Nestlé gliedert Wassergeschäft in Joint Venture aus
Das europäische Wassergeschäft gilt bei Nestlé seit Jahren als Sorgenkind. Zwar gehören mit Perrier, San Pellegrino, Acqua Panna, Vittel und Henniez einige der bekanntesten Mineralwassermarken der Welt zum Portfolio. Strategisch spielte die Sparte für den Konzern zuletzt aber nur eine untergeordnete Rolle.
Die seit Anfang 2025 separat geführte Geschäftseinheit Nestlé Waters & Premium Beverages erzielte 2025 einen Umsatz von rund 3,5 Milliarden Franken und steuerte knapp 4 Prozent zum Konzernumsatz bei. Darin enthalten waren Wasserprodukte für gut 3,1 Milliarden sowie weitere Premiumgetränke. In dem Segment lag die bereinigte operative Marge von 9,1 Prozent deutlich unter dem Konzernschnitt von 16,1 Prozent.
Ab Ende 2024 suchte Nestlé nach einer neuen Eigentümerstruktur. Angestossen wurde das Projekt vom glücklosen Laurent Freixe, dem Vorgänger des jetzigen Nestlé-Chefs Philipp Navratil, der nach nur einem Jahr im Amt wegen einer verheimlichten Liebschaft mit einer Direktunterstellten im letzten Herbst gefeuert worden war.
Per Anfang 2025 wurde das Geschäft dann als eigenständige Einheit ausgegliedert, um Partnerschaften oder einen Teilverkauf zu ermöglichen. Der Konzern folgt damit seiner Strategie, sich stärker auf wachstums- und margenstärkere Bereiche wie Kaffee, Tiernahrung und Nutrition sowie auf Kulinarikprodukte und Snacks zu konzentrieren.
Vom nordamerikanischen Wassergeschäft hatte sich Nestlé bereits 2021 getrennt. Damals verkauft der Konzerne seine regionalen Quellwassermarken, das Geschäft mit aufbereitetem Flaschenwasser sowie den Getränkelieferdienst in den USA und Kanada für 4,3 Milliarden an US-Finanzinvestoren.
Juristische Querelen
Belastet wurde die Wassersparte aber nicht nur durch schwächeres Wachstum und die vergleichsweise tiefe Profitabilität, sondern auch durch juristische und regulatorische Probleme, allen voran in Frankreich. Nestlé hatte eingeräumt, bei mehreren Mineralwassermarken verbotene Filter- und Aufbereitungsverfahren eingesetzt zu haben.
Der Konzern zahlte 2024 2 Millionen Euro nach Voruntersuchungen wegen möglicher illegaler Wassernutzug und Täuschung, um einen Strafprozess abzuwenden. Seither laufen weiter Ermittlungen und Gerichtsverfahren. Zudem steht bei Perrier die Frage im Raum, ob die Marke dauerhaft als «natürliches Mineralwasser» vermarktet werden darf.
Kein Novum
Partner von Nestlé im Wassersegment wird der US-Finanzinvestor Platinum Equity. Das 1995 vom Milliardär Tom Gores gegründete Unternehmen verwaltet rund 48 Milliarden US-Dollar und ist auf den Erwerb und die Weiterentwicklung von Unternehmen und Unternehmensteilen spezialisiert. Zum Portfolio gehören unter anderem der europäische Guetzlihersteller Biscuit International sowie der US-Biomilchhersteller Horizon Organic.
Für Nestlé ist ein solches Joint Venture kein Novum. Bereits 2016 gründete der Konzern gemeinsam mit PAI Partners den Glacéhersteller Froneri. 2023 folgte mit demselben Partner ein Gemeinschaftsunternehmen für das europäische Tiefkühlpizza-Geschäft.
Mit solchen Konstruktionen kann Nestlé gemäss Experten ein Geschäft aus der Vollkonsolidierung herauslösen, gleichzeitig aber an dessen künftiger Wertentwicklung beteiligt bleiben. (awp/sda)
