DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Künstlerische Darstellung von sogenannten «Zauberpilzen». bild shutterstock

Ärzte wollen Depressionen mit Zauberpilzen behandeln

Obwohl es heute zahlreiche moderne Therapien bei Depressionen gibt, kann noch immer nicht allen Patienten geholfen werden. Einem Medienbericht zufolge wollen deutsche Mediziner nun eine Behandlung erproben, die auf die psychedelische Wirkung Zauberpilzen setzt.

Nicole Sagener / t-online



Ein Artikel von

T-Online

Depressionen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Zwar gibt es heute eine Reihe von Behandlungsmöglichkeiten. Doch nicht bei allen Patienten schlagen eine Psychotherapie , Medikamente gegen Depression  und andere Therapieformen ausreichend an. 

Deutsche Ärzte wollen nun eine völlig neue Behandlungsform an jenen psychisch kranken Patienten testen, bei denen keine der herkömmlichen Therapien hilft. Das Besondere daran: Dabei sollen bewusstseinsverändernde Substanzen eingesetzt werden. Wie das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» berichtet, sollen am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) Mannheim und an der Charité Berlin 144 Probanden mit einer therapieresistenten Depression das Halluzinogen Psilocybin einnehmen. 

Psychedelischer Trip wird von Ärzten begleitet

Diese Substanz wird von sogenannten Zauberpilzen, auch als «Magic Mushrooms» bekannt, gebildet. Wegen ihrer Wirkung sind diese Pilze heute in den meisten Ländern verboten. Die Herstellung von Psilocybin ist illegal und der Besitz strafbar.

Bei den Patienten, an denen Psilocybin nun im Rahmen der neuen Studie getestet werden soll, ist ein psychedelischer, also bewusstseinsverändernder Trip vorgesehen, der rund sechs Stunden dauern soll. Begleitet werden sie während dieser Zeit von Psychotherapeuten, die im Fall von Angstzuständen eingreifen können. Die Psychiater erhoffen sich, dass die Erfahrungen, Erlebnisse und Einsichten unter Psilocybin-Einfluss den Betroffenen helfen, ihre Depression zu überwinden.

Chronologie der Schweizer Drogenpolitik

1 / 31
Chronologie der Schweizer Drogenpolitik (17.8.2016)
quelle: keystone / michele limina
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Forscher brauchen Genehmigung für Psilocybin 

Der Test wird der erste seiner Art in Deutschland sein. Psilocybin unterliegt dem Betäubungsmittelgesetz. Besitz und Erwerb des Wirkstoffs sind, ebenso wie bei der ähnlich wirkenden synthetischen Droge LSD, verboten. Auch in der Forschung dürfen Versuche mit der halluzinogenen Substanz nur mit einer Ausnahmegenehmigung durchgeführt werden.

Noch liegt diese Genehmigung den an der geplanten Studie beteiligten Wissenschaftlern nicht vor. Studienleiter Gerhard Gründer vom ZI Mannheim sei aber zuversichtlich, die Zulassung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bis zum Sommer zu erhalten, so der «Der Spiegel».

Psilocybin und LSD gelten nicht als abhängig machend. Auch toxische Wirkungen sind nicht bekannt. Da ein psychedelischer Trip jedoch Panikattacken oder sogar nachhaltige Psychosen auslösen kann, wird die Behandlung der Patienten in Mannheim und Berlin psychotherapeutisch beaufsichtigt. Psychose -gefährdete Menschen sollen von der Studie ausgeschlossen sein. 

Das Auf und Ab in der Forschung mit Psychedelika

Dass Pilze aus der Gattung der Psilocybe eine das Bewusstsein verändernde Wirkung haben, ist der breiten Öffentlichkeit seit Ende der Fünfziger Jahre bekannt. In manchen Kulturen nutzen Schamanen und Medizinmänner die Pilze schon seit Langem. Nachdem der Schweizer Chemiker Albert Hofmann, der Entdecker von LSD, die für den Rausch verantwortliche Substanz Psilocybin isolieren konnte, wurde die Wirkung von LSD bis in die Sechzigerjahre intensiv erforscht.

