wegen des russischen Angriffskrieges nicht mitgetragen, geriete sie als Drehscheibe für Umgehungsgeschäfte ins Visier der EU und der USA. Es bestünde das Risiko von Strafmassnahmen und eines Reputationsschadens für den hiesigen Finanz- und Werkplatz.

Zur Erinnerung: Die Europäische Union (EU) ist wichtigster Wirtschaftsraum der Schweiz und mehrere EU-Länder sind wichtige Partner. Die entsprechenden Handelsbeziehungen sind als existenziell wichtig zu betrachten.

Für die Schweizer Gesamtwirtschaft machte Russland schon vor 2022 nur rund ein Prozent des Aussenhandels aus. Der Wegfall dieses Marktes fällt kaum ins Gewicht.

Sanktionen zeigen Wirkung

Zwar ist Russland ein riesiges Land mit enormen Rohstoffvorkommen und war in der Vergangenheit ein lukrativer Markt. Seit dem Einmarsch in die Ukraine hat sich das Bild aber gewandelt. Die russische Wirtschaft ist zunehmend isoliert, leidet unter massivem Fachkräftemangel und ist fast vollständig auf Rüstung und den Export fossiler Energien ausgerichtet. Das sind zukunftsfeindliche Abhängigkeiten, die fortschrittliche Länder wie die Schweiz ohnehin abbauen.

Gleichzeitig treffen die Sanktionen Russland hart: Zwar hält der Kreml die eigene Volkswirtschaft mit Rüstungsausgaben künstlich am Laufen. Die Russen haben aber den Zugang zu westlichen Technologien und Devisen verloren.

Die negativen Auswirkungen zeigt SRF-Reporter Christof Franzen in einer sehenswerten Reportage: Private russische Unternehmen litten extrem unter dem Fachkräftemangel und den drastisch gestiegenen Zinsen. Und nach dem Wegbrechen europäischer Zulieferer musste der Maschinenpark fast vollständig auf chinesische Produkte umgestellt werden.

Eine aktuelle ZDF-Reportage thematisiert die Auswirkungen des Krieges auf die russische Bevölkerung.

5. «Strikte Neutralität schützt die Schweiz vor jedem Krieg»

Einordnung: Das trifft nicht zu ❌

Der Wunsch, sich aus internationalen Konflikten herauszuhalten, ist tief in der Schweizer Identität verwurzelt. Die Geschichte des 20. und 21. Jahrhunderts zeigt jedoch, dass Neutralität kein magischer Schutzschild ist. Im Zweiten Weltkrieg wurden neutrale Staaten wie Belgien, die Niederlande oder Norwegen von Nazi-Deutschland angegriffen. Und auch die Ukraine war vor 2014 bündnisfrei – und wurde attackiert.

Die Neutralität eines Staates funktioniert nur, solange sie von potenziellen Aggressoren respektiert wird. Genau diese drastische Erkenntnis hat Schweden und das seit Jahrzehnten neutrale Finnland dazu bewogen, ihre traditionelle Position aufzugeben und sich unter den Schutzschirm der NATO zu begeben. Wenn internationale Regeln gebrochen werden, bietet ein neutraler Status keinen physischen Schutz.

Soldier of the Swiss Army Honor Troop dressed in period uniforms stands in the ammunition room of the artillery fort of Dailly, T2, one of the largest and most heavily armed forts in Switzerland, in L ...
Stillgelegte Militärfestung im Kanton Waadt, April 2022.Bild: KEYSTONE

6. «Ein kleines Land wie die Schweiz kann sich allein verteidigen»

Einordnung: Das trifft nicht zu ❌

Das Vertrauen in die Armee ist wegen diverser Beschaffungsskandale angeknackst und das Milizsystem steht nicht zuletzt wegen Personalmangels und veraltetem Material unter Druck.

