DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
History Porn

History Porn Teil LXXIX: Geschichte in 26 Wahnsinns-Bildern

19.08.2021, 20:0120.08.2021, 13:02

«Hallo, mit wem sprech' ich, bitte?»

Boston, 11. März 1876:

<strong>«Mit dem watson-History-Porn selbstverständlich, Herr Bell, also wirklich, Sie selbst haben doch unsere Nummer gewählt ...»</strong>
«Mit dem watson-History-Porn selbstverständlich, Herr Bell, also wirklich, Sie selbst haben doch unsere Nummer gewählt ...»
Bild: Hulton Archive

Seien wir gnädig mit Graham Bell, schliesslich war das sein allererster Telefon-Anruf, da kann man schon mal nervös werden.

In Wahrheit sprach er – nach nächtelangem Herumexperimentieren – nicht mit uns, aber mit seinem Assistenten, der immerhin wie unser Newsportal hiess. Nämlich Watson. Tom Watson.

Bells genaue Worte waren:

«Mr. Watson, come here. I want to see you.»
Graham Bell
Bells Mutter und seine Frau Mabel waren gehörlos; hier posiert letztere in einem Rahmen eines tetraedrischen Drachens um 1903.
Bells Mutter und seine Frau Mabel waren gehörlos; hier posiert letztere in einem Rahmen eines tetraedrischen Drachens um 1903.
bild: Library of Congress

Der schottisch-amerikanische Erfinder gewann das Wettrennen um die Patent-Anmeldung des Telefons allerdings sehr knapp. Nur zwei läppische Stunden trennten ihn von seinem Rivalen Elisha Gray, dem es auch in einem nachfolgenden Rechtsstreit nicht gelang, seine Ansprüche geltend zu machen.

Auch der florentinische Bühnentechniker Antonio Meucci ging in diesem Kampf leer aus. Obwohl er heute vielen als der eigentliche Erfinder des Telefons gilt, während der Gehörlosen-Lehrer und Sprachtherapeut Bell «bloss» seine Ideen und diejenigen des deutschen Physikers und Erfinders Philipp Reis weiterentwickelte und so sein Gerät zur Marktreife brachte.

Bell war es also als Erstem gelungen, Kapital aus dem Fernsprechapparat zu schlagen. Meucci aber starb als verarmter Mann.

Dabei waren seine vorangegangenen Erfindungen durchaus einträglich gewesen: Erst gründete er eine Galvanisierungsfabrik in Havanna, Kuba, liess das daraus erwirtschaftete Vermögen aber in rauen Mengen den Revolutionären in seinem Heimatland Italien zukommen. In Cliffton, New York, wo es ihn als nächstes hinverschlug, brachten seine Ideen eine Stearin-Kerzenfabrik (1851), eine Lagerbier-Brauerei (1856) und die weltweit erste Paraffin-Kerzenfabrik (1860) hervor.

Porträt des italienischen Erfinders Antonio Meucci (1808-1889).
Porträt des italienischen Erfinders Antonio Meucci (1808-1889).
Bild: Corbis Historical

An der Entwicklung einer Fernsprechverbindung arbeitete Meucci seit 1854, als das rheumatische Leiden seiner Frau sich verschlimmerte. Sie konnte ihr Zimmer nicht mehr verlassen und so verband er dieses mit seiner Werkstatt.

1860 stellte er dann sein «Telettrofono» der Öffentlichkeit vor – ein Jahr vor Philip Reis und lange vor Bell. Und während die italienischsprachige Presse eifrig darüber berichtete, fand er in den angelsächsischen Medien keinerlei Erwähnung.

1871 wollte Meucci sein vervollkommnetes Telefon zum Patent anmelden. Manche behaupten, sein Antrag sei noch nicht ausgereift genug gewesen. Will man Bells Biographen Robert V. Bruce Glauben schenken, habe es sich bei Meuccis Gerät noch nicht einmal um ein elektrisches Telefon gehandelt. Für den englischen Historiker William Aitken ist der italienische Bühnentechniker wiederum der wahre Erfinder des ersten Fernsprechapparates.

Sicher ist nur, dass Meucci über zwei Jahre lang hingehalten wurde, dann erlosch sein Antrag. Es war das Jahr 1874, in dem auch Philipp Reis starb. Auch er hatte bis dahin sein Telefon weiterentwickelt.

Seine Arbeit so wie die von Meucci waren Bell bestens bekannt. Er nutzte sogar Meuccis ganze Unterlagen und Geräte, die dieser der American District Telegraph Co. geschickt hatte, um seine Erfindung an deren Telegraphenkabel testen zu lassen. Und als der des Englischen nicht mächtige Italiener die Rückgabe seiner Arbeitsmaterialien verlangte, teilte man ihm mit, man habe sie verloren.

