Wissen
Forschung

So tricksen die Kleinen: Flexible Körpergrösse macht tierische Zuwanderer erfolgreich

1 / 22
Invasive Tierarten
Der nordamerikanische Waschbär (Procyon lotor) wurde 1934 in Deutschland ausgesetzt. 1976 erreichte der Kleinbär die Schweiz.
quelle: wikipedia
Auf Facebook teilenAuf X teilen

So tricksen die Kleinen: Flexible Körpergrösse macht tierische Zuwanderer erfolgreich

09.04.2015, 16:4709.04.2015, 17:48

Flexibilität zahlt sich für tierische Zuwanderer aus: Arten, bei denen sich die Individuen in ihrer Körpergrösse stark unterscheiden, besiedeln neue Lebensräume leichter als weniger variable Arten. Dies zeigt eine internationale Studie mit Schweizer Beteiligung auf.

Eingewanderte Arten können enorme Schäden anrichten. Kaninchen, die mit den ersten Siedlern nach Australien gelangten, verwüsten dort regelmässig riesige Ackerflächen, wie die Universität Freiburg am Dienstag mitteilte. In Europa richten rund 13'000 invasive Arten Schäden von schätzungsweise 12 Milliarden Euro jährlich an.

Rund 800 gebietsfremde Arten in der Schweiz

In der Schweiz gibt es etwa 800 gebietsfremde Arten, die vielerorts die einheimische Flora und Fauna verdrängen. Welche Merkmale besonders erfolgreiche Immigranten auszeichnen, ist Wissenschaftlern nach wie vor ein Rätsel. Sie haben vorwiegend nach durchschnittlichen Werten, etwa bei Körpergrösse oder Fruchtbarkeit, gesucht.

Die neue Studie legt nun nahe: Je variabler die Körpergrösse innerhalb einer Art ist, desto erfolgreicher besiedelt sie neue Lebensräume. Dies schliesst das Team um Sven Bacher von der Universität Freiburg aus der Analyse von 511 Einwanderungsfällen durch 97 Säugetierarten.

Tier

Bessere Überlebenschancen

Je grösser die Variation in der Körpergrösse ist, desto besser sind offenbar die Überlebenschancen, wenn die Tiere einer neuen Umgebung ausgesetzt sind, berichten die Forscher nun in der Fachzeitschrift «American Naturalist». Vor allem die Variation zwischen erwachsenen Tieren spielt eine Rolle, nicht jene von Jungtieren. Dies ist zum Beispiel beim Kaninchen und beim Feldhasen der Fall.

Die Erkenntnisse könnten helfen, Invasionen besser vorherzusagen oder gar zu verhindern, hoffen nun die Forschenden. Sie empfehlen, Kontrollmassnahmen für besonders variable Arten einzuführen.

An der Studie waren neben der Universität Freiburg auch das Institut Estación Biológica de Doñana (Spanien), die Technische Universität München, die Freie Universität Berlin sowie das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) beteiligt. (sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Warum Krankheit immer eine politische Erzählung ist
Bei Papst Leo XIV. wird Verletzlichkeit als Stärke gedeutet, während Donald Trump seine Fitness betont. Der Vergleich zeigt, wie unterschiedlich Krankheit bewertet wird.
«Krankheit ist keine Metapher», schrieb die Kulturkritikerin Susan Sontag 1978. Sie wandte sich nicht gegen die Berichterstattung über Krankheiten, sondern gegen die Erzählungen, die darin mitschwingen: Krebs als Kampf, der Kranke als Kämpfer, die Genesung als heroischer Sieg. Sontag hat recht: Diese Rhetorik macht aus einer medizinischen Tatsache eine moralische Prüfung. Wer gesund wird, hat gesiegt; wer es nicht schafft, droht als jemand zu erscheinen, der verloren hat.
Zur Story