Wirtschaft
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Corona Schweiz: Warum die Flugzeuge aus Brasilien landen sollten

Offen gesagt

«Lieber Herr Mathys, lassen Sie die Brasilien-Flieger kommen ...»

Die Schweiz stoppt die Flüge aus Brasilien nicht, obwohl von dort die antikörper-resistente Virusmutation P1 eingeschleppt werden kann. Warum das der richtige Entscheid ist, reines «Beobachten» aber trotzdem nicht reicht.
01.04.2021, 19:3201.04.2021, 19:32

Lieber Herr Mathys

Sie mussten als Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit beim BAG in den letzten Tagen einigen Unmut über sich ergehen lassen. Der Grund dafür ist die Variante des Coronavirus P1, dessen Entwicklung Sie «sehr aufmerksam beobachten», wie Sie sagen.

Sie grassiert in Brasilien, ist doppelt so ansteckend wie der Wildtyp-Virus, den wir in der zweiten Welle hatten und auch teilresistent gegen Antikörper und Impfungen. P1 ist also so etwas wie die Corona-GAS – die Grösste Anzunehmende Shit-Show, mit der die Pandemie bislang aufwartet.

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P1 ist auch schon in der Schweiz. 13 Infektionen mit dem Virus sind Stand heute nachgewiesen, wohl ein Vielfaches davon ist unentdeckt geblieben. Eine Variante, noch ansteckender als die englische Mutante und ein potentielles Risiko für die Impfkampagne? Da verwundert es nicht, dass eine gewisse Panikstimmung herrscht und Forderungen laut werden, Flügen aus Brasilien die Landeerlaubnis in der Schweiz zu entziehen.

Nun ist Panik immer ein schlechter Ratgeber. Dass sich das Coronavirus letztes Jahr in Europa so rasch ausbreiten konnte, hatte auch damit zu tun, dass Frankreich und Italien in einer Nacht- und Nebel-Aktion Flügen aus China die Landeerlaubnis verweigerten. Die Flugzeuge sind ja nicht zurück nach China geflogen, sondern auf nahegelegene Flughäfen ausgewichen. Die Infizierten sind dann ungescreent und unerkannt auf dem Landweg weitergereist.

Dasselbe würden jetzt auch Reisende aus Brasilien tun, die unbedingt in die Schweiz einreisen wollen. Wie Sie richtig sagen, wäre also ein Landeverbot für Flüge aus Brasilien eher kontraproduktiv, solange es keine europaweite Einreisesperre gibt. Es ist sicher besser, wenn die Leute ohne Umwege hier landen und direkt getestet und quarantänisiert werden können.

Das hingegen müsste man dann auch konsequent tun. Vielleicht erinnern Sie sich an die Zeit um Weihnachten und Neujahr? Da hat das ja bei den englischen Flucht-Alpinisten von Wengen und Verbier schon einmal nicht so gut geklappt. Mit den bekannten Folgen ...

Da es illusorisch ist, auf irgendeine europäische Koordination in der Pandemie-Bekämpfung zu warten, müssten Sie also zwei Dinge sicherstellen lassen. Erstens, dass sämtliche Einreisende aus Brasilien gemäss der Bestimmungen aktiv nachgetestet und in Quarantäne gesteckt werden. Und zweitens, dass viel mehr positive Tests sequenziert werden, um allfällige P1-Herde in der Schweiz so früh wie möglich einzudämmen.

Die Methode der «aufmerksamen Beobachtung» allein, so fürchte ich, wird bei der brasilianischen Mutation genau so wenig ausreichen, wie bei der englischen.

Erholsame Ostern!

Mit freundlichen Grüssen

Maurice Thiriet

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