Wirtschaft
Schweiz

Migros und Coop im Vergleich auf 12 Grafiken

Le logo de la Coop et le logo de la Migros sont photographies cote a cote sur un batiment commercial commun ce mardi 23 aout 2016 sur la place de la Sallaz a Lausanne. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)
Coop und Migros – die zwei Detailhandel-Riesen der Schweiz.Bild: KEYSTONE

Die Migros baut um – der grosse Vergleich mit Coop in 12 Grafiken

Die Migros baut sich so radikal um wie nie. Zeit für den grossen Vergleich mit der ewigen Rivalin Coop. Diese hat in vielen der von uns untersuchten Disziplinen die Nase vorn.
29.10.2026, 04:4929.10.2026, 04:49

Es ist der grösste Umbau in der Geschichte der Migros: Die zehn regionalen Genossenschaften und der Migros-Genossenschafts-Bund sollen zu einer einzigen Genossenschaft verschmelzen. Das hat die Migros-Spitze diese Woche angekündigt. Schneller entscheiden, weniger Doppelspurigkeiten, mehr Schlagkraft: So lautet das Versprechen. Das letzte Wort haben die rund 2,3 Millionen Genossenschafterinnen und Genossenschafter. Sie stimmen Mitte 2027 ab, und die Hürden sind hoch: In jeder Region braucht es eine Zweidrittelmehrheit.

Neu ist die Idee nicht: Schon in den 1990er-Jahren wollte die Migros die damals zwölf Regionalgenossenschaften auf drei reduzieren, und sie scheiterte. Die grosse Rivalin hat es dann vorgemacht: Coop legte ihre Regionalgenossenschaften bereits 2001 zusammen. Zeit also für einen genauen Blick auf die Zahlen. Wer macht mehr Umsatz, wer verdient mehr, wer ist günstiger und wer ist beliebter? Wir haben die beiden Detailhandelsriesen in elf Disziplinen verglichen.

Umsatz

2025 setzte Coop 35,5 Milliarden Franken um, die Migros 31,9 Milliarden. Das war nicht immer so: Bis 2010 lag die Migros klar vorne. 2011 übernahm Coop den Grosshändler Transgourmet vollständig und zog mit einem Schlag vorbei. Seit 2021 wird der Abstand grösser. Bei der Migros ging der Umsatz 2025 sogar zurück, auch weil sie Tochterfirmen verkauft hat. Der Vergleich hinkt allerdings etwas: Bei Coop zählt der Grosshandel im Ausland mit. Im Kerngeschäft, den Supermärkten, liegt die Migros laut Geschäftsbericht mit 12,7 gegenüber 12,4 Milliarden Franken knapp vorne.

Marktanteile

Im Lebensmittel-Detailhandel war die Migros jahrzehntelang die klare Nummer 1. 2010 kam sie auf knapp 42 Prozent des Umsatzes in Schweizer Läden, 2025 noch auf 33,5 Prozent. Coop liegt mit 33,7 Prozent erstmals knapp vorne. Gewonnen haben vor allem die Discounter: Lidl hat seinen Anteil seit 2010 von unter 2 auf 8,4 Prozent mehr als vervierfacht, Aldi kommt auf 7,3 Prozent. Denner hat von knapp 8 auf rund 9 Prozent zugelegt. Weil Denner zur Migros gehört, bleibt die Migros-Gruppe mit zusammen 42,6 Prozent die klare Nummer 1.

Gewinn

Coop verdient Jahr für Jahr zuverlässig zwischen rund 400 und 600 Millionen Franken. Bei der Migros geht es auf und ab. 2023 blieben ihr nur rund 175 Millionen übrig, so wenig wie in keinem anderen Jahr seit 2010. Die Ausreisser nach oben 2020 und 2025 sind nicht nur Grund zum Jubeln: Sie stammen aus dem Verkauf von Firmen. 2022, 2023 und 2024 verdiente Coop mehr als die Migros.

Markenfamilie

Zur Migros gehört weit mehr als der Supermarkt: Denner, Digitec Galaxus, die Migros Bank, Migrol oder Medbase. Im Zuge ihres Umbaus hat die Migros aber kräftig aufgeräumt. Hotelplan, Mibelle, Melectronics, SportX, Do it + Garden und Bike World sind verkauft oder geschlossen. Coop ist den umgekehrten Weg gegangen und hat ihr Reich zuletzt stetig ausgebaut: Fust, Interdiscount, Christ, Betty Bossi und zuletzt Jumbo gehören heute dazu. Dazu kommen der Fleischverarbeiter Bell und der Grosshändler Transgourmet.

Bild

Filialen

Coop betreibt 982 Supermärkte, die Migros 659. Beide bauen ihr Netz seit Jahren aus, Coop aber schneller: Seit 2009 kamen bei Coop rund 170 Läden dazu, bei der Migros rund 120. Gezählt sind nur die klassischen Supermärkte, bei der Migros die Formate M, MM und MMM, bei Coop inklusive der grossen Megastores. Coop City und Coop Pronto fehlen ebenso wie Alnatura, teo und die Denner-Filialen der Migros.

