Wirtschaft
Schweiz

KI: Swisscom will Kundenservice in Shops aufnehmen und mit KI analysieren

A shop of the telecommunications provider Swisscom on Bubenbergplatz Square in Bern, Switzerland, pictured on July 2, 2015. (KEYSTONE/Christian Beutler)
In der Decke sollen Mikrofone und Sensoren angebracht werden.Bild: KEYSTONE

Mit Mikrofon und Sensoren: Swisscom will KI-Analyse von Kunden im Shop machen

23.06.2026, 15:2426.06.2026, 12:08

Die Swisscom will mit künstlicher Intelligenz das Verhalten der Kunden in den Shops analysieren, um ihre Anliegen besser zu verstehen. Dazu werden in der Ladendecke Sensoren und Mikrophone installiert, mit denen Bewegungen und Kundengespräche aufgezeichnet werden.

In den nächsten Monaten läuft ein Test in drei Läden in Aarau, Bern und Lausanne, wie der Leiter Swisscom Shops, Michel Siegenthaler, am Dienstag an einer Medienkonferenz in Zürich bekannt gab. Dazu werde das System KIRA eingeführt. Die Abkürzung steht für KI Retail Analytics.

Mit den Sensoren will der Telekomanbieter die Bewegungen der Kunden im Laden messen, um zu erfahren, wie lange sich ein Kunde im Geschäft aufhält und wie lange es gedauert hat, bis sein Anliegen gelöst wurde. Das System analysiere dann die Warte- und die Beratungszeit. Mit diesen Daten könne man die Abläufe und Prozesse im Laden optimieren, sagte Siegenthaler.

Die Swisscom bezahlt ihren Mitarbeitern mehr Lohn. Der Telekomkonzern erh
Mit der Gesprächsaufzeichnung soll der Kundenservice verbessert werden.Bild: sda

Mit den Mikrophonen erfahre man den Grund für den Shopbesuch. So könne man die Kundenanliegen besser verstehen. Gleichzeitig diene das System zur Verbesserung der Beratungsqualität der Mitarbeiter. So könne man beispielsweise messen, ob sie dem Kunden die richtigen Produkte vorschlagen würden und den Kunden richtig erklärten, wie diese Produkte funktionierten, sagte Siegenthaler.

Sensoren erfassen Kunden beim Eingang

Konkret werde ein Kunde bei seinem Eintritt in den Laden von einem Sensor erfasst. Sobald er sich dem grossen Empfangstisch nähere, erfasse der Sensor, ob der Kunde Blickkontakt zu einem Shopmitarbeiter aufnehme. Nur wenn sich Kunde und Mitarbeiter ein paar Sekunden lang anschauen würden, werde das Gespräch aufgenommen.

Dies sei der Zeitpunkt, an dem der Mitarbeiter den Kunden über die Aufzeichnung des Gesprächs informiere, ähnlich wie bei der Hotline. Der Kunde könne die Aufzeichnung ablehnen. Dann werde das Gespräch an einem anderen Ort im Shop geführt, sagte Siegenthaler.

Wenn der Kunde sich abwende, werde das Gespräch automatisch transkribiert und anonymisiert. Sämtliche personenbezogenen Daten wie Namen, Telefonnummer, Geburtstag, Wohnort oder Geschlecht usw. würden komplett anonymisiert. Damit sei kein Rückschluss auf den Kunden möglich. Auch die Mitarbeiter würden nicht identifiziert.

Swisscom Shop von aussen, fotografiert am Freitag, 19. Januar 2018, in Zuerich Oerlikon. Die Swisscom kaempft seit Tagen mit technischen Problemen. Betroffen sind Festnetz- sowie Mobilkunden. (KEYSTON ...
Des Gespräch werde erst aufgezeichnet, wenn sich Verkäufer und Kunde mehrere Sekunden in die Augen blickten, versichert die Swisscom.Bild: KEYSTONE

Aufnahmen werden sofort gelöscht

Die Daten der Sensoren und die Mikrophonaufnahmen würden sofort nach dem Gespräch gelöscht. Es gebe nur noch das Transkript des Gesprächs. «Wir können nicht im Nachgang herausfinden, ob der Mitarbeiter dem Kunden XY etwas versprochen hat», sagte Siegenthaler.

Wenn der Versuch in den drei Shops erfolgreich sei, werde die Swisscom bis Ende Jahr zehn weitere Läden mit Sensoren und Mikrophonen für einen breiter angelegten Versuch ausrüsten.

Solche Sensoren kämen bereits heute in den Shops zum Einsatz, um die Kundenanzahl zu messen. Normalerweise seien ein oder zwei solcher Frequenzmesser beim Eingang der Läden installiert. Je nach Grösse des Shops würden künftig vier oder fünf Sensoren eingebaut, um den Kunden im ganzen Laden verfolgen zu können.

Die Swisscom denkt aber auch schon an weitere KI-Anwendungen im Shop. So könnten ab dem nächsten Jahr KI-Avatare den Empfang vornehmen und für kürzere Wartezeiten sorgen. Zudem überlegt sich der Telekomkonzern die Einführung eines KI-Copiloten zur Unterstützung der Mitarbeiter bei Kundenanfragen.

(nil/sda/awp)

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34 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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CISG
23.06.2026 17:03registriert Oktober 2023
Ich glaube vielen ist gar nicht bewusst was da auf uns zukommt.

In ein paar Jahren dann werden alle Mitarbeitenden entlassen und wir Kunden müssen uns von einem KI-Roboter bedienen und beraten lassen. Andere Geschäfte werden folgen. Es wird heissen wir Menschen wären viel zu teuer und die Preise werden trotzdem steigen und steigen.
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FaktenImFondue
23.06.2026 17:44registriert Oktober 2025
Brauchen sie nicht. Um das Anliegen des Kunden zu verstehen muss man ihm nur zuhören.
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Pmm8
23.06.2026 15:31registriert März 2022
Die würden lieber zuerst einfache Dinge richtig machen. Dass man einen Kundenberater anrufen kann, ohne 20min zu warten oder 3 mal verbunden wird. Oder dass man sein Anliegen per Mail mitteilen kann.
unglaublich, wie hier der Service schlechter geworden ist. Preis war schon länger zu hoch für den Service.
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