Wissen
Digital

Rekuperation bei Elektro-Autos: Deshalb ist die Technologie so wichtig

Der Strassenverkehr auf dem Gotthardpass in der Schneelandschaft nach der Oeffnung der Gotthard Passstrasse von der Wintersperre zwischen Hospental und dem Gotthard Pass, am Freitag, 16. Mai 2025, bei ...
Nicht nur Passstrassen sind ideal, um beim Fahren Strom zurückzugewinnen.Bild: keystone

Rekuperation bei E-Autos: Was das ist und was sie wirklich bringt

Besitzer von Hybrid-Fahrzeugen oder reinen Elektroautos wissen: Einen besonders grossen Einfluss auf die Reichweite hat die Zurückgewinnung der Ladeenergie dort, wo oft gebremst werden muss. Hier erfährst du, was das im Alltag konkret bedeutet.
15.03.2026, 21:4915.03.2026, 21:49
Christopher Clausen / t-online
Ein Artikel von
t-online

Der Begriff «Rekuperation» kommt aus dem Lateinischen und heisst übersetzt Wiedererlangung. Bei E-Autos ist diese Funktion ein mehr der weniger wichtiger Faktor, um die Reichweite des Fahrzeugs zu erhöhen.

Hier erfährst du alles Wissenswerte.

Was ist Rekuperation bei Elektroautos?

Im Kern handelt es sich um regeneratives Bremsen, bei dem Elektro- und Hybridautos Bewegungsenergie wieder in elektrische Energie wandeln. Anders als bei herkömmlichen Autos mit reinem Verbrennungsmotor, die einen Grossteil der kinetischen Energie über die konventionelle Reibungsbremse in Form von Wärme ungenutzt an die Umwelt abgeben, können E-Autos und Hybride dadurch wieder Fahrstrom erzeugen.

Wie funktioniert es?

Einen besonders grossen Einfluss auf die Reichweite hat die Rekuperation dort, wo oft gebremst werden muss. Also etwa auf Strecken mit Gefälle oder im Stadtverkehr mit häufig wechselnden Geschwindigkeiten.

Das Antriebsaggregat hört dabei auf, die Räder anzutreiben. Stattdessen übertragen diese die Bewegungsenergie über den Antriebsstrang zum Elektromotor, der ähnlich wie der Dynamo eines Velos funktioniert:

  • Der Elektromotor bremst das Auto, indem er Bewegungsenergie aufnimmt und in elektrischen Strom umwandelt.
  • Die bei diesem Prozess zurückgewonnene kinetische Energie wird in die Hochvolt-Traktionsbatterie eingespeist.
  • Beim Anfahren und Beschleunigen kann sie dann aus dem Akku wieder in den E-Motor fliessen, der das Fahrzeug antreibt.
«One-Pedal-Driving» schont die Bremsen
Speziell bei E-Autos erlaubt das Prinzip der Rekuperation auch sogenanntes One-Pedal-Driving, bei dem der rechte Fuss vornehmlich bis ausschliesslich über das Gaspedal die Geschwindigkeit regelt.

In diesem bei einigen E-Fahrzeugen per Knopfdruck aktivierbaren Fahrmodus wird das Bremspedal nur noch selten genutzt, was sich übrigens auch positiv auf den Bremsenverschleiss auswirkt und ausserdem weniger umweltschädlichen Feinstaub erzeugt.
infobox image
Screenshot: YouTube

Was bringt Rekuperation konkret?

Hybridfahrzeuge brauchen deshalb bis zu 20 Prozent weniger Sprit, Elektrofahrzeuge können ihre Reichweiten erhöhen. Für Stromer mit mittelgrosser Batterie (50 bis 60 kWh) kann das Reichweitenplus durch Rekuperation 50 bis 100 Kilometer ausmachen. «Der Wirkungsgrad ist grundsätzlich recht hoch, ein Fahrzeug kann einen Grossteil der Bewegungsenergie wiederverwenden», heisst es von der Dekra, einem neben dem TÜV wichtigsten Akteure im Bereich technischer Sicherheitsprüfungen in Deutschland und weiteren Ländern.

Das Bremspotenzial des Elektromotors hängt dabei von seiner Grösse, der Fahrgeschwindigkeit beziehungsweise der Drehzahl ab. Bei niedriger Drehzahl sind das Bremsmoment und die Energierückgewinnung am grössten.

