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Inflation in Deutschland zieht wieder etwas an

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Inflation in Deutschland zieht wieder etwas an

12.06.2024, 12:49

Versicherungen verteuern sich innerhalb eines Jahres deutlich. Auch für andere Dienstleistungen müssen die Deutschen mehr zahlen. Das hat Folgen für die Inflation insgesamt.

FILE - Euro banknotes lie on a table in Munich, Germany, on March 30, 2022. Inflation in Europe soared to another record, a fresh sign that rising energy prices fueled by Russia
Die Inflation in Deutschland hat wieder leicht angezogen.Bild: keystone

Angeschoben von gestiegenen Preisen für Dienstleistungen hat die Inflation in Deutschland zum ersten Mal in diesem Jahr wieder etwas an Tempo gewonnen. Die Konsumentenpreise lagen im Mai um 2,4 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats.

Das Statistische Bundesamt bestätigte am Mittwoch vorläufige Daten. Bereits im April war der Rückgang der Inflation bei einer Rate von 2,2 Prozent ins Stocken geraten. Die extrem hohen Teuerungsraten der vergangenen Jahre sind aber Geschichte.

Die Inflationsrate ziehe vor allem wegen der weiterhin steigenden Dienstleistungspreise wieder etwas an, erläuterte Behördenchefin Ruth Brand. «Die Energie- und Nahrungsmittelpreise dämpfen dagegen seit Jahresbeginn die Gesamtteuerung».

Versicherungen deutlich teurer

Dienstleistungen verteuerten sich im Mai gegenüber dem Vorjahresmonat um 3,9 Prozent. Besonders deutlich stiegen die Preise für Versicherungen (13,0 Prozent). Dienstleistungen sozialer Einrichtungen verteuerten sich um 7,7 Prozent, der Gaststättenbesuch um 6,9 Prozent. Hinzu kommt: Im Mai 2023 wurde das Deutschlandticket eingeführt. Der damit verbundene preisdämpfende Effekt fällt seit diesem Mai aus dem Vorjahresvergleich heraus.

Für Nahrungsmittel zahlten Konsumentinnen und Konsumenten 0,6 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Merklich teurer waren Speisefette und Speiseöle (plus 8,4 Prozent, darunter Olivenöl: plus 48,5 Prozent). Billiger wurden hingegen Molkereiprodukte (minus 5,1 Prozent) und frisches Gemüse (minus 3,5 Prozent).

Energieprodukte kosteten im Mai 1,1 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, obwohl seit 1. April für Erdgas und Fernwärme wieder der reguläre Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent gilt. Um die hohen Energiepreise als Folge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine abzufedern, hatte die Politik die Mehrwertsteuer dafür zeitweise auf 7 Prozent gesenkt. Günstiger als ein Jahr zuvor waren im Mai unter anderem Strom (minus 7,4 Prozent) und Erdgas (minus 5,2 Prozent). Deutlich teurer war dagegen vor allem Fernwärme (plus 27,9 Prozent).

Inflation bleibt hartnäckig

«Vor allem die Teuerung von Energie und Nahrungsmitteln lässt in diesem Jahr erheblich nach», erwartet die Deutsche Bundesbank. «Allerdings erweist sich die Inflation als hartnäckig, vor allem bei den Dienstleistungen. Dabei spielen die kräftig steigenden Löhne und der davon ausgehende Kostendruck eine wichtige Rolle», schrieb die Notenbank in ihrer jüngsten Konjunkturprognose.

Gegenüber dem Vormonat April stiegen die Konsumentenpreise im Mai um 0,1 Prozent. Auch hier bestätigten die Statistiker vorläufige Daten.

Im Jahresschnitt erwarten führende Wirtschaftsforschungsinstitute eine deutliche Abschwächung der Inflation in Europas grösster Volkswirtschaft auf 2,3 Prozent nach noch 5,9 Prozent im vergangenen Jahr. Höhere Teuerungsraten schwächen die Kaufkraft von Konsumentinnen und Konsumenten.

Erste EZB-Zinssenkung seit Inflationswelle

Die Europäische Zentralbank (EZB) vollzog in der vergangenen Woche die erste Zinssenkung seit der starken Inflationswelle im Währungsraum und senkte die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte. EZB-Präsidentin Christine Lagarde dämpfte zugleich aber die Erwartung an weitere Zinsschritte. «Wir erklären den Kampf noch nicht für gewonnen», sagte sie jüngst in einem Interview.

Die EZB strebt für den Euroraum mittelfristig Preisstabilität bei einer jährlichen Inflationsrate von zwei Prozent an. Zuletzt hatte die Teuerung im gemeinsamen Währungsraum wieder etwas an Tempo gewonnen. Im Mai stiegen die Konsumentenpreise zum Vorjahresmonat um 2,6 Prozent nach 2,4 Prozent im April. (saw/sda/awp/dpa)

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