Die Schweiz ist aktuell trotz der topografischen Vorteile – Stichwort Alpen – nicht verteidigungsfähig. Weder am Boden noch in der Luft. Zu diesem Schluss kommen unabhängige Fachleute und die Armeeführung selbst.

Zudem hat sich die Art der Kriegsführung innert weniger Jahre radikal verändert. Diese neue Realität zeigt sich derzeit drastisch im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, wo neue Technologien wie Drohnenschwärme und Satellitenaufklärung den Verlauf auf dem Schlachtfeld massgeblich prägen.

Bedrohungen wie weitreichende ballistische Raketen, Cyberangriffe auf kritische Infrastrukturen und Desinformationskampagnen machen an Landesgrenzen keinen Halt. Die Verteidigung eines komplexen Luftraums oder der Infrastruktur übersteigt heute die Ressourcen eines jeden europäischen Einzelstaates. Ein vollständiger militärischer Alleingang ist im 21. Jahrhundert schlicht nicht mehr realistisch.

7. «Ohne NATO-Kooperation wäre die Schweiz besser dran»

Einordnung: Das trifft nicht zu ❌

Die Skepsis gegenüber Militärallianzen ist verständlich, wir schätzen unsere Unabhängigkeit sehr. Faktisch profitiert die Schweiz enorm davon, dass sie – abgesehen von Österreich und Liechtenstein – von NATO-Staaten umgeben ist. Wir sitzen quasi im Windschatten des europäischen Schutzschirms.

Eine grenzübergreifende Kooperation, etwa bei internationalen Militärübungen oder der Beschaffung kompatibler Systeme, bedeutet keinen NATO-Beitritt. Sie ist aber eine Voraussetzung, damit die Schweiz im Ernstfall technisch und operativ mit ihren Nachbarn zusammenarbeiten kann.

Wie die Beispiele Schweden und Finnland zeigen, hat sich in Europa die Erkenntnis durchgesetzt, dass Isolation im Krisenfall ein fataler Sicherheitsnachteil ist – beide Staaten vollzogen deshalb den vollständigen NATO-Beitritt. Auch wenn für die Schweiz ein Beitritt nicht zur Debatte steht: Zumindest eine verstärkte grenzübergreifende Kooperation stellt sicher, dass wir im Ernstfall unsere Handlungsfähigkeit behalten, um den Schutz der Bevölkerung zu gewährleisten.

8. «Russlands Elite ist wirtschaftlich wichtig für die Schweiz»

Einordnung: Das trifft nicht zu ❌

Wo Reichtum und Diplomatie zusammenkommen, operieren Geheimdienste. Die Schweiz gilt als einer der wichtigsten europäischen Knotenpunkte für russische Agenten.

Was russische Akteure aus Politik und Wirtschaft hierzulande alles treiben, ist öffentlich kaum bekannt. Was wir hingegen wissen: Der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) ist schwach aufgestellt, wie der internationale Vergleich zeigt, und der Bundesrat will ihn um ein Viertel aufstocken.

Aus einer rein volkswirtschaftlichen Perspektive wird die Bedeutung der russischen Elite und ihrer Vermögen für die Schweizer Wirtschaft von vielen überschätzt.

Zwar haben sich reiche Russinnen und Russen über die Pauschalbesteuerung ein Aufenthaltsrecht in der Schweiz erwirkt. Davon profitieren in erster Linie die Wohnkantone sowie ein auf Luxus-Kundschaft spezialisiertes Dienstleistungsgewerbe. Die Schweizer Volkswirtschaft als Ganzes ist aber nicht von den Geldern der russischen Elite abhängig.

FILE - Boat captain Emosi Dawai looks at the superyacht Amadea where it is docked at the Queens Wharf in Lautoka, Fiji, on April 13, 2022. The superyacht that American authorities say is owned by a Ru ...
Beschlagnahmte Superyacht in den USA, April 2022: Mehrere russische Milliardäre und Oligarchen haben oder hatten ihren Wohnsitz oder Firmen in der Schweiz, vor allem in Regionen wie Genf, Zug, Zürich und Graubünden.Bild: keystone

Während Schweizer Banken strengen Geldwäschereigesetzen unterliegen, nutzen Oligarchen oft alternative Wege, um ihr Vermögen zu verstecken. Ein ungelöstes Problem stellt die Rolle von hiesigen Anwälten und Notaren dar.

