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«Keine rassistische Komponente»: So erklärt Credit Suisse Thiam-Eklat

«Keine rassistische Komponente»: So erklärt die Credit Suisse den Thiam-Eklat

Der frühere CEO der Credit Suisse, Tidjane Thiam, soll in der Bank und in der Schweiz Rassismus erfahren haben. Im Mittelpunkt stand eine Geburstagsfeier von Urs Rohner. Nun nimmt die Bank Stellung.
06.10.2020, 14:5506.10.2020, 14:55
Stefan Ehrbar / ch media
epa08199742 (FILE) Tidjane Thiam, left, CEO Credit Suisse, and Urs Rohner, right, chairman Credit Suisse, after an extraordinary general assembly in Bern, Switzerland, 19 November 2015 (reissued 07 Fe ...
Im Mittelpunkt der Debatte: Tidjane Thiam (links) und Urs Rohner.Bild: EPA

Rassismus soll beim Abgang des früheren Credit-Suisse-Chefs Tidjane Thiam (58) eine grössere Rolle gespielt haben als angenommen. Das berichtete die «New York Times» am Wochenende. Der Ivorer sei sowohl in der Schweizer Gesellschaft als auch in der Bank mit rassistischen Vorfällen konfrontiert gewesen.

Im Mittelpunkt der Vorwürfe stand eine Geburtstagsfeier des Verwaltungsratspräsidenten Urs Rohner vom letzten Jahr. Dort soll Thiam der einzige Schwarze gewesen sein - bis ein als Hauswart verkleideter Schwarzer auf der Bühne zu singen begonnen habe, während er den Boden kehrte. Später sollen Freunde Rohners eine Musical-Nummer aufgeführt haben, für die sie sich Afro-Perücken aufsetzten.

«Falsche Darstellung des Abends»

Wie die Zeitung berichtet, soll Thiam deswegen den Saal kurzzeitig verlassen haben. Nicht alle Party-Teilnehmer haben die Ereignisse als rassistisch wahrgenommen. Bei der Szene mit dem Hauswart habe es sich um einen Artisten des Cirque du Soleil gehandelt, sagt eine Person, die an der Geburtstagsfeier teilgenommen hat, aber nicht namentlich erwähnt sein will, am Montag diesem Portal. «Aus meiner Sicht hatte der Auftritt keine rassistische Komponente.» Auch die Produktion der Freunde Rohners sei weit weg von Rassismus gewesen.

Nun hat die Credit Suisse Stellung genommen. Gegenüber dem «Guardian» sagt ein Sprecher, die Bank entschuldige sich für den Vorfall und dafür, dass sich jemand hätte angegriffen fühlen können. Es sei nie die Absicht gewesen, jemanden zu beleidigen. «Das ist eine total falsche Darstellung des Abends», heisst es im Statement.

Keine Entschuldigung bei Thiam?

Laut dem «Guardian» handelte es sich bei der Nummer mit dem Hauswart um eines von neun oder zehn Stücken, die von Darstellern etwa aus Russland und China aufgeführt worden seien. Weder Rohner noch die Bank seien in die Organisation der Geburtstagsfeier in einem Zürcher Restaurant involviert gewesen. Ein Freund von Thiam sagt der Zeitung, eine persönliche Entschuldigung habe es bei ihm nicht gegeben.

Die Credit Suisse lässt sich zitieren, dass sie mehrere Initiativen gestartet habe, um die Diversität innerhalb der Bank zu erhöhen. Sie setze sich stark für Gleichberechtigung und Vielfalt ein. Im vergangenen Jahr habe sie ihr Engagement zugunsten unterrepräsentierten Gruppen in der Bank erhöht und werde das weiter tun. Als Unternehmen sei die Bank stolz darauf, kulturell und geographisch vielfältig zu sein. Diese Kultur wolle die CS weiter stärken. Insgesamt arbeiten knapp 50'000 Mitarbeiter bei der Grossbank.

Rohner nahm Thiam in Schutz

Zu rassistischen Vorfällen kam es bereits vor der besagten Feier. So wurde Thiams Heimat, die Elfenbeinküste, in den Kommentarspalten des Finanzblogs «Inside Paradeplatz» verunglimpft. Es sei bei der Credit Suisse «höchste Zeit zum Aufräumen, weil die in Schwarzafrika zulässigen Geschäftspraktiken hier nichts zu suchen haben», hiess es dort etwa. Diese Kommentare habe Thiam sehr wohl zur Kenntnis genommen. Auch erhielten die Bank und Thiam E-Mails und Zuschriften mit üblem Inhalt. Im Verwaltungsrat hatte das zu einer Solidarisierung mit ihm geführt.

Dadurch habe sich sogar die geplante Entlassung Thiams verzögert, die der Verwaltungsrat eigentlich früher bekanntgeben wollte, nachdem ein zweites Opfer in der Spitzel-Affäre bekannt wurde. Das berichteten Insider. Verwaltungsratspräsident Urs Rohner dementierte einen Zusammenhang im Interview mit der «Schweiz am Wochenende» im Februar - und verurteilte die rassistischen Angriffe «aufs Schärfste». Sie seien «inakzeptabel».

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