Wirtschaft
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Postfinance soll mit Krediten wieder Geld verdienen



ARCHIVBILD --- ZUR HEUTIGEN MELDUNG, DASS DER BUNDESRAT KUENFTIG DER POSTFINANCE ERLAUBEN WILL HYPOTHEKEN UND KREDITE ZU VERGEBEN, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG --- Sicht auf das Logo der Postfinance beim Postparc, am Dienstag, 5. Juni 2018, in Bern. Die Postfinance hat einen Abbau von  500 Stellen bis Ende 2020 bekannt gegeben. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Bild: KEYSTONE

Einst war Postfinance die Milchkuh des Post-Konzerns. Heute werden die Erträge wegen tiefer Zinsen immer kleiner. Mit Hypotheken und Krediten soll Postfinance wieder Geld verdienen. Um an Eigenkapital zu kommen, soll das Unternehmen teilweise privatisiert werden.

Den Grundsatzentscheid hatte der Bundesrat schon im Herbst 2018 gefällt. Am Freitag schickte er nun eine Änderung des Postorganisationsgesetzes in die Vernehmlassung. Damit will er Postfinance ein neues Geschäftsmodell ermöglichen.

Neu soll die Post-Tochter auch Kredite und Hypotheken vergeben dürfen. Das Volumen wird beschränkt auf Kundeneinlagen, die dem Unternehmen wegen des Grundversorgungsauftrags im Zahlungsverkehr zufliessen. Laut Postministerin Simonetta Sommaruga handelt es sich um höchstens 50 Milliarden Franken - 5 Prozent des gesamten Marktvolumens. «Das wird kein grosser Player», sagte sie vor den Bundeshausmedien.

abspielen

Obwohl Postfinance seit 2012 eine Banklizenz besitzt, hatte der Bundesrat das Vordringen in den neuen Markt bisher kategorisch ausgeschlossen. Nun zwingen ihn die Zahlen zum Umdenken: Im Lauf der letzten acht Jahre ist das Betriebsergebnis (Ebit) von 623 Millionen Franken auf 240 Millionen Franken gesunken.

Zu wenig Eigenkapital

«Das ist nicht der Fehler von Postfinance», stellte Sommaruga klar. Das ändert nichts daran, dass Postfinance so weder ausreichend zur Finanzierung der Grundversorgung beitragen noch das Eigenkapital aufbauen kann, welches das Unternehmen als systemrelevante Bank braucht.

Laut Serge Gaillard, Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung, fehlen dafür rund 3 Milliarden Franken. Im aktuellen Zinsumfeld sei es nicht möglich, diesen Betrag zu erwirtschaften, sagte er.

Serge Gaillard, Direktor Eidgenoessische Finanzverwaltung EFV, spricht an der Seite von Bundespraesidentin Simonetta Sommaruga waehrend einer Medienkonferenz des Bundesrates ueber die Vernehmlassung zur Teilrevision des Postorganisationsgesetzes, am Freitag, 5. Juni 2020 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Serge Gaillard Bild: keystone

Doch auch im Kredit und Hypothekargeschäft wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Zahlen wollte Gaillard nicht nennen, weil die Schätzungen vor der Corona-Krise erstellt wurden. Doch immerhin sei die Marge im Hypothekargeschäft «noch deutlich positiv».

Gleichzeitig will der Bundesrat mit den Krediten etwas für die Umwelt tun. Laut Sommaruga kann er der Post als Eigner diesbezüglich Vorschriften machen. Welcher Anteil der Postfinance-Kredite an klimaverträgliche Projekte gehen soll, konnte sie aber noch nicht sagen.

Garantie vom Bund

Zu Eigenkapital soll Postfinance durch eine Teilprivatisierung kommen. Der Bund würde wie bei der Swisscom die Aktienmehrheit behalten. Eine Gesetzesänderung ist dafür nicht nötig. Wann Postfinance-Aktien verkauft werden, hat der Bundesrat vorerst offengelassen.

Bis der Post neues Kapital zufliesst, könnte der Bund in die Bresche springen. Mit der Vernehmlassungsvorlage stellt der Bundesrat eine befristete Kapitalisierungszusicherung zur Diskussion: Um die Eigenkapitalanforderungen zu erfüllen, würde sich der Bund verpflichten, Postfinance im Fall einer drohenden Insolvenz mit Darlehen zu unterstützen.

Keine Alternativen

SP-Bundesrätin Sommaruga ist von der Teilprivatisierung zwar nicht begeistert. Sie verwies jedoch auf die fehlenden Alternativen. Nach ihrer Einschätzung wären weder Abstriche bei der Grundversorgung noch Subventionen politisch mehrheitsfähig. «Es ist nicht die perfekte Lösung, aber es ist eine Option, um die Grundversorgung zu sichern.»

Von der Vernehmlassung erwartet Sommaruga Rückmeldungen zur Vorlage, aber auch zu den Alternativen. 2018 war das erste Echo auf den Vorschlag nicht gut gewesen, die Teilprivatisierung stiess auf breite Ablehnung. Während die einen den Verkauf von Aktien grundsätzlich ablehnten, verlangten andere eine vollständige Privatisierung.

Letzteres ist für den Bundesrat keine Option, ebenso wenig wie die Aufgabe des Service public. Das Loch soll auch nicht mit höheren Gebühren gestopft werden. Stattdessen will der Bundesrat die Rahmenbedingungen verbessern, wie Sommaruga sagte. «Wir brauchen eine zukunftsfähige Lösung.»

Zufriedene Post

Die Post und Postfinance reagierten erfreut auf den Entscheid des Bundesrats. Die Aufhebung des Kredit- und Hypothekarverbots sei «unentbehrlich» und eine «überfällige Gleichbehandlung» mit den übrigen Schweizer Banken, heisst es in einer Mitteilung.

Die Post unterstützt auch den Vorschlag, das Aktionariat der Postfinance zu öffnen, sowie die allfällige Kapitalzusicherung des Bundes. Die Post könne die erhöhten Eigenkapitalvorschriften aus eigener Kraft in absehbarer Zukunft nicht mehr erfüllen. (aeg/sda)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Analyse

3 Hauptargumente der KVI-Gegner auf dem Prüfstand

Der Kampf um die Konzernverantwortungsinitiative (KVI) tobt unerbittlich. Dabei argumentieren die Gegner auch mit Vorwürfen, die sich bei genauerer Betrachtung als falsch herausstellen. Drei Argumente im Prüfstand.

Im Abstimmungskampf zur KVI gehen die Wogen hoch. Ja-Fahnen zieren jeden zweiten innerstädtischen Balkon, die Initianten machten diese Abstimmung zur teuersten aller Zeiten. Auf der anderen Seite werden die Initianten auf Facebook in einer Verleumdungskampagne als «linke Krawallanten» verunglimpft und Ueli Maurer wird «bei der Arroganz, die hinter dieser Initiative steckt, fast schlecht».

So hart die Bandagen in diesem Kampf sind, so knapp wird wohl auch das Ergebnis werden. Momentan liegen …

Artikel lesen
Link zum Artikel