Wissen
Food

Intervallfasten: Das sagt die Wissenschaft über den Gesundheitshype

Intervallfasten – also Essen nach Zeitplan – liegt im Trend. Aber wie sinnvoll ist das wirklich?
Intervallfasten – also Essen nach Zeitplan – liegt im Trend. Aber wie sinnvoll ist das wirklich?Bild: Shutterstock

Doch nicht so gesund wie gedacht: Studie hinterfragt Intervallfasten

Viele Menschen praktizieren Intervallfasten und essen nur in einem engen Zeitfenster. Eine neue Studie deutet nun erstmals darauf hin, dass der Trend nicht ohne Risiken sein könnte.
01.09.2025, 17:1801.09.2025, 18:14

Fasten begleitet die Menschheit seit Jahrtausenden. Die frühsten belegten Praktiken gehen auf die alten Ägypter zurück, wo die Menschen aus rituellen Gründen auf Nahrung verzichteten. Später sollen auch griechische Philosophen wie Pythagoras und Platon gefastet haben, um ihre Sinne zu schärfen. Noch immer sind Fastentraditionen in allen Weltreligionen verbreitet.

Doch heute wird Fasten längst nicht mehr nur aus religiösen oder spirituellen Zwecken praktiziert, sondern – Überraschung – zur Selbstoptimierung.

Besonders beliebt: Intervallfasten, intermittierendes Fasten. Dabei gibt es verschiedene Methoden, die meistverbreitete ist das 16:8-Prinzip. Heisst: Während 8 Stunden darf gegessen werden, in den verbleibenden 16 Stunden wird auf Nahrung verzichtet – erlaubt sind nur Wasser, ungesüsste Tees und schwarzer Kaffee.

Nicht nur Stars wie Jennifer Lopez und Miranda Kerr, sondern auch Tech-Mogule wie Jack Dorsey und Bryan Johnson, der sein Leben mit radikalen Routinen verlängern will, schwören auf Intervallfasten.

Denn Intervallfasten verspricht vieles: Es soll beim Abnehmen helfen, den Stoffwechsel ankurbeln, den Blutdruck senken, die Zellen gesund halten und sogar das Leben verlängern.

Forschung steckt noch in den Kinderschuhen

Für diese Vorteile gibt es wissenschaftliche Evidenz aus Experimenten an Mäusen, Ratten und Rhesusaffen. Humanstudien gibt es aber nur sehr wenige.

Ernährungswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler warnen aber schon lange davor, dass das Auslassen von Mahlzeiten kein Allheilmittel ist – und für Menschen mit Vorerkrankungen riskant sein kann.

Eine neue, grossangelegte Studie liefert erstmals Grund zur Vorsicht. Die Ergebnisse der Untersuchung basierend auf den Daten von über 20'000 Teilnehmenden zeigen: Wer seine Mahlzeiten auf 8 Stunden pro Tag beschränkt, hat ein um 135 Prozent höheres Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben. Für die Gesamtsterblichkeit oder das Risiko, an Krebs zu sterben, wurde kein Zusammenhang festgestellt. Die Untersuchung erstreckte sich über einen Zeitraum von 8 Jahren.

Das Risiko war über alle sozialen und wirtschaftlichen Gruppen hinweg ähnlich hoch. Noch gefährdeter sind Rauchende sowie Menschen mit Diabetes und bestehenden Herzerkrankungen.

Die Untersuchung fand beobachtend statt, eine Kausalität kann also nicht nachgewiesen werden. Unklar ist demnach, ob das verkürzte Zeitfenster einen direkten Einfluss auf das erhöhte Risiko hat oder ob andere Faktoren auch eine Rolle spielen. Die Autorinnen und Autoren der Studie betonen jedoch, dass ihre Ergebnisse die Annahme widerlege, Fasten sei per se ein risikofreier Weg zur Gesundheitsoptimierung.

Bis die Wissenschaft mehr Klarheit liefert, ist es wohl am besten, sich mehr auf den Teller als auf die Uhr zu konzentrieren.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Fleisch oder Fruchtfleisch? Erkennst du dein Essen in der Nahaufnahme?
1 / 40
Fleisch oder Fruchtfleisch? Erkennst du dein Essen in der Nahaufnahme?
Mmmh ... Steak ...
quelle: shutterstock / shutterstock
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Einen Monat nur das essen, was man in der Natur findet – der Selbstversuch von Lucas
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Hubble zeigt eine ganz besondere Galaxie
Die Galaxie NGC 4698 ist nicht wie andere: Sie hat einen Kern, der sich senkrecht zum Rest der Scheibe dreht.
Auf den ersten Blick scheint NGC 4698 eine Spiralgalaxie zu sein, wie es sie im Universum in grosser Zahl gibt. Das Hubble-Weltraumteleskop hat das Objekt aus einem unverfänglichen Blickwinkel eingefangen: ein heller Kern, weit aussen Spiralarme, ein sanftes Leuchten. Doch der Schein trügt. Diese Galaxie birgt ein Geheimnis, das Astronomen schon seit Jahren beschäftigt und das mit dieser neuen Aufnahme erneut ins Rampenlicht rückt.
Zur Story