Dann kam der 14. Februar 1876. Der Tag, an dem im US-amerikanischen Patentamt gleich zwei Anträge für fast das gleiche Objekt eingingen: Das erste stammte von Graham Bell, das zweite kam, nur zwei Stunden später, vom Physiker Elisha Gray. Und obwohl Bells Telefon-Prototyp nicht funktionierte und Grays Antrag mehr technische Details enthielt, wurde das Patent schliesslich Bell zugesprochen. Er war seinem Konkurrenten zwei Stunden zuvorgekommen.

Skizze des Telefons von Alexander Graham Bell aus dem Jahr 1876.
Skizze des Telefons von Alexander Graham Bell aus dem Jahr 1876.
bild: Print Collector
Das Telefon von Elisha Gray, wie es in seiner Patentanmeldung vom 14. Februar 1876 beschrieben ist.
Das Telefon von Elisha Gray, wie es in seiner Patentanmeldung vom 14. Februar 1876 beschrieben ist.
Bild: Universal Images Group Editorial

Weder Gray noch Meucci gelang es daraufhin, ihre Ansprüche auf das Patent geltend zu machen oder zumindest eine finanzielle Entschädigung von Bell zu erhalten.

Abendessen

England, Northumbria, 1937:

Das Bild stammt vom deutsch-britischen Fotografen Bill Brandt.

Der Spacelander

1946:

Bowden zeigt stolz seine Erfindung, 1946.
Bowden zeigt stolz seine Erfindung, 1946.

Eigentlich sollte Benjamin Bowden Konzertmusiker werden. Er war ausgebildeter Geiger, aber durch eine Verwechslung erhielt er einen Studienplatz an der Regent Street Polytechnic. Nun denn, muss er sich gedacht haben, nahm den ihm vom Schicksal zugedachten Platz an und absolvierte dann seine Ausbildung bei einem Londoner Karosseriebauer.

Als er 1946 sein aussergewöhnliches Fahrrad erfand, war die Welt noch nicht ganz bereit dafür. Zu viel Zukunft schien dieses Gefährt zu bergen, mit seinem stromlinienförmigen, hohlkörperlichen Design. Sein Erfinder brach mit der bisherigen Tradition des Fahrradbaus, was die Fahrradproduzenten schliesslich davon abhielt, jenen Exoten zu bauen. Zu gross wäre der Umrüstungsaufwand für sie gewesen.

Der Spacelander im Einsatz. Das von Bowden vorgestellte Pressstahlverfahren wurde später von Honda für seine Mopeds und von Piaggio für seine Vespas benutzt – mit durchschlagendem Erfolg.
Der Spacelander im Einsatz. Das von Bowden vorgestellte Pressstahlverfahren wurde später von Honda für seine Mopeds und von Piaggio für seine Vespas benutzt – mit durchschlagendem Erfolg.

Bowdens Velo enthielt einen Elektromotor, der auf Abfahrtsstrecken und beim Bremsen Energie speicherte, die dann bergauf vom Fahrer abgerufen werden konnte. Die Batterie im Rahmen versorgte das Licht, die Hupe und ein eingebautes Radio mit Strom.

Der Spacelander in «Stop Sign Red».
Der Spacelander in «Stop Sign Red».
bild: wikimedia

Erst im Jahr 1960 fand der Brite die nötige Unterstützung in den USA, um sein Fahrrad zu bauen. Und so ging der Spacelander, wie das Fahrrad nun getauft wurde, in einer Kleinserie in Michigan in Produktion.

Allerdings verzichtete man auf den Elektromotor und baute stattdessen einen konventionellen Kettenantrieb ein. Licht und Hupe wurden weiterhin batteriebetrieben. Der Rahmen wurde aus Glasfaser statt aus Stahl gefertigt, wog aber immer noch über 20 Kilogramm. In fünf Farben (Charcoal Black, Cliffs of Dover White, Meadow Green, Outer Space Blue und Stop Sign Red) war der Spacelander für stolze 89,50 Dollar erhältlich, nach 522 verkauften Exemplaren fand er aber bereits keine Abnehmer mehr.

Werbung für den Spacelander aus den 60ern.
Werbung für den Spacelander aus den 60ern.

Der Produzent ging Konkurs und Bowden, so sagt man, habe den Misserfolg seines Velos nie ganz verwunden, obwohl er in seinem Leben noch jede Menge andere Design-Triumphe im Bereich von Benzinpumpen, Küchenarmaturen und sogar Panzern feiern konnte.