Obwohl der russische Anteil im Rohstoffhandel massiv war, hat der politisch erzwungene Rückgang dieses internationalen Geschäfts am Standort Schweiz nicht zu einem volkswirtschaftlichen Problem geführt.

Es ist auch eine Tatsache, dass Schweizer Rohstoffhändler trotz der Sanktionen massiv von den geopolitischen Spannungen vom Krieg und den damit verbundenen Preisschwankungen bei Energie und Rohstoffen profitieren.

9. «Die Ukraine hat der Schweiz wenig zu bieten»

Einordnung: Das trifft nicht zu ❌

Die Ukraine mag weit entfernt wirken. Militärisch gesehen verfügt sie jedoch aktuell über die weltweit grösste Praxiserfahrung in moderner und hybrider Kriegsführung.

Von diesen Erkenntnissen – etwa bei der Abwehr von Drohnen, im Umgang mit elektronischer Kriegsführung oder der modernen Logistik unter Beschuss – lernen westliche Armeen, inklusive der Schweizer Armee, derzeit enorm viel.

Auch wirtschaftlich gibt es grosse Berührungspunkte: Der künftige Wiederaufbau der Ukraine wird eines der grössten Infrastrukturprojekte der modernen Geschichte. Für die stark exportorientierte Schweizer Wirtschaft, besonders in Bereichen wie Cleantech, Maschinenbau oder Verkehrs- und Energieinfrastruktur, bieten sich langfristig sehr bedeutende Kooperations- und Investitionsmöglichkeiten.

Die Ukraine orientiert sich konsequent Richtung Europa. Neben ihrem wachsenden IT-Sektor und ihrer Rolle als Agrar-Schwergewicht bietet die Annäherung an den EU-Binnenmarkt langfristig Rechtssicherheit. Für die Schweizer Wirtschaft und den Finanzplatz liegen in einem stabilen, europäisch integrierten ukrainischen Markt deutlich bessere Wachstumschancen als in einer sanktionierten Kriegswirtschaft.

Zudem ist eine souveräne Ukraine ein zentraler Faktor für die Stabilität ganz Europas, was der Schweiz strategisch und sicherheitspolitisch unmittelbar nützt.

Thomas Knutti, SVP-BE, rechts, stellt dem Bundesrat eine Frage zum Schutzstatus S der Fluechtlinge aus der Ukraine, an der Wintersession der Eidgenoessischen Raete, am Montag, 2. Dezember 2024 im Nati ...
Fragestunde im Nationalrat, 2024. Wer bezahlt für die immensen, von Russland angerichteten Kriegsschäden?Bild: keystone

10. «Unsere Neutralität hilft, den Angriffskrieg zu beenden»

Einordnung: Das trifft nicht zu ❌

Es ist ein zutiefst menschlicher und verständlicher Wunsch, dass Friedfertigkeit und strikte Unparteilichkeit Konflikte entschärfen. Die Schweiz hat mit ihren «Guten Diensten» hierbei eine stolze und langjährige Tradition.

Bei einem Angriffskrieg stösst die rein passive Neutralität jedoch an ihre Grenzen. Russland bricht das Völkerrecht und will das Territorium sowie die Existenz eines anderen Staates vernichten. Wenn die internationale Gemeinschaft, einschliesslich neutraler Staaten, dies toleriert und sich wirtschaftlich nicht klar positioniert, signalisiert dies dem Aggressor, dass sein Vorgehen keine Konsequenzen hat.