Im Jahr 1966 wurde die Droge in den USA verboten, 1971 auch in Deutschland. Damit endete vorerst auch die Forschung mit dem Wirkstoff. Seit einigen Jahren nimmt das wissenschaftliche Interesse daran aber wieder zu – mit ersten Hinweisen auf positive Effekte auf Patienten mit psychischen Krankheiten.

Andere Studien liefern Hinweise auf Nutzen von Psilocybin 

So konnten vor wenigen Jahren in einer kleinen offenen Studie mithilfe von Psilocybin die Depressionen von Patienten gelindert werden, bei denen die vorherige Therapie mit anderen konventionellen Medikamenten erfolglos geblieben war.  Die Ergebnisse der Untersuchung, die in Grossbritannien am Imperial College London durchgeführt wurde, wurden 2016 im Fachmagazin «Lancet Psychiatry» veröffentlicht.  

Wichtiger Hinweis

Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

Derzeit werden Psychedelika in der Schweiz, in England und den USA unter anderem als Mittel zur Linderung von Todesangst, zur Überwindung von Alkoholsucht und zur Behandlung von Depressiven erprobt. Wegen der weniger lang anhaltenden Wirkung nutzen die Ärzte dabei meist Psilocybin statt LSD. 

Verwendete Quellen:

10 interessante Fakten rund um Magic Mushrooms – kennst du sie? Spiel das Quiz!

Quiz
1.Halluzinogene Pilze werden seit langer Zeit verwendet, um psychedelische Erfahrungen zu machen. Aber wann und wo wurden vermutlich die ersten Zauberpilze konsumiert?
Pilz Magic Mushroom
Shutterstock
Die alten Griechen berauschten sich als erste mit den Zauberpilzen. Herodot, der «Vater der Geschichtsschreibung» berichtete das erste Mal vom Konsum von halluzinogenen Pilzen.
Die Sahara war der Geburtsort der Zauberpilze. Mitglieder der Capsien-Kultur (9000 bis 7000 vor Christus) im heutigen Algerien machten im Rahmen von schamanischen Ritualen als erste Erfahrungen mit Psilocybin-haltigen Pilzen.
Wie so oft vollbrachten die alten Ägypter die Pionierleistung: Für die Ägypter waren die Zauberpilze ein Mittel, um mit den Göttern in Kontakt zu treten.
Unglaublich, aber wahr: Offenbar war der Konsum von Magic Mushrooms bei den Jüngern Jesus verbreitet.
2.Welche andere halluzinogene Droge ähnelt der Wirkung von Zauberpilzen?
Bild zur Frage
LSD
Ecstasy (MDMA)
Ketamin
Meskalin
3.Drogen-Papst und LSD-Guru Timothy Leary führte in den 60er-Jahren eine Reihe von wissenschaftlichen Experimenten mit Magic Mushrooms durch. Einer dieser Versuche fand in einer eher ungewöhnlichen Umgebung statt. Wo?
Timothy Leary, the former LSD experimentor turned computerized hallucination designer, is photographed in his Beverly Hills, Ca., home in July 1992 with video images from his show projected over him. (KEYSTONE/AP Photo/Mark Terrill)
AP NY
In einer Kirche.
Im Grand Canyon.
In einer Gefängniszelle.
In der Redaktion der Studentenzeitung «The Harvard Crimson».
4.In den 70er Jahren wollten die Vereinten Nationen Drogen-Eskapaden wie in den 60ern nicht mehr dulden. 1971 wurde eine UN-Konvention zu psychotropischen Substanzen verabschiedet. Darin wird auch Psilocybin aufgeführt. Welche der folgenden Drogen ist hingegen NICHT dabei?
Bild zur Frage
Marihuana
Metamphetamin
Ketamin
Pentobarbital
5.In einer Szene der Hollywood-Komödie Knocked Up (2007) konsumieren Ben (Seth Rogen) und Pete (Paul Rudd) in Las Vegas Magic Mushrooms. Vor ihnen tanzt ein Mann mit muskulösem Oberkörper, der etwas pummelige Ben meint zu Pete, wenn er Brust und Bauch rasieren würde, würde er genau gleich aussehen. Wo befinden sich die beiden?
Bild zur Frage
shutterstock
In einem Striplokal für Frauen.
Bei einem Werbeevent für Brazilian-Wax-Produkte.
In der Umkleidekabine des Football-Teams «Las Vegas Outlaws».
In einer Show des «Cirque du Soleil».
6.The Magic Mushrooms waren eine Band, die in den 60ern von fünf Studenten der University of Pennsylvania gegründet wurde. Für welche Art von Musik standen sie?
Bild zur Frage
Pah, natürlich Psychedelic Garage Rock allererster Güte!
Oha, Fangfrage! Ich tippe kontraintuitiv auf eine A-Capella-Band!
Die «Shrooms» waren so retro-avantgardistisch, dass sie statt Hippie-Rock Kammerorchester-Musik machten.
Die Band erlangte Berühmtheit, ohne je einen einzigen Ton zusammen gespielt zu haben. Bei ihrer ersten Probe mampften die fünf Jungs so viele Pilze, dass sie fürchterliche Horrortrips hatten und der Musik (und den Drogen) fortan für immer abschworen. Ihre Erfahrung verarbeiteten sie autobiografisch im Buch: «How to get away from it all.»
7.Ok, jetzt kommt eine Frage für den Hobby-Chemiker in dir. Welches chemische Struktur hat Psilocybin? Kleiner Hinweis: Der chemische Name lautet N-[3-(Dimethylaminomethyl)indol]-4-phosphoryloxysäure. Alles klar?
Heroin
Psilocybin
THC
DMT
8.Magic Mushrooms werden in den verschiedenen Weltgegenden unterschiedlich bezeichnet. Einer der folgenden Namen existiert aber nicht. Errätst du welcher?
Bild zur Frage
«Narrische Schwammerl» (Österreich)
«Puntig Kaalkopje» (Niederlande)
«Magiska Svampar» (Schweden)
«Champignon fou» (Frankreich)
9.Wie heisst der erste Schweizer Langspielfilm in 3D, in dem 5 Jugendliche in den Jura fahren wollen, um Zauberpilze zu essen, dann aber ein furchtbares Grauen erleben?
Bild zur Frage
«One Way Trip»
«So High»
«Grasgeflüster»
«Lammbock - Alles in Handarbeit»
10.Der Blauende Kahlkopf (Psilocybe cyanescens) ist ein Zauberpilz, der sich in den letzten 15 Jahren stark ausgebreitet hat. Welche der folgenden Eigenschaften trifft auf ihn zu?
Bild zur Frage
Trichterförmiger Fruchtkörper
Verfärbt sich bei Druck blau
Riecht fruchtig nach Himbeere
Hat keine Lamellen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Highweh – der Leidensweg eines Junkies