Auf der Autobahn zwischendurch mal bremsen – bringt das was?

Freie Autobahn: Einen besonders grossen Einfluss auf die Reichweite hat die Rekuperation bei Elektroautos dort, wo gebremst werden muss.
Einen besonders grossen Einfluss auf die Reichweite hat die Rekuperation dort, wo tatsächlich gebremst werden muss.Bild: imago-images.de

Bei konstanter Fahrt, etwa auf der Autobahn oder der Landstrasse, erfolgt keine Rekuperation. Es bringt nach Ansicht der Sachverständigen auch nichts, auf einer langen Fahrt zwischendurch zu bremsen und wieder zu beschleunigen, um auf diese Weise mal zwischendurch ein wenig zu rekuperieren.

Begründung: Das Zurückspeisen und Abrufen der elektrischen Energie unterliege einem gewissen Wirkungsgrad und führe dazu, dass am Ende weniger Energie zur Verfügung steht, als wenn man mit konstanter Geschwindigkeit weitergefahren wäre.

Wie spart man beim Fahren Strom?

Wer auf einer langen Autobahnfahrt energieeffizient fahren will, sollte nach Ansicht der Dekra-Experten mit dem Tempo runtergehen. Dadurch sinkt gleichzeitig auch der mit der Geschwindigkeit quadratisch ansteigende Luftwiderstand.

Soll heissen: Bei doppelter Geschwindigkeit erhöht sich der Energieverbrauch um rund das Vierfache. Ist der Luftwiderstand also geringer, wird auch weniger Energie benötigt.

Quellen

  • Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa-tmn und SP-X

Das Erklärvideo zum Thema:

(dsc/t-online)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Beliebteste E-Autos in der Schweiz
1 / 3
Beliebteste E-Autos in der Schweiz

Das sind die beliebtesten E-Autos in der Schweiz im Januar.

Auf Facebook teilenAuf X teilen
Zwischen der Autobahn wohnen...
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
130 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
versy
16.03.2026 00:17registriert Januar 2017
"Auf der Autobahn zwischendurch mal bremsen – bringt das was?"

WTF: Was ist das für eine Frage?
Nein natürlich nicht, die Geschwindigkeit sollte möglichst gleichmässig sein und was dann danach auch gleich geschrieben wird: 110 anstatt 130 verbessert die Effizienz enorm.
Zudem: Gerade im Pendel/Stadtverkehr würde es auch helfen nach vorn zu schauen und allfällige Bremser schon zu antizipieren.
Es bringt nichts vor einer Ampel zu rekuperieren, wenn man sich die Beschleunigung davor hätte sparen können. Das gleiche gilt für die notorischen "ich rase auf die Kreisel zu und bremse" Fahrer.
890
Melden
Zum Kommentar
avatar
beelzebub
16.03.2026 02:22registriert April 2024
Ich liebe das One-Pedal-Drive beim Nissan Leaf. Inzwischen bin ich soweit dass ich bewusst zwischendurch mit dem Bremspedal bremse damit die Bremsscheiben nicht zuviel Rost ansetzen. Ansonsten, mit vorausschauender Fahrweise und ohne unvorhergesehene Bremsungen, brauche ich die Bremse nicht mehr. Der Leaf bremst bis zum Stillstand, auch bei Gefälle.
600
Melden
Zum Kommentar
avatar
tops
16.03.2026 00:38registriert Juni 2018
Unseres kam nur One Pedal Drive und wir möchten es nicht mehr missen. Mit etwas vorausschauend fahren braucht man die Bremse eigentlich fast nur noch wenn einem jemand vors Auto latscht.
381
Melden
Zum Kommentar
130
Stotterfrosch ist bedroht: Nun stellt Weibchen von seltener Art einen Rekord auf
Bekannt ist der Stotterfrosch für seine kurzen, abgehackten Rufe. Eine weltweite Krankheit setzt ihm zu – aber ein Weibchen bereitet Forschern Hoffnung.
Pünktlich zum Welttag des Frosches meldet die australische Tierschutzorganisation Aussie Ark einen bemerkenswerten Zuchterfolg: Ein Weibchen des stark gefährdeten Südlichen Stotterfrosches (Mixophyes australis) hat in den vergangenen sechs Monaten gleich viermal gelaicht – ein bislang beispielloser Zuchterfolg.
Zur Story