Wirtschaft
Schweiz

Höhere Gewinnsteuern führen zu Verzicht auf weiteres Sparpaket

Bundesraetin Karin Keller-Sutter spricht an einer Medienkonferenz zum Voranschlag 2027, am Mittwoch, 24. Juni 2026, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)
Karin Keller-Sutter an der Pressekonferenz von Mittwoch.Bild: keystone

Bundesrat verzichtet dank höherer Steuereinnahmen auf Sparrunde

24.06.2026, 13:1524.06.2026, 15:41

Die Finanzaussichten für den Bund haben sich in den vergangenen Wochen aufgehellt. Dank geschätzter Steuermehreinnahmen in Milliardenhöhe verzichtet der Bundesrat im Budget 2027 auf neue Sparrunden. Auch in den Folgejahren sieht es besser aus als auch schon.

«Der Bund ist insgesamt solide finanziert», sagte Finanzministerin Karin Keller-Sutter am Mittwoch in Bern vor den Medien. Damit blieben mühsame Debatten über weitere Sparübungen aus - zumindest vorerst. «Es war nie bequem, seit ich Finanzministerin bin.»

Im Unterschied zur finanziellen Standortbestimmung vom April kann die Schuldenbremse im Voranschlag 2027 ohne weiteres Sparpaket eingehalten werden. Damals war von einem drohenden Defizit von rund 600 Millionen Franken die Rede. «Weitere Sparrunden wären nicht so populär gewesen», sagte Keller-Sutter.

Pharmabranche liefert ab

Das ist jedoch Vergangenheit. In den nun präsentierten Eckwerten zum Bundesbudget 2027 und zum Finanzplan 2028 bis 2030 geht der Bundesrat von einem strukturellen Überschuss von rund 180 Millionen Franken aus - ohne weitere Sparmassnahmen.

Die Einnahmenschätzungen des Bundes liegen nämlich für 2027 um 1,8 Milliarden Franken höher als noch im Frühjahr. Hauptgrund dafür seien höhere Schätzungen bei der Gewinnsteuer, sagte Keller-Sutter. Netto gehe es im nächsten Jahr um Mehreinnahmen von rund einer Milliarde Franken.

Bereits in der Sommersession hatte die Finanzministerin im Parlament angekündigt, dass vor allem Unternehmen aus den Kantonen Luzern, Zürich und Basel-Stadt mehr Steuern entrichten würden. Es gehe «nicht zuletzt um Unternehmen aus der Pharmabranche».

Das Ergebnis harter Entscheide

Die verbesserten Aussichten schafften finanziellen Spielraum, insbesondere für die Stärkung der Verteidigungsfähigkeit, so Keller-Sutter. Im Budget 2027 seien zudem zum ersten Mal seit sieben Jahren keine ausserordentlichen Ausgaben eingestellt. «Auch das ist eine erfreuliche Entwicklung.»

Gleichzeitig hielt die Finanzministerin fest, dass die nun geschaffene neue Ausgangslage auch dem vom Parlament verabschiedeten Entlastungspaket geschuldet sei. Zusammen mit weiteren Sparpaketen in den Jahren 2024 und 2025 sei das Ausgabenwachstum um rund vier Milliarden Franken gebremst worden.

Verbesserte Aussichten meldet der Bundesrat auch in den Finanzplanjahren 2028 bis 2030. Sparrunden sind aus heutiger Sicht auch dann nicht angezeigt. Die höhere Einnahmenschätzung erlaube es sogar, die Mehrwertsteuer zugunsten der Armee weniger stark zu erhöhen als noch in der Vernehmlassung vorgeschlagen.

«Korrekturen nicht ausgeschlossen»

Trotzdem warnte Keller-Sutter vor zu grossem Optimismus: Die Finanzperspektiven blieben mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. So sei beispielsweise unklar, wie lange der Trend höherer Gewinnsteuereinnahmen anhalte. 0,5 Prozent der Unternehmen lieferten drei Viertel aller Gewinnsteuern ab. Da liege es auf der Hand, dass verlässliche Schätzungen schwierig geworden seien.

Auch die Einnahmen aus der OECD-Ergänzungssteuer liessen sich derzeit nur mit grosser Unsicherheit abschätzen. Korrekturen im Budgetprozess seien in den kommenden Jahren deshalb «nicht ausgeschlossen».

