80 Pleiten und eine Moschee-Connection
Es ist ein spezielles Trio. In rund 80 Firmenpleiten in den letzten sechs Jahren findet man ihre Namen. Der eine taucht in rund 40 Pleiten auf, der andere in 25, der dritte in 15.
Die drei sind sogenannte Firmenvernichter oder Firmenbestatter. Sie treten immer dann auf den Plan, wenn jemand seine Firma loswerden will – weil das Unternehmen überschuldet ist oder weil juristische Probleme drohen, etwa wegen Schwarzarbeit oder falscher Rechnungen.
Statt für Forderungen von Lieferanten, Unfallversicherungen oder Pensionskassen geradezustehen, bestellten Firmeninhaber aus der halben Schweiz – von Schaffhausen bis Chiasso, von Kreuzlingen bis Freiburg – einen Vernichter.
Der Ablauf ist immer ähnlich: Der Firmenbestatter trat als Gesellschafter oder Verwaltungsrat in das Unternehmen ein und übernahm auf dem Papier das Kapital. Die bisherigen Inhaber traten aus.
Ein Notar beglaubigte den Vorgang, der nicht selten mit einem Namens- und Kantonswechsel des maroden Unternehmens verbunden war. Parallel dazu werden in der Regel Konten der Firma leergeräumt, Aktiven wie Autos oder Maschinen verschwinden. Der Firmenvernichter reagiert nicht auf Aufforderungen der Behörden. Schlussendlich wird das Konkursverfahren «mangels Aktiven» eingestellt.
Bei dieser Konkursreiterei sind Profis am Werk. Die Firmenvernichter, die nicht viel mehr tun, als gegen eine Entschädigung ihren Namen zu geben, sind Teil eines grösseren Systems. Sie werden von Treuhändern oder Anwälten im Auftrag der Firmenbesitzer eingesetzt. In der Schweiz gibt es – das zeigen Analysen von Daten in den Handelsregistern – eine ganze Reihe solcher Vernichter-Netzwerke. Einige Treuhänder und Berater sind seit Jahren im Geschäft und verdienen offenbar gut. Sie verfeinern laufend die Methoden, um Gesetze zu umgehen. So fällt neuerdings auf, dass die Vernichter das Gesellschaftskapital nicht mehr auf einen Schlag übernehmen, sondern in zwei Tranchen. So umgehen sie das neue Verbot von Mantelhandel.
Im Fall des Vernichter-Trios führt die Spur in den Grossraum Zürich. Dort sitzt ein Treuhänder, der eine zentrale Rolle spielt. Die Firmen landeten, bevor sie vernichtet wurden, in seinem Einflussbereich: an Adressen, die der Schweizer mit Migrationshintergrund kontrolliert. An diesen Adressen wohnten – das sieht man in Einträgen im Handelsregister – auch zwei der drei Firmenvernichter.
Die drei Vernichter, um die es hier geht, haben ausländische Pässe. Der am längsten aktive ist Nordmazedonier, die beiden anderen sind schwedische Staatsangehörige mit Balkan-Hintergrund. Der Nordmazedonier wurde vor Jahren einmal wegen Misswirtschaft verurteilt, ist aber immer noch aktiv. Die beiden Schweden hatten im Handelsregister zwischenzeitlich den Status «unbekannten Aufenthalts». Sie tauchten also ab oder waren jedenfalls für die Behörden nicht auffindbar.
Die meisten der vernichteten Firmen stammten aus dem Bereich Bau und baunahe Handwerksbetriebe: Armierungen, Fassaden, Gerüste, Maler, Gipser, Bodenleger, Haustechnik, Elektro. Dazu kamen Transport und Autobranche, Reinigung und Wäscherei, Gastro, Kiosk, Barber, Beauty und Consulting. Einzelne dieser Unternehmen wurden mit Schwarzarbeit auf dem Bau in Verbindung gebracht.
Firmenpleiten, die sich lohnen
Statt selbst pleite zu gehen, starten manche der Firmenbesitzer so richtig durch. Beispiel: Ein Maler- und Gipserbetrieb im Raum Zürich.
2021 wurde die Firma von einem nordmazedonischen Staatsangehörigen gegründet. Im Mai 2026 übernahm einer der beiden schwedischen Firmenbestatter das Unternehmen, änderte dessen Namen und verlegte den Sitz an die Adresse des Treuhänders in Zürich. Im August 2026 wurde publik, dass die Unfallversicherung Suva und eine Pensionskassenstiftung die Firma betrieben hatten. Es ging um fünfstellige Beträge. Im Oktober 2026 kündigte ein Gericht an, die Gesellschaft aufzulösen und in Konkurs zu schicken.
Der Maler und Gipser, der die Schulden dank dem Vernichter elegant loswurde, gründete schon im März 2026 eine neue Firma mit fast gleichem Namen – diesmal sogar eine AG mit 50'000 Franken einbezahltem Kapital. Plötzlich war also gehörig Bares da. Statt pleite zu gehen, startete der Nordmazedonier durch.
Ein anderes Beispiel: eine Bodenleger-Firma im Raum Zürich. Anfang Jahr wollte ein serbischer Bodenleger seine Gesellschaft mit beschränkter Haftung loswerden. Einer der beiden schwedischen Vernichter übernahm die Stammanteile von 20'000 Franken. Die übernommene Firma ging Monate später in Konkurs, Gläubiger gingen leer aus, Aktiven waren keine mehr da.
Wurden die Aktiven rechtzeitig beiseitegeschafft? Jedenfalls startete auch der Bodenleger geschäftlich durch: Er gründete unverzüglich eine Firma mit ähnlichem Namen – diesmal eine Aktiengesellschaft mit 100'000 Franken Kapital. Der Grossteil der Summe wurde in bar bei der Bank hinterlegt, der Rest kam in Form einer Sacheinlage, unter anderem einem BMW. Der Zuger Anwalt, der den Dreh beglaubigte, ein Schweizer ohne Migrationshintergrund, ist eine notorisch bekannte Figur. Er ist einer der Ermöglicher dieser Art von Geschäften, zu denen auch das Ausstellen von falschen Rechnungen gehört.
Moschee-Connection im Hintergrund
Derselbe schwedische Vernichter übernahm kürzlich von zwei Schweizern mit Balkan-Hintergrund eine Pleite-Gesellschaft im Berner Seeland. Dort tauchte er Anfang Jahr als Bestatter in einer Elektrofirma auf, die inzwischen bereits in Konkurs ist.
Pikant ist: Das Domizil dieser Elektrofirma wurde Anfang Jahr in eine Liegenschaft transferiert, die einem nordmazedonischen Bau- und Immobilienunternehmer in der Region Biel gehört. Dieser Unternehmer ist gleichzeitig Inhaber einer weiteren Liegenschaft in der Region Seeland, in der sich eine albanische Moschee befindet. Mit einer zweiten Moschee in der Region ist der Bau- und Immobilienunternehmer verbunden.
Hier zeichnet sich im Hintergrund eine Moschee-Connection ab. Denn auch der Auftraggeber des schwedischen Vernichters, der Treuhänder aus dem Grossraum Zürich, ist Besitzer einer Liegenschaft, in der sich eine albanische Moschee befindet.
An der Adresse dieser Moschee im Grossraum Zürich waren im Lauf der letzten Jahre zwei der Firmenbestatter domiziliert – und mit ihnen mindestens ein Dutzend der vernichteten Firmen.
Die Struktur, die hier am Werk ist, ist nur eine von mehreren, die in der Schweiz aktiv sind. Das Geschäft blüht. (schweizheute.ch)