Ein von Donald Trump angestrebter Diktatfrieden, der Russland belohnt, könnte ganz Europa auf Dauer destabilisieren. Und auf einem instabilen Kontinent wird die Schweiz keine ruhige, sichere «Insel» bleiben. Im Gegenteil.

Echte Friedensförderung heisst heute, die internationale Rechtsordnung aktiv zu schützen: UNO-Generalsekretär António Guterres bekräftigte anlässlich des 80-jährigen Bestehens des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag, dass die Verteidigung des Völkerrechts heute wichtiger sei denn je und die zwingende Basis für jede Friedensförderung bilde.

Völkerrechtlich verpflichtet Neutralität nicht zu Gesinnungsneutralität oder Untätigkeit gegenüber einem Aggressor. Die Sanktionen gegen Russland sind nicht nur moralisch-ethisch, sondern auch rechtlich abgestützt. Russland hat mit dem Angriff auf die Ukraine das völkerrechtliche Gewaltverbot gemäss UNO-Charta verletzt. Das Völkerrecht erlaubt es in solchen Fällen, dass Staaten Massnahmen ergreifen, um den Aggressor zur Einhaltung des Rechts zu bewegen.

Wer sich unter dem Deckmantel strikter Neutralität komplett aus internationalen Sanktions- oder Schutzmechanismen heraushält, entzieht sich der gemeinsamen Verantwortung, die globale Friedensordnung aufrechtzuerhalten.

11. «Wegen Russlands Atombomben müssen wir kuschen»

Einordnung: Das trifft nicht zu ❌

Die Angst vor einer nuklearen Eskalation ist absolut verständlich und ernst zu nehmen – niemand wünscht sich einen Atomkrieg. Das ist seit vielen Jahrzehnten so.

Wenn sich die Staatengemeinschaft den Atombomben-Drohungen eines einzelnen Staates, etwa Russland, beugt, würde ein fataler Präzedenzfall geschaffen: Dann könnte jedes Land mit Nuklearwaffen künftig seine Nachbarn straflos überfallen und die Grenzen nach Belieben verschieben.

Dies würde ein weltweites nukleares Wettrüsten auslösen, warnen renommierte Sicherheitsexperten. Und wenn viel mehr Länder nach eigenen Atomwaffen streben, um sich zu verteidigen, steigen auch die Risiken an.

Die nukleare Abschreckung beruht auf dem Prinzip, dass ein Atombomben-Einsatz für den Angreifer selbst vernichtend wäre. Wenn wir aus Angst vor Drohungen vorauseilend kapitulieren, machen wir die Welt langfristig nicht sicherer, sondern erpressbar und massiv instabiler.

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140 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Voraus denken!
14.09.2026 17:33registriert März 2022
Da kann man soviele Fakten bringen wie man will, die Schwurblerszene (Schnittmenge der Covidioten, Sünneliwähler, Esoteriker, Putainzäpfchen, Trump-Boys etc.) bleibt bei ihrem Blödsinn.

Der Oligarch Blocher hat sogar eine eigene Initiative dafür gestartet, dass er und seine Kumpane künftig einfacher mit Drecksstaaten wie Ruzzland Geschäfte machen können.

Trotzdem werden die Rechtspopulisten und ihre Steigbügelhalter auch weiterhin gewählt. Muss und kann man nicht verstehen.
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MartinZH
14.09.2026 17:31registriert Mai 2019
Sehr gut, wurden die Punkte zusammengefasst und auf den Punkt gebracht. Danke für diesen Beitrag. 🙏👍
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Amphibolurus
14.09.2026 17:43registriert Januar 2026
Vielen Dank an Daniel Schurter für diese Zusammenstellung. Das dies leider immer noch nötig ist, sieht man auch in der Kommentarspalte hier, wo von einigen hartnäckig die russischen Narrative nachgeplappert werden. Freue mich auf die nächste Abstimmung, wo eine gewisse Partei die dritte Niederlage des laufenden Jahres einfahren wird.
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