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Epidemie

Brasilien: Mit Gentech-Mücken und Vierfach-Impfung gegen das Denguefieber

In Brasilien erkranken mehr Menschen an Denguefieber als irgendwo sonst auf der Welt. Brasilianische Forscher ziehen nun mit im Labor veränderten Mücken und einer neuen Kombinationsimpfung gegen die Krankheit in den Kampf.



Zwei Wochen vor Anpfiff der Fussball-Weltmeisterschaft grassierte in Campinas, dem WM-Stützpunkt Portugals, das Denguefieber: Dort wurden im laufenden Jahr über 32'000 Infektionen und mindestens drei Todesfälle verzeichnet. In ganz Brasilien erkrankten im Jahr 2013 über 1,4 Millionen Menschen.

Mitte Mai warnten Wissenschaftler sogar vor einer Dengue-Epidemie während der Fussball-WM. Besonders hoch sei das Risiko in Natal, Fortaleza und Recife im Nordosten, schrieben sie im Fachjournal «Lancet Infectious Diseases». Aber auch in Manaus, dem Spielort der Schweizer, in Rio de Janeiro, Belo Horizonte und Salvador könnten sich WM-Besucher mit den Viren anstecken.

Derzeit gibt es keine Impfung, Schutz bietet nur ein gutes Moskitospray. Die Symptome reichen von erkältungsähnlich bis zu schwerem Fieber, selten kommt es zur tödlichen, hämorrhagischen Form. Überträger ist die Tigermücke Aedes aegypti, die auch am Tag sticht. Die Moskitos werden in Brasilien mit Chemie und durch die Eliminierung von Brutplätzen wie mit Wasser gefüllte Behälter bekämpft.

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Workers from Haiti's  Ministry of Public Health and Population spray chemicals to exterminate mosquitoes in a neighborhood of Petion Ville in Port-au-Prince on May 21, 2014.  A worker said the procedure is to help prevent chikungunya, dengue, malaria and filariose.    AFP PHOTO / Hector RETAMAL

Hier wird in Haiti ein Brutplatz der Tigermücken mit Chemie ausgeräuchert. Bild: AFP

Gentechmoskitos gegen Dengue

Im Kampf gegen die Krankheit bewilligte Brasilien Ende April als erstes Land der Welt die kommerzielle Freisetzung von gentechnisch veränderten ägyptischen Tigermücken. Die Männchen tragen ein Gen, das für ihre Nachfahren tödlich ist. Feldversuche zeigten, dass dies zumindest kurzfristig tatsächlich den Mückenbestand dezimiert. Kritiker warnen jedoch, dass das Gen auf wilde Mückenarten überspringen könnte.

Rafael de Freitas von der «Fundação Oswaldo Cruz» in Rio de Janeiro verfolgt einen ähnlichen Weg. Doch statt eines Gens pflanzt er den Moskitos ein für Menschen harmloses Insekten-Bakterium namens Wolbachia ein, das die Mücke selbst gegen das Dengue-Virus immun macht. Dieses kommt bei etwa 60% aller Insektenarten in wilder Laufbahn natürlich vor, aber nicht bei den ägyptischen Tigermücken.

Das Bakterium wird den weiblichen Mücken eingepflanzt und sie geben es über die Eier an Nachkommen weiter. Gleichzeitig sind Nachfahren von mit dem Bakterium infizierten männlichen Mücken und nicht infizierten Weibchen lebensunfähig. So wird der Bestand der mit dem Dengue-Virus infizierten Mücken eingedämmt.

«Unsere Strategie ist sicherer als Gentechmücken», erklärte de Freitas unlängst vor Schweizer Journalisten. Es zeigte sich, dass die Wolbachia-Infektion die Entwicklung der Dengue-Viren in den Tigermücken stoppt. Bei ersten Feldversuchen in Australien im Rahmen der «Eliminate Dengue»-Initiative breiteten sich Wolbachia-tragende Tigermücken im natürlichen Bestand aus.