Online-Handel

Hier hatte die Migros lange die Nase vorn. Ihr Onlineshop, früher LeShop, setzte 2010 doppelt so viel um wie Coop. Die Pandemie liess 2020 beide Shops in die Höhe schnellen. 2025 hat coop.ch die Migros erstmals überholt: 375 gegen 362 Millionen Franken. Gemessen am Gesamtumsatz bleiben Lebensmittel online aber ein Nischengeschäft. Die grossen Online-Umsätze macht die Migros mit Digitec Galaxus.

Preise

100 Alltagsprodukte, jeweils das günstigste Angebot: Dafür bezahlte man im August 2025 gemäss dem K-Tipp bei Aldi 231 Franken, bei Lidl kaum mehr. Bei der Migros kostete derselbe Einkauf 244 Franken, 5,5 Prozent mehr. Am teuersten war Coop mit 251 Franken, ein Aufschlag von 8,6 Prozent. Wer in einem Jahr bei Aldi für 5000 Franken einkauft, zahlt für denselben Korb bei Coop also rund 430 Franken mehr. Ganz verloren ist der Kampf um die Preise aber nicht: Die Eigenmarken M-Budget und Prix Garantie sind laut K-Tipp inzwischen gleich günstig wie Aldi und Lidl. Der Aufschlag entsteht bei den übrigen Produkten.

Beliebtheit

Die Migros war jahrelang das Unternehmen mit dem besten Ruf der Schweiz: Bis 2021 lag sie im Reputationsranking des NIQ Business Reflector acht Jahre in Folge auf Platz 1. 2022 wurde sie von Victorinox überholt, 2023 holte sie sich die Spitze zurück. Allerdings nur für ein Jahr: 2024 folgte der Fall auf Rang 3, 2025 rutschte die Migros sogar auf Rang 4. Aktuell liegt sie auf Platz 3. Coop bleibt dahinter, holt aber auf: Von Rang 8 im Jahr 2024 hat sie sich auf Rang 5 hochgearbeitet. Den ersten Platz beansprucht Twint aktuell für sich.

Kundschaft

Bei der Migros kauft die ganze Schweiz ein, bei Coop eher, wer mehr verdient. Das zeigte eine Umfrage der Tamedia aus dem Jahr 2023: 41 Prozent nannten die Migros als liebsten Einkaufsort, 28 Prozent Coop. Bei Haushalten mit weniger als 3000 Franken Einkommen im Monat ist der Abstand mit 38 zu 21 Prozent besonders gross. In den obersten Einkommensklassen schrumpft er auf 2 Prozentpunkte. Ähnlich ist es bei der Bildung: Wer nur die obligatorische Schule besucht hat, bevorzugt klar die Migros, mit 37 zu 21 Prozent. Bei Leuten mit Hochschulabschluss liegen die beiden mit 37 und 35 Prozent fast gleichauf.

Mitarbeiter:innen

2018 beschäftigte die Migros mehr als 106'000 Menschen. Seither schrumpft die Belegschaft, zuletzt auch wegen der Firmenverkäufe. 2025 arbeiteten noch 91'689 Personen für die Migros, erstmals deutlich weniger als bei Coop mit 97'275. Das liegt aber vor allem am Grosshändler Transgourmet, der Coop viele Angestellte im Ausland bringt. In der Schweiz ist die Migros mit rund 81'600 Mitarbeitenden weiterhin klar grösser als Coop mit 61'800 und die grösste private Arbeitgeberin des Landes. Und es dürften weniger werden: Laut «SonntagsZeitung» könnten mit dem Umbau rund 3000 Stellen wegfallen.

Lohn

Die Migros sieht sich gerne als soziale Arbeitgeberin, zahlt aber den tiefsten Mindestlohn der grossen Detailhändler: 4200 Franken im Monat, 13-mal im Jahr, bei 41 Wochenstunden. Coop zahlt seit diesem Jahr 4300 Franken. Am grosszügigsten sind die deutschen Discounter: Lidl zahlt 4650 Franken, Aldi 4760 Franken, allerdings bei 42 Wochenstunden. Pro Stunde gerechnet zahlen beide praktisch gleich viel. Denner kommt auf 4500 Franken, allerdings bei 43 Stunden pro Woche.

Internationaler Vergleich

Weltweit sind Migros und Coop kleine Fische, für ein Land von neun Millionen Menschen aber bemerkenswert grosse. In der Rangliste «Global Powers of Retailing» von Deloitte liegt Coop mit 36,8 Milliarden Dollar Detailhandelsumsatz auf Platz 34, die Migros mit 30,7 Milliarden auf Platz 41 (Geschäftsjahr 2023). Zum Vergleich: Die Nummer 1, Walmart, setzt fast 18-mal so viel um wie Coop. Die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland kommt auf fast das Fünffache.

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