«Diskret aufgeschaltet»: Röstis Bafu rechnet mit Milliardenkosten für die Schweiz
Ohne Klimaschutz könnte der Klimawandel die Schweiz im Jahr 2060 rund 24 Milliarden Franken pro Jahr kosten. Das zeigt eine neue Studie im Auftrag des Bundesamts für Umwelt (Bafu), welches Bundesrat Albert Rösti (SVP) untersteht.
Doch statt mit einer Medienmitteilung oder Pressekonferenz wurden die Zahlen am 13. Oktober still auf den Websites des Bundes aufgeschaltet. Einzig das SRF berichtete darüber.
Reto Knutti ist Professor am Departement Umweltsystemwissenschaften. Er kritisiert das Vorgehen des Bafu. Die Zahlen kämen so kaum in der öffentlichen Debatte an, so Knutti.
So teuer wird es
Das Schweizer Beratungsunternehmen EBP (ehemals Ernst Basler + Partner) hat im Auftrag des Bundes erstmals berechnet, was ausgewählte Klimarisiken die Schweiz kosten. Untersucht wurden Hitze, Trockenheit, Schneemangel, Starkregen sowie Sturm und Hagel.
Die Studie berechnet für sieben Bereiche, was der Klimawandel die Schweiz 2060 jährlich kostet, jeweils mit und ohne Klimaschutz und Anpassung. Zusammengezählt sind es ohne Klimaschutz und ohne Anpassung rund 24 Milliarden Franken pro Jahr, mit Klimaschutz rund 10 Milliarden.
Am teuersten ist die Hitze: bis zu 9,9 Milliarden für die Kühlung von Gebäuden und bis zu 6,5 Milliarden für Hitzetote. Für Letztere bewertet die Studie jeden Todesfall mit 7,3 Millionen Franken, dem sogenannten Wert eines statistischen Lebens. Es folgen Wintertourismus, Arbeitsleistung, Landwirtschaft und Unwetter.
Anpassungen, wie etwa Gebäude beschatten, Felder bewässern oder Dämme bauen, senken die Rechnung ohne Klimaschutz von 24 auf 13 Milliarden Franken. Im Wintertourismus bleiben trotz Anpassung über 2 Milliarden Schaden pro Jahr.
Politisch «nicht attraktiv»
Knutti vermutet politische Gründe hinter der stillen Veröffentlichung. Nach dem Sommer 2026 mit seinen grossen Klimafolgen sei es nicht attraktiv, eine Studie zu bringen, die sagt: «Das kostet uns einen Heidenhaufen Geld.»
Unterdrückt worden sei die Studie zwar nicht. Aber man habe sie «maximal diskret aufgeschaltet». Angesichts der Höhe der Zahlen und ihrer Tragweite gehörten diese Informationen in die gesellschaftliche und politische Debatte. Aus seiner Sicht hätte der Bund die Studie mit einer Medienmitteilung oder einer Pressekonferenz vorstellen sollen.
Knutti wirft den Autorinnen und Autoren der Studie vor, dass sie schweigen würden. Die Leute von EBP wüssten am besten, worum es gehe, «aber sie sagen nichts dazu».
EBP verweist ans Bafu, das Bafu wehrt sich
Auf Anfrage von watson äussert sich das EBP nicht zum Inhalt. Man habe mit dem Bafu vereinbart, dass alle Medienanfragen über dessen Medienstelle laufen. Die Anfrage wurde weitergeleitet.
Das Bafu weist die Kritik gegenüber watson zurück. Es habe gemeinsam mit dem National Centre for Climate Services (NCCS) auf den eigenen Websites und auf LinkedIn aktiv über die Studie informiert. Zudem werden die Ergebnisse am 29. Oktober am Forum Klima Schweiz einem Publikum vorgestellt.
