Kaufen oder mieten? Wo Wohneigentum in der Schweiz noch bezahlbar ist
«Schaffe, schaffe, Häusle baue» – für viele Schweizerinnen und Schweizer bleibt das Eigenheim ein Traum. Und auch wer sich momentan auf Wohnungssuche befindet, hat es nicht leicht. Neben dem Standort ist oftmals der Preis ein Problem, denn bezahlbarer Wohnraum ist teuer. Es stellt sich auch die Frage, ob besser gemietet oder gekauft werden soll. Letzteres hat das Immobilienberatungsunternehmen Iazi für SRF ausgewertet. Von Region zu Region sind die Ergebnisse unterschiedlich.
Das Analysetool stützt sich auf aktuelle Immobilienpreise, Marktmieten, Finanzierungskosten und regionale Marktdaten. Es zeigt, wo und mit welchem Budget sich Wohneigentum oder eine Mietwohnung leisten lässt. Laut Cash berücksichtigt das Tool den finanziellen Spielraum von Haushalten sowie die Unterschiede innerhalb einzelner Gemeinden jedoch nur begrenzt.
Stadt vs. Land
Grundsätzlich gilt: Abseits der Zentren ist es einfacher, mit einem kleineren Budget Wohnraum zu finden. Zudem ist Wohneigentum auf dem Land oft finanziell attraktiver, da die monatlichen Kosten häufig unter der Miete liegen. In den Städten hingegen ist Mieten meist die günstigere Option. In Zürich ist Mieten beispielsweise 20 Prozent günstiger als Kaufen, in der Gemeinde Haute-Ajoie im Kanton Jura ist Kaufen 30 Prozent günstiger als Mieten.
Abgesehen vom Mieten oder Kaufen steigen die Preise, je zentraler Wohnraum liegt. Dies zeigt sich in den Städten Zürich oder Genf. Hier sind die Grundstückspreise inzwischen so hoch, dass sich die wenigsten Leute eine Eigentumswohnung leisten können. Vor allem Neubauwohnungen sind quasi unbezahlbar geworden.
Bislang galt die Regel, dass Besitzerinnen und Besitzer von Wohnraum monatlich tiefere Kosten haben als Mieterinnen und Mieter. Aufgrund der Zinslage der vergangenen Jahre hat sich das jedoch in einigen Regionen geändert.
Und auch wenn man sich die jeweilige ortsübliche Miete oder den Kaufpreis leisten kann, heisst es noch lange nicht, dass auch etwas Passendes dabei ist, denn das Angebot ist begrenzt. Mehr Eigentumswohnungen sind beispielsweise in der Westschweiz verfügbar, Mietwohnungen dafür im Mittelland oder Jura.
Auch Gutverdienende haben Probleme
Die Auswertung zeigt, dass es auch gutverdienende Personen auf dem Wohnungsmarkt schwer haben. Bei einem Haushalt mit 180'000 Franken Jahreseinkommen und 400'000 Franken Eigenmitteln ist der Erwerb von Eigentum in den Städten Basel, Bern, Genf, Lausanne, Luzern und Zürich nicht möglich. Auch in Teilen des Engadins findet sich kein Kaufobjekt in diesem Spektrum.
Selbst Personen mit einem überdurchschnittlichen Jahreseinkommen von 120'000 Franken und 400'000 Franken Eigenkapital haben laut der Analyse in Zürich und Genf nur geringe Chancen auf eine 3,5-Zimmer-Wohnung – unabhängig davon, ob sie kaufen oder mieten wollen.
Von der aktuell schwierigen Lage auf dem Wohnungsmarkt sind vor allem junge Familien betroffen, die ein Haus kaufen möchten. Die hohen Preise erschweren den Erwerb von Wohneigentum. Im Vorteil sind hingegen Menschen, die nicht umziehen müssen. Menschen mit Eigentum profitieren von einer Wertsteigerung der Immobilie, während die Miete von langjährigen Mieterinnen und Mietern stabil bleibt. Wer umzieht, muss dagegen oft deutlich mehr bezahlen.
Die Mehrheit bleibt ohne Eigentum
Laut dem Immobilienexperten und IAZI-Verwaltungsratspräsidenten Donato Scognamiglio werden etwa 60 bis 70 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer Mieter bleiben. Gründe seien ein zu tiefes Einkommen oder zu wenig Eigenkapital, schreibt Cash. Daran dürfte sich auch künftig wenig ändern, da tiefe Zinsen, das Bevölkerungswachstum und die stockende Bautätigkeit den Druck auf den Wohnungsmarkt aufrechterhalten.
