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Mammut wird chinesisch – so erklärt der CEO den Verkauf

Mammut China
«In der Schweiz ist Mammut eine grosse Marke. Weltweit kämpfen wir aber gegen Giganten», sagt Heiko Schäfer, der aktuelle Vorstandsvorsitzende von Mammut.Bild: Alex Spichale/chmedia
Interview

Mammut wird chinesisch – so erklärt der CEO den Verkauf

Dass die chinesische Investmentfirma CPE die Aargauer Traditionsmarke Mammut übernimmt, sorgte zuletzt für Aufruhr. Nun erklärt der Chef persönlich, wie viel Schweiz in Mammut verbleibt und warum dieser Verkauf strategische Vorteile bringt.
08.08.2026, 22:3208.08.2026, 22:58
Daniel Vizentini
Daniel Vizentini

«Mammut wird chinesisch» – so lautete, kurz, die erste Schlagzeile des letzte Woche bekannt gewordenen Verkaufs der Aargauer Traditionsmarke vom bisherigen englischen Eigentümer Jacobs Capital an die chinesische Investitionsgesellschaft CPE. Was steckt aber genau dahinter – und macht es überhaupt einen Unterschied, wem Mammut auf dem Papier gehört? Antworten liefert der CEO von Mammut, Heiko Schäfer, am Hauptsitz in Seon persönlich.

Seit 2021 gehört Mammut einer britischen Investmentfirma und demnächst einer chinesischen. Wie viel Schweiz steckt überhaupt noch in Mammut?
Heiko Schäfer: Ich würde sagen: 100 Prozent. Mammut ist ein Schweizer Unternehmen, der Kopf sitzt in der Schweiz. Gleichzeitig operieren wir aber global.

Der Ursprung von Mammut geht auf die ehemalige Seilfabrik in Dintikon zurück, gegründet 1862. Wie viel Aargau steckt noch in Mammut?
Wir haben hier in Seon rund 250 Mitarbeitende, das ist weltweit unser grösster Standort. In der Schweiz sind es, mit dem Personal aus unseren eigenen Läden, insgesamt rund 310. Das ist ungefähr ein Drittel unserer gesamten Mitarbeitenden. Der zweitgrösste Standort ist in Bayern, wo auch unser Logistikzentrum liegt. Der dritte wäre dann wohl in Tokyo oder Schanghai.

Mammut führt selbst keine Fabriken mehr?
Es gibt langjährige Partner, mit denen wir intensiv zusammenarbeiten. Das ist das weltweit etablierte Modell in der Branche.

Vor einem Jahr hiess es, dass 14 Stellen von Seon nach Vietnam verlegt werden. Was hatte es damit auf sich?
Die besten Fabriken für Sportschuhe oder spezifische Oberbekleidung sitzen nicht mehr in Europa, sondern in Vietnam. Deshalb haben wir dort ein Büro eröffnet mit derzeit rund 40 Mitarbeitenden. Dies, um den Detailentwicklungsprozess, die Qualitätskontrolle oder das Nachhaltigkeitsmanagement direkt dort zu betreiben, wo auch die Partner für uns produzieren. Da ging es darum, dass wir schneller agieren können. Wenn Sie ein Produkt von der Entwicklungsabstimmung in die Serienproduktion überführen möchten, brauchen Sie eine schnellere Abstimmung mit den Partnern. Prototypen mit Mustern hin und her schicken über eine grosse Distanz in verschiedenen Zeitzonen: Da geht einfach viel Zeit verloren.

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«Prototypen mit Mustern hin und her zu schicken über eine grosse Distanz in verschiedenen Zeitzonen, da geht einfach viel Zeit verloren», sagt Mammut-CEO Heiko Schäfer zur letztjährigen Verlegung von 14 Stellen von Seon nach Vietnam.Bild: Alex Spichale/chmedia

Mammut ist eine grosse Marke. Ist es eigentlich egal, wer sie besitzt?
Mammut bleibt Mammut. Aber Mammut ist vor allem in der Schweiz eine grosse Marke. Weltweit kämpfen wir gegen Giganten. Wir sind der David unter den diversen Goliaths.

