Wirtschaft
Schweiz

Roche-Präsident Schwan am WEF 2026: Kritik an der Schweiz

Roche-Präsident übt Kritik: «In der Schweiz dauert es jeweils ewig»

Die Schweiz steckt im Pharma-Trilemma: Sie will den Zugang zu neuen Medikamenten, zu günstigen Preisen und gleichzeitig eine florierende Pharma-Branche.
21.01.2026, 13:5121.01.2026, 13:51
Florence Vuichard / ch media

Roche-Präsident Severin Schwan verliert nicht viel Zeit. Nach einigen lobenden Worten für den Pharmastandort Basel kommt er gleich auf die Gefahren zu sprechen, die für ebendiesen lauern. Er habe Angst, dass sich ausgerechnet die Stärken der Schweiz zu ihren Schwächen entwickeln könnten in dieser sich derzeit dramatisch verändernden Welt. Namentlich die Stabilität und die Beständigkeit.

«Wir müssten schnell reagieren, aber in der Schweiz dauert es ewig, etwas zu ändern.»
epa12663152 Chairman of the Board of Directors of the Roche Group Severin Schwan speaks during a panel session on the global pharmaceutical value chain in the new world order in the House of Switzerla ...
Roche-Präsident Severin Schwan warnt am WEF in Davos vor den Schweizer Schwächen.Bild: keystone

Grossen Handlungsbedarf ortet Schwan selbstredend bei seiner Branche, wie er am Dienstagmorgen bei dem vom Kanton Basel-Stadt organisierten Podium zum hiesigen Life-Sciences-Standort am Rande des WEF klarmacht. Und er lässt dabei keine Zweifel aufkommen: Roche kann den Druck aus den USA nicht ignorieren, zu gross ist der Markt für den Schweizer Pharmakonzern. Die USA und China seien die beiden wichtigsten Märkte für Roche, betonte Schwan. Europa mache «nur» noch rund 18 Prozent des Geschäfts aus.

Wenn also die USA wie auch China ihren Marktzugang mit einer Produktion vor Ort verknüpfen, dann müssen sich die Pharmakonzerne daran halten. Bei der Grundsteinlegung für ein Forschungs- und Entwicklungs-Gebäude in Basel im vergangenen Oktober sprach Schwan von «tektonischen Verschiebungen, die da im Gange sind». Und er liess damals durchblicken, dass Roche angesichts der neuen Rahmenbedingungen künftig wohl kaum mehr so viele Investitionen für den Basler Standort sprechen würde.

Und auch wenn Donald Trump ein Referenzpreissystem einführt, bei welchem die neuen Medikamente in den USA nicht mehr kosten dürfen als im günstigen Vergleichsland, dann hat das unliebsame Folgen für die Schweiz. Denn sie gehört – wenn auch ungewollt – zur Gruppe der von Trump bestimmten Vergleichsländer.

Der Preis in der Schweiz hat Nebenwirkungen

Das könnte bedeuten, dass die Pharmakonzerne in Zukunft ihre neuen Medikamente hierzulande gar nicht mehr lancieren werden, wie die Pharmavertreter seit Monaten warnen. Was nach einer Drohung klingt, beinhaltet durchaus eine reelle Gefahr. Denn kein Unternehmen wird aus seiner betriebswirtschaftlichen Logik ein Medikament zu einem vergleichsweise tiefen Preis auf dem relativ kleinen Schweizer Markt lancieren, wenn es damit indirekt den Preis senkt, den es auf dem grossen und damit lukrativen US-Markt erzielen kann.

Oder anders gesagt: Kein Pharmaunternehmen wird sich durch Schweizer Auflagen und Prämiensorgen sein US-Geschäft vermiesen lassen. Auch einheimische Unternehmen nicht. Helene Budliger, Chefin im Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), spricht deshalb auf dem Podium von einem «Trilemma», bei dem drei widersprüchliche Anliegen zusammengebracht werden müssten: Erstens sollten die Gesundheitskosten bezahlbar bleiben für die Bevölkerung, die heute schon stark unter der steigenden Prämienlast leidet. Zweitens muss laut Budliger der Zugang zu den neusten Medikamenten gesichert bleiben, und drittens sollten die Schweizer Pharmaunternehmen weiterhin gute Geschäfte machen können.

Helene Budliger Artieda, State secretary for economy, informs during a press conference on the new import tariffs into the US, Friday, November 14th, 2025, in Berne, Switzerland. (KEYSTONE/Alessandro  ...
Helene Budliger will das Pharma-Trilemma lösen.Bild: keystone

Schliesslich trägt die Branche viel zum Schweizer Wohlstand bei. Sie zählt rund 90'000 Arbeitsplätze, davon rund ein Drittel im Grossraum Basel, wie der Basler Regierungspräsident Conradin Cramer betonte. Sie ist zudem die grösste Steuerzahlerin im Lande und für fast die Hälfte der Schweizer Exporte verantwortlich und damit «Exportchampion», wie Budliger es ausdrückte.

Eine vom Bund eingesetzte Arbeitsgruppe soll nun das Trilemma lösen. Sie hat ihre Arbeit aufgenommen. Es werde nicht einfach, sagte Budliger. Ende Jahr sollten erste Ergebnisse vorliegen. In der Schweiz dauert eben alles etwas länger.

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