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Handel mit Papieren von Valeant Pharmaceuticals International, Inc.  bild: screenshot youtube

Flash Boys

Commodore 64 auf LSD – so bunt treiben es die Hochfrequenzhändler auf dem Börsenparkett 



Das Thema Hochfrequenzhandel (HFT) ist brandheiss und beschäftigt seit Monaten die Börsenaufsicht SEC, die Bundespolizei FBI und die New Yorker Staatsanwaltschaft. Aktuell befasst sich sogar der Bundesrat mit dem Thema, er will den ultraschnellen Börsenhandel laut einer Botschaft vom Mittwoch jedoch der Selbstregulierung überlassen. 

Börsentransaktion = 0,000037 Sekunden

Wimpernschlag = 0,350000 Sekunden

Beim sogenannten Hochfrequenzhandel versuchen Finanzfirmen mittels ausgeklügelter Computerprogramme (Algorithmen) und hochmoderner Datennetze, Sekundenbruchteile schneller zu sein als andere Anleger und eine Aktie ein paar Rappen günstiger zu kaufen oder teurer zu verkaufen. Dabei werden Wertpapiere in der Spitze innerhalb von Mikrosekunden (1 Mikrosekunde = 0,000001 Sekunden) ge- und verkauft. Bei Abermillionen Transaktionen lassen sich damit beträchtliche Summen erzielen. 

Eric Scott Hunsader, Gründer des Marktdaten-Anbieters Nanex LLC, hat sich zur Aufgabe gemacht, diese ultraschnellen Transaktionen zu visualisieren. Die Welt bezeichnete Nanex bereits «als die Nemesis der Hochfrequenzhändler an Wall Street».

Visualisierung von Blackberry

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2. Oktober 2013: In der Animation werden 10 Sekunden visualisiert, in denen Blackberry-Orders platziert werden. Die bunten Balken, beispielsweise NSYE, stehen für die jeweiligen Börsenplätze. quelle: youtube

Vor allem Hedgefonds und Investmentbanken setzen auf das ultraschnelle Trading. Gemäss Schätzungen entfallen in den USA 50 Prozent der Aktiengeschäfte auf solche Hochfrequenzhändler. In Europa bewegt sich die Marke bei rund 25 Prozent. Die Zahlen beziehen sich jedoch, wie erwähnt, lediglich auf den Handel mit Aktien (siehe Grafik).

Abnahme des HFT im Aktienmarkt

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quelle: Tabb group

Während der HFT bei den Aktien abnimmt, ist eine rasante Zunahme bei anderen Wertpapieren zu beobachten, namentlich Obligationen und Derivaten und sogar bei Währungen. Wirft man die via HFT gehandelten Wertpapiere und Währungen in einen Topf, so beläuft sich der prozentuale Anteil in den USA auf 70 Prozent – in Europa auf 50 Prozent. Auch in der Schweiz sind die ultraschnellen Börsencomputer im Einsatz. Experten schätzen, dass ein Drittel aller Börsenaufträge über diese Art von Händlern läuft – Tendenz steigend.

Visualisierung von Radio Shack

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3. Oktober 2013: Innerhalb von 5 Sekunden geht Radio Shack durch die Decke. quelle: youtube

Algorithmen

Die Softwareformeln – in der Finanzszene auch kurz Algos genannt – reagieren auf die Daten der elektronischen Märkte. Manche Algos sind so programmiert, dass sie sofort auf die Veröffentlichung der Arbeitsmarktdaten anspringen. Andere filtern ungewöhnliche Kurs- oder Umsatzsprünge heraus. Weil sie binnen Bruchteilen von Sekunden reagieren, können sie vor jedem menschlichen Marktteilnehmer handeln.

Visualisierung von Johnson und Johnson

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Handel mit Johnson & Johnson, einem weltweit tätigen amerikanischen Pharmazie- und Konsumgüterhersteller, visualisiert von Nanex LLC.  quelle: youtube

Revolte an der Wall Street

In seinem Buch «Flash Boys. A Wall Street Revolt» von 2014 untersuchte der amerikanische Publizist und Wirtschaftsjournalist Michael Lewis den Hochfrequenzhandel an US-Börsen. Lewis kommt zum Schluss: «Der amerikanische Börsenmarkt hat sich in eine Zwei-Klassen-Gesellschaft von Armen und Reichen verwandelt, die auf der Geschwindigkeit basiert. Die Reichen zahlen für Nanosekunden, die Armen haben nicht einmal eine Ahnung, dass die Nanosekunde überhaupt einen Wert hat.»

Die Publikation seines Buches schlug hohe Wellen. Im Interview mit dem US-Sender CBS erklärt Lewis, wer vom Hochfrequenzhandel profitiert.

Michael Lewis über Hochfrequenzhandel

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(sza)

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