1 / 13
Highweh – der Leidensweg eines Junkies
quelle: marlo limacher
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

«Ich liebe Drogen» – Gimma und Nico im Zoo

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

In Deutschland waren die Flüchtlinge nicht mal willkommen, als es Deutsche waren

Wer glaubt, für Fremdenfeindlichkeit brauche es Menschen aus fremden Ländern, irrt. Nach dem verlorenen Krieg drängten sich Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten in Rest-Deutschland. Heute gilt ihre Aufnahme als vorbildlich – doch in Wahrheit schlugen ihnen damals Hass und Verachtung entgegen und der offen ausgesprochene Gedanke, nicht nach Westdeutschland, sondern nach Auschwitz zu gehören.

Der Volkszorn kocht, und der Redner weiss genau, was die Leute hören wollen: «Die Flücht­lin­ge müs­sen hin­aus­ge­wor­fen wer­den, und die Bau­ern müs­sen da­bei tat­kräf­tig mit­hel­fen», ruft Jakob Fischbacher*. Der Kreisdirektor des bayerischen Bauernverbandes giesst kräftig Öl ins Feuer und nimmt sogar das Nazi-Wort «Blutschande» in den Mund.

Was hier nach Sachsen im Jahr 2016 klingt, ist Bayern im Jahr 1947. Und die Flüchtlinge, die Fischbacher hinauswerfen will, kommen nicht aus Syrien …

Artikel lesen
Link zum Artikel