Hinzu kommen laut dem Bundesrat Risiken aus dem internationalen Umfeld. Die geopolitischen Spannungen und die unsichere Wirtschaftsentwicklung könnten sich sowohl auf die Einnahmen als auch auf die Ausgaben des Bundes auswirken. «Die Entwicklung kann auch wieder in die andere Richtung ausschlagen», sagte Keller-Sutter.

«Die Arbeit ist nicht getan»

Nachdem der Bundesrat das Zahlenwerk für den Voranschlag und den Finanzplan verabschiedet hat, ist nun das Parlament am Zug. Die Räte hätten nun «einen angemessenen Spielraum», sagte Keller-Sutter. Die knapp 200 Millionen Franken an strukturellem Überschuss entsprächen der Norm. Vor der Corona-Krise sei das üblich gewesen. In den vergangenen Jahren sei dieser Spielraum nicht vorhanden gewesen.

National- und Ständerat haben die Budgethoheit. Zudem werden sie in den kommenden Monaten über verschiedene weitere Projekte - darunter starke Ausgabentreiber wie die Armee, AHV und IV - entscheiden müssen. Keller-Sutter appellierte an die finanzpolitische Verantwortung: «Es muss eine nachhaltige Finanzierung gefunden werden.»

Wenn es keine Mehreinnahmen über einen höheren Mehrwertsteuersatz gibt und das Parlament am Armeewachstum festhält, werde man über ein neues Sparpaket diskutieren müssen, sagte Keller-Sutter. Dann fehlten rund zwei Milliarden Franken pro Jahr. Auch weitere Einnahmen wachsen weiterhin stark - um rund vier Prozent jedes Jahr. Die finanzpolitische Disziplin bleibe weiterhin eine wichtige Aufgabe, sagte Keller-Sutter. «Die Arbeit ist nicht getan.» (sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
69 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Christian Mueller (1)
24.06.2026 13:19registriert Januar 2016
ich habe eine Idee: erhöht die Gewinnsteuern für Firmen noch mehr! Die SVP will doch weniger ZuwanderuNg, sie ist sicher dafür!
9817
Melden
Zum Kommentar
avatar
Voraus denken!
24.06.2026 13:41registriert März 2022
Stellt euch mal vor, man würde den Geldadel ordentlich besteuern. Ordentlich im Sinne von grundsätzlich höherem Prozentsatz, weniger Schlupflöcher und mehr Steuerprüfer.

Was die Schicht über 10 Mio Vermögen derzeit an Steuern abliefert ist ein Witz!

Ich zahle prozentual zu meinem Einkommen und Vermögen viel mehr Steuern als das obere %.

Aber sobald man das fordert kommen die vielen Habenichtse daher und verteidigen vehement den Geldadel. Kann man sich nicht Ausdenken diesen Kadavergehorsam.
6716
Melden
Zum Kommentar
avatar
Puki
24.06.2026 13:33registriert August 2019
Hat das vielleicht damit zu tun, dass der Bund aktuell an einer neuen Unternehmenssteuerreform arbeitet, die Steuerrabatte für Konzerne vorsieht?

Bedenken, dass dies an der Urne scheitern könnte, wenn die Leute merken, dass immer nur "bei uns" gespart wird, während die Firmen weiter entlastet werden.

Ausserdem kommen dann noch mehr Firmen, Menschen, Wohnungsmangel, überlastete Verkehrswege, usw.
514
Melden
Zum Kommentar
69
Drei Handelstage in Folge: SpaceX-Aktie stürzt nach Börsenstart immer weiter ab
SpaceX setzte zum Börsenstart neue Massstäbe und katapultierte Elon Musk an die Spitze der Superreichen. Nun verliert das Papier zweistellig.
Etwas mehr als eine Woche nach dem Börsenstart ist der Aktienkurs des US-Raumfahrtkonzerns SpaceX am Montag erneut gefallen. Kurz nach Handelsbeginn stürzte der Kurs um mehr als zehn Prozent auf etwa 165.60 Dollar pro Aktie ab. Damit gab die SpaceX-Aktie bereits den dritten Handelstag in Folge nach.
Zur Story