Und wie besteht David gegen Goliath?
Mammut ragt heraus, weil wir ein Multispezialist sind. Die meisten anderen Marken sind spezialisiert auf eine Sache, die sie wirklich gut machen. Wir decken von Schuhen über Bekleidung bis zu Hartwaren das komplette Spektrum ab. Es gibt keine andere Marke weltweit, die das alles anbietet. Dazu haben wir als Schweizer Marke einen besonderen Anspruch an die Langlebigkeit und Qualität unserer Produkte.

Heiko Schäfer
Der 53-jährige Norddeutsche ist Vater zweier Söhne und arbeitete lange als Produktentwickler bei Adidas. Schäfer war später in der Modebranche tätig, zuletzt bei Hugo Boss, ehe er nach diesem Umweg zurück in den Sportbereich fand, wie er sagt. Seit 2022 ist er Vorstandsvorsitzender von Mammut in Seon. (dvi)

Um als David gegen die Goliaths standzuhalten, braucht Mammut wohl Geld. War das der Grund für den Verkauf?
Unser aktueller Eigentümer, Jacobs Capital, ist ein Finanzinvestor. Dieser kauft Unternehmen, um sie besser und stärker zu machen, wachsen zu lassen, über eine gewisse Periode zu halten und dann weiterzuverkaufen. Es war von vornherein klar, dass es irgendwann mal zu einem Eigentümerwechsel kommt. In den letzten fünf Jahren hat sich die Firma toll entwickelt. Der neue Partner bringt viel mit, was uns helfen wird, in dieser Entwicklung voranzuschreiten. Gerade in Märkten, in denen wir künftig überproportional starkes Wachstum sehen.

Sie sprechen den asiatischen Markt an. Da bringt CPE als chinesischer Finanzinvestor Vorteile?
Wir wollen Mammut auf den Weg bringen, ein global agierendes Unternehmen zu werden. Die meisten Läden, die Mammut heute betreibt, sind in China. CPE hat ein starkes Netzwerk in Asien, Kontakte zu Vermietern und Betreibern von Shopping-Centern, oder investiert teilweise selbst in diese Center. Das hilft uns, die besten Plätze zu erhalten. Dazu hatte CPE historisch einen starken Fokus auf Technologieunternehmen. Digitale Kanäle machen in China rund 30 Prozent unseres Umsatzes aus. Das wird stark wachsen in den nächsten Jahren. Jemanden zu haben, der die Expertise hat, diese Kanäle zu bespielen, hilft uns. Wir profitieren auch davon, einen lokalen Partner in Asien zu haben, der ein gutes Verständnis der Region hat.

Das hört sich ideal an. War das geplant, oder verkaufte Jacobs einfach an den Höchstbietenden?
Es gab viel Interesse an Mammut. Die Entscheidung wurde, nach einem längeren Auswahlverfahren, gemeinsam getroffen. Der Eigentümer kauft sich in eine Schweizer Erfolgsgeschichte ein. Er hat genau verstanden, wie viel Swissness wert ist. Das ist ein echtes Asset.

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Mammut wirbt klar mit Swissness und erinnert an den Ursprung als Seilfabrik, 1862 in Dintikon gegründet.Bild: Alex Spichale/chmedia

CPE wird 100-prozentige Eigentümerin von Mammut?
Genau. Die Aktien wanderten von Zürich nach London und wandern jetzt nach China. Mammut sitzt immer noch hier im Aargau und macht dasselbe – nur besser.

Mammut will in Asien und Nordamerika wachsen. Werden auch die Produkte entsprechend angepasst?
Wir vertreiben unsere Produkte in circa 60 Ländern. Chinesische Konsumenten haben leicht andere Präferenzen als europäische, gerade was Farben oder den Kleiderschnitt angeht. Deshalb haben wir ein kleines Designteam in Schanghai für lokalisierte Produkte, wo die Präferenzen sehr unterschiedlich sind im Vergleich zu den Designs aus Seon. Das machen wir aber nur sehr punktuell. In Nordamerika zum Beispiel gar nicht.