FILE - In this undated file photo provided byt he USDA, an aedes aegypti mosquito is shown on human skin. Guyana is reporting at least 12 more cases of the mosquito-borne virus chikungunya that causes severe joint pain and fever for many of its victims. Health Minister Bheri Ramsarran said late Wednesday, June 4, 2014 that the infections occurred near the border with Suriname and about 20 miles from where the first two cases were documented last week. According to the Centers for Disease Control the chikungunya virus is most often spread to people by Aedes aegypti and Aedes albopictus mosquitoes, the same mosquitoes that transmit dengue virus. (AP Photo/USDA, File)

Die ägyptische Tigermücke auf menschlicher Haut. Bild: AP/USDA

Im August will de Freitas' Team zum ersten Mal in Brasilien Wolbachia-infizierte Tigermücken freilassen. Die Regierung hat den Test in mehreren kleinen Gemeinden im Bundesstaat Rio de Janeiro bewilligt. Ziel ist es, zu prüfen, ob sich die Wolbachia-tragenden Mücken ausbreiten und die Dengue-Ansteckungen sinken.

Vierfache Impfung

Ebenfalls an der Fiocruz-Stiftung tüftelt das Team um Ada Alves an einer besonders cleveren Dengue-Impfung. Die Suche ist schwierig, da es vom Dengue-Virus vier Typen gibt. Eine Infektion mit – oder eine Impfung gegen – nur einem Typ macht einen schweren Verlauf der Krankheit bei der nächsten Infektion wahrscheinlicher.

«Eine Impfung muss gegen alle vier Typen gleichzeitig wirken», erklärte Alves. Am weitesten ist dabei die Pharmafirma Sanofi Pasteur, die eine Vierfach-Impfung bereits an Menschen testet. «Doch sie wirkt nicht gegen alle Dengue-Typen gleich gut», sagte Alves. Dies will ihr Team lösen, indem es zwei Impfstofftypen miteinander kombiniert.

Employees work in the cell culture unit at the French drugmaker's vaccine unit Sanofi Pasteur plant in Neuville-sur-Saone, near Lyon March 14, 2014. SSanofi expects final clinical results for its vaccine against dengue by late September, the French drugmaker's project leader has told Reuters, and has already gambled on starting production despite some disappointing early trials data. Sanofi has invested more than one billion euros in the project and is hoping to become the first drugmaker to sell such a shot next year after two decades of research on the world's fastest-growing tropical disease, for which there is no preventative treatment.  Picture taken March 14, 2014.     REUTERS/Robert Pratta  (FRANCE - Tags: BUSINESS HEALTH SCIENCE TECHNOLOGY)

In solchen Labors werden Dengue-Impfstoffe entwickelt und getestet. Bild: ROBERT PRATTA/REUTERS

Einem Vierfach-Impfstoff wie dem von Sanofi fügen die Forscher einen DNA-Impfstoff bei. Einzelne Viren-Gene werden dazu auf ein Erbgutschnipsel übertragen und in die Körperzellen geschleust. Versuche an Mäusen zeigten, dass die Tiere nicht nur zahlreiche Antikörper gegen Dengue-Viren bildeten, sondern auch eine starke zelluläre Immunantwort.

So konnte ihr Immunsystem nicht nur mittels Antikörpern die Viren abfangen, bevor sie Zellen angriffen, sondern auch bereits infizierte Zellen erkennen und zerstören. 100 Prozent der geimpften Mäuse hätten überlebt, berichteten die Forscher letztes Jahr im Fachblatt «Plos One».

Bis ein fertiger Kombinations-Impfstoff für Menschen vorliegt, wird es indes noch Jahre gehen. Zudem hält das Virus noch mehr Tücken bereit: Letztes Jahr wurde in Malaysia ein fünfter Dengue-Typus gefunden. (lhr/sda)

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