Knall bei VW: Hälfte der Modelle soll gestrichen werden
Bis 2030 will sich die Volkswagen-Group deutlich schlanker, schneller und widerstandsfähiger machen, heisst es in einer entsprechenden Pressemitteilung. Die seit drei Jahren andauernde Neuausrichtung habe funktioniert; der Konzern sei seither besser aufgestellt. Nichtsdestotrotz geht es mit einschneidenden Massnahmen weiter.
Weniger Modelle
So sieht der «Zukunftsplan» etwa vor, dass die Modellpallette der Volkswagen-Gruppe konzentriert und schrittweise um bis zu 50 Prozent gestrafft wird. Die Angebotskomplexität – also beispiel die Anzahl möglicher Ausstattungsoptionen – soll gar um bis zu 75 Prozent reduziert werden.
Dabei soll sich das Angebot nur noch auf die attraktivsten Marktsegmente ausrichten. Mit dem Schritt will der Konzern die Investitionen und Ressourcen auf diejenigen Produkte und Technologien fokussieren, welche für die Kunden den grössten Mehrwert (und für den Konzern den höchsten Wertbeitrag) liefern.
Derweil bietet die Volkswagen-Gruppe weit über 100 verschiedene Fahrzeugmodelle verteilt auf 10 Marken an. Allein VW führt derzeit 26 Modelle.
Neuausrichtung in China
Weiter will der Konzern sich im China-Geschäft grundlegend neu ausrichten. In den vergangenen Jahren habe man die Voraussetzungen dafür geschafft, aus eigener Kraft eine erfolgreiche Zukunft im östlichen Land zu gestalten. So habe der Konzern im ersten Quartal bei Elektrofahrzeugen als Marktführer in China starten können.
Weiter will die Gruppe die «zentralen Technologiefelder Plattformen, Elektronik-Architekturen und Softwarelandschaften» auf die Anforderungen der westlichen und östlichen Hemisphäre (also Chinas) harmonisieren und konzentrieren.
Schlankere Strukturen und weniger Überkapazitäten
Insgesamt wolle man die Strukturen innerhalb des Konzerns verschlanken. Schlankere Führungsstrukturen würden die Entscheidungswege vereinfachen, heisst es in der Mitteilung.
Ziel sei es zudem, konzernweite Synergien stärker zu heben und technologische Parallelstrukturen abzubauen. Entwicklung, Verwaltung und indirekte Bereiche sollen effizienter werden.
Bislang sei VW davon ausgegangen, 12 Millionen Fahrzeuge pro Jahr zu verkaufen. Nun habe man die Kapazitäten an die veränderte und globale Marktlage und den massiv gewachsenen Wettbewerb angepasst und auf 9 Millionen fahrzeuge pro Jahr angepasst.
Kein Wort zu Stellenabbau
Ein Punkt, welcher in der Mitteilung des Konzerns mitnichten erwähnt wird, ist der angeblich geplante massive Stellenabbau und die Schliessung von vier Werken in Deutschland.
Das Manager Magazin hatte Ende Juni unter Berufung auf Insider darüber berichtet, dass die Volkswagen-Group plane, rund 100'000 der derzeit über 600'000 Vollzeitstellen abzubauen. Der Spiegel berichtete zudem am Donnerstag, dass der Konzern vorhabe, bis 2034 schrittweise die Produktion in den Werken Zwickau, Emden, Hannover und Neckarsulm auslaufen zu lassen.
Die Werke sollen anschliessend verkauft werden, etwa an die Rüstungsindustrie, heisst es im Spiegel. Die Investitionen in die Werke würden in Produktionsstätten ausserhalb Deutschlands, etwa in Bratislava oder Györ (Ungarn) fliessen.