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Mammut bringt Produkte neu auch in dezenteren Farben für den asiatischen Markt. Teilweise wird auch der Schnitt eher lockerer.Bild: Alex Spichale/chmedia

Mammut ist eine teure Marke. Funktioniert das im Ausland?
Mammut ist eine Premiummarke mit hohen Ansprüchen an Qualität und Langlebigkeit. Das gibt es nicht zu Discounter-Preisen.

Schuhe sind aktuell ein grosses Thema bei Mammut. Was noch?
Wir sind ein Bergsportunternehmen. Unseren technischen Vorteil stärken wir kontinuierlich, entwickeln zum Beispiel aktuell die nächste Generation des Lawinensuchgeräts Barryvox oder Produkte weiter für das Klettern. Schuhe haben ein grosses Potenzial für uns, vom Laufschuh bis zum alpinen Bergstiefel. Der grösste Geschäftsbereich ist immer noch die Oberbekleidung. Da gibt es viele Kategorien wie Isolationsjacken oder Hosen, bei denen wir uns weiterentwickeln wollen. 12 Prozent unseres CO₂‑Ausstosses betreffen die Seilproduktion. Wir haben nun eine Technologie entwickelt, um Seilabfälle zu recyceln und daraus Isolationsmaterial für Jacken oder Schuhe machen zu können.

Sie stellen nun auch Kinderkleidung her und im Markenregister liess Mammut zuletzt mehrere Hundeartikel eintragen.
Wir haben gesehen, dass viele auch ihre Tiere in die Berge mitnehmen. Wir haben uns das Thema angeschaut, aber nicht weiterverfolgt.

Im Velobereich bietet Mammut noch nichts an?
Wir sind gerade an einem Projekt mit einem sehr renommierten Fahrradhersteller. Das wird aber noch ein wenig dauern, bis es spruchreif ist.

Zurück in die Schweiz: Ende Jahr zieht Mammut ganz nach Lenzburg?
Eher Anfang 2027. Wir beginnen in Lenzburg gerade mit dem Innenausbau. Alles zieht dorthin: Büros, Ateliers, Showroom, Testzentrum und das Outlet. Nur den Fallturm, bei dem wir die Seile testen, werden wir zunächst weiterhin in Seon betreiben.

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Auch der Showroom von Mammut und das Outlet ziehen nach Lenzburg.Bild: Alex Spichale/chmedia

Ein Drittel der Belegschaft von Mammut wohnt in Zürich. War ein Umzug dorthin ein Thema? Andere Aargauer Kleidermarken wie Triumph oder Zimmerli verliessen Zurzach respektive Aarburg in Richtung Zürich.
Wir haben uns alles entlang der Bahnstrecke von Aarau bis Zürich angeschaut. Das war ein langer und intensiver Suchprozess. Ich möchte da lobend den Kanton erwähnen, der bei der Suche geholfen hat. Mit der neuen Lage in Lenzburg sind wir sehr zufrieden. Für die Angestellten aus Zürich sind das 20 Minuten Zugfahrt, rund ein Drittel der Belegschaft wohnt im Aargau.

Mammut China
Bis Ende Jahr wird der Hauptsitz von Mammut noch im Industriegebiet Birren in Seon liegen.Bild: Alex Spichale/chmedia

Auch Sie wohnen in Seengen am Hallwilersee. Wie gefällt es Ihnen dort?
Seit 2022 bin ich dort. Ich finde es sehr schön. Ich fuhr gestern mit dem Fahrrad ins Büro, manchmal laufe ich auch die rund sechs Kilometer durch den Wald. (schweizheute.ch)

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Die beliebtesten Kommentare
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Idealisst, Fabulisst, Alchemisst
08.08.2026 22:46registriert Januar 2014
Keine einzige kritische Frage? Ist das heute nicht mehr angesagt im Journalismus? Fliessender Übergang von Journalismus zu Puplireportagen?
2337
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001243.3e08972a@apple
08.08.2026 22:38registriert Juli 2024
Money, money, money.
1584
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Vision2060
08.08.2026 22:55registriert April 2021
Immer die Begründung „strategisch“ . Die Gier nach mehr ist unersättlich.
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