Wirtschaft
Schweiz

Vertrauliches Protokoll: So wollte Economiesuisse die USR III durchbringen

Heinz Karrer, Praesident Economiesuisse, spricht waehrend der Jahresmedienkonferenz, am Donnerstag, 26. Januar 2017, in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)
(Fast) nichts lief wie geplant: Economiesuisse-Präsident Heinz Karrer verliert die USR-III-Abstimmung am 12. Februar.Bild: KEYSTONE

Vertrauliches Protokoll: So wollte Economiesuisse die USR III durchbringen

04.03.2017, 09:4204.03.2017, 10:13

Ein als vertraulich klassifiziertes Protokoll, das dem «Tages-Anzeiger» vorliegt, enthüllt den Schlachtplan, den die Wirtschaftsverbände vor der USR-III-Abstimmung geschmiedet haben. Das Papier zeigt, wie die Bürgerlichen die Botschaften für die Stimmbürger designen, zur Stärkung ihrer Argumente massgeschneiderte Studien bestellen und versuchen, die Medien für ihre Kampagne einzuspannen. 

Auch geheim (aber Achtung, Satire!): Die WhatsApp-Protokolle der USR-III-Befürworter

Das Protokoll, das auf eine Sitzung im September 2016 zurückgeht, entkräftigt aber auch den Vorwurf, Economiesuisse habe die Vorlage unterschätzt: Die Lageanalyse sei schonungslos, schreibt der TA: Die Ausgangslage für die USR III sei kritisch, konstatieren die Sitzungsteilnehmer, die Steuerausfälle ein «Killerargument», die Sparprogramme in vielen Kantonen sprächen gegen eine Annahme der USR III. Eine Schlacht, die schwer zu gewinnen sei. Der anwesende Polit-Campaigner Guido Weber spricht von einem «Zittersieg», der zu erreichen sei.

Weber plädiert an der Sitzung für Moral. Man müsse den Mittelstand involvieren, emotionale Botschaften formulieren. Mehr Gleichheit, weniger Sonderdeals, mehr Transparenz – «ein positiver Drive». Economiesuisse-Präsident Heinz Karrer entscheidet schliesslich, es brauche Fakten und Emotionen. «Wir müssen beim Framing über Gerechtigkeit und die Kosten beim Scheitern der Reform sprechen», zitiert der TA den Verbandschef aus dem Protokoll.

Monika Ruehl, Economiesuisse Direktorin, spricht am Mobiltelefon, im buergerlichen Hauptquartier, am Sonntag, 12. Februar 2017, im Hotel Bellevue in Bern. Das eidgenoessische Stimmvolk hatte am Sonnta ...
Economiesuisse-Direktorin Monika Rühl.Bild: KEYSTONE

Medien ins Boot holen

Entschieden würde die Schlacht aber ohnehin in den Medien, sind sich die Teilnehmer einig. Man müsse gute Geschichten anbieten, sagt Matthias Leitner, Kampagnenchef der FDP. Ausserdem brauche es eine Studie. Ein Economiesuisse-Mitarbeiter informiert, dass man zu diesem Zweck bereits mit dem Institut BAK Basel in Kontakt stehe. Tatsächlich legt BAK Basel im Januar eine Studie zur Bedeutung der USR III vor. Doch die Journalisten zerreissen sie als weit übertrieben.

Auch die zweite Strategie, Eveline Widmer-Schlumpf ins Boot zu holen, entpuppt sich als Rohrkrepierer. Die alt Bundesrätin distanziert sich im Januar von der Vorlage.

Auch die KMU, der Gewerbeverband, sollen als glaubwürdiger Gegenpol zu den Linken platziert werden. Doch die Chefs des Gewerbeverbands glänzen an der Sitzung durch Abwesenheit, schreibt der TA. Bis zum Urnengang wird es nur partiell gelingen, KMU-Verteter als Botschafter für die Reform zu gewinnen.

Nur in einem Punkt läuft alles wie gewünscht: Die Sitzungsteilnehmer diskutieren darüber, ob die Gewinnchancen im Februar oder im Mai grösser sind. Sowohl Kantone als auch bürgerliche Parteien entscheiden sich später für den Februar. Gut drei Wochen nach der Sitzung legt der Bundesrat wie vom Steuerungsausschuss gewünscht die Abstimmung auf den 12. Februar fest. Die USR III wird mit einem Nein von 59 Prozent an der Urne abgeschmettert. (dwi)

Internationale Presseschau

1 / 11
Internationale Presseschau
«Schweizer Bärendienst», nennt die FAZ die Abstimmung über die USR III. «Die Schweizer haben die von der Regierung geplante Unternehmenssteuerreform versenkt. Das ist bitter, denn die Stossrichtung der Reform war gut. (...) Zwar hätte die Steuerreform bestimmt Mindereinnahmen für den Staat gebracht. Aber längerfristig hätte sie die Chance eröffnet, neue Investitionen an Land zu ziehen. Die Welt wartet nicht auf die Schweiz.» ... Mehr lesen
quelle: screenshot
Auf Facebook teilenAuf X teilen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Also doch: Keller-Sutter hat die CS-Boni zu Recht gestrichen
Die Finanzministerin und die UBS erzielen vor Bundesgericht einen gemeinsamen Erfolg – gegen ehemalige CS-Banker.
Die Credit Suisse hat Milliardenverluste geschrieben – und gleichzeitig Milliardenboni an ihre Manager verteilt. Bis zum bitteren Ende, im Frühjahr 2023, als der Staat und die UBS die zusammenbrechende Grossbank retten mussten. Eine legale Grundlage für die Rückforderung der offensichtlich nicht wirklich an Erfolg geknüpften variablen Vergütungen gab es nicht. Also taten Finanzministerin Karin Keller-Sutter und der Gesamtbundesrat das, was sie tun konnten: Sie kürzten oder strichen die noch nicht ausbezahlten Boni der oberen CS-Banker.
Zur Story