Guten Appetit

Australien, 1930:

bild: reddit

Dieser hübsche Eisvogel wird in seiner Heimat Australien Kookaburra genannt, bei uns trägt er den Namen Jägerlieste.

So klein und süss wie er hier wirkt, ist er allerdings nicht: Der Kookaburra wird bis zu 48 cm gross, was auch erklärt, warum er so mühelos eine Schlange verdrücken kann.

Wegen seines Rufs wird er auch als «Laughing Jack» (Lachender Hans) betitelt.

Boom

Nevada, 1955:

bild: reddit

Auf dem 3500 km² grossem Sperrgebiet nördlich von Las Vegas wurden von 1951 bis 1962 Kernwaffentests durchgeführt.

Selfie

Während des Ersten Weltkriegs an Bord eines deutschen Kampfflugzeugs:

bild: reddit

Einfach Kamera an der Flügelstrebe befestigen und lässig posieren. Die DFW C-Flugzeuge waren einmotorige Kampfflugzeuge, einer der erfolgreichsten Zweisitzer der Fliegertruppe des Deutschen Heeres während des Ersten Weltkriegs.

Golfball-Sammler

Grossbritannien, ca. 1920:

Rundum geschützt.

Schneegestöber

New York City, Manhattan, 1893:

«Winter, Fifth Avenue» heisst dieses Bild des amerikanischen Fotografen Alfred Stieglitz (1864–1946).

Dollys Totenmaske

Roslin, Schottland, 2003:

Sie wurde sieben Jahre alt. Hausschafe haben eine natürliche Lebenserwartung von durchschnittlich 10 bis 12 Jahren. In der Intensivtierhaltung erreichen sie dieses Alter aber nicht: Ein Wollschaf wird durchschnittlich 7, ein Milchschaf 5, ein Zuchtschaf 3 Jahre alt.
Sie wurde sieben Jahre alt. Hausschafe haben eine natürliche Lebenserwartung von durchschnittlich 10 bis 12 Jahren. In der Intensivtierhaltung erreichen sie dieses Alter aber nicht: Ein Wollschaf wird durchschnittlich 7, ein Milchschaf 5, ein Zuchtschaf 3 Jahre alt.
bild: wikimedia

Am 8. Februar 1996 entkernten der Zellbiologe Keith Bampbell und sein Team im Roslin-Institut nahe Edinburgh 277 Eizellen von Scottish Blackface-Schafen und impften diese dann mit Zellkernen aus den Euterzellen des Spendertiers der Rasse Finn Dorset. Daraus entstanden 29 Embryonen, von denen nur ein einziger überlebte: Dolly.

Das erste geklonte Säugetier.

Ungefragte Namenspatin des Wundertiers ist Dolly Parton. Die Wissenschaftler entschieden sich für die berühmte Countrysängerin aufgrund ihrer üppigen Oberweite – sie wollten damit auf die Herkunft der Spenderzellen aus einem Schafseuter anspielen.

Der unbeirrte Milchmann

London, während «The Blitz», 9. Oktober 1940:

bild: reddit

In jener Zeit, in der über England und besonders über London deutsche Bomben niedergingen, war es für die britische Regierung besonders wichtig, den Kampfgeist der Menschen aufrechtzuerhalten. Tapfer und unbeirrt sollten sie ihrem Tagesgeschäft nachgehen, den sich rapide verschlechternden Lebensbedingungen und der immensen Zerstörung trotzen, die die «Battle of Britain» mit sich brachte.

Eine dieser symbolträchtigen Fotografien war Herbert Masons «St.Paul’s Survives» vom 30. Dezember 1940: Es zeigt die unbeschädigte Kuppel der St.Paul’s Cathedral in London, eingehüllt in den Rauch der brennenden Gebäude ringsum.
Eine dieser symbolträchtigen Fotografien war Herbert Masons «St.Paul’s Survives» vom 30. Dezember 1940: Es zeigt die unbeschädigte Kuppel der St.Paul’s Cathedral in London, eingehüllt in den Rauch der brennenden Gebäude ringsum.
bild: wikimedia

Zum Sinnbild jener unbeirrten, kecken Haltung der Briten sollte bald auch das des lässig durch die Ruinen schreitenden Milchmannes gehören.

Dass es inszeniert worden war – was sich erst Jahrzehnte später herausstellen sollte – tut seiner Wirkungsmacht keinerlei Abbruch. Denn nur so gelang es Fred Morley, die Pressezensur zu überlisten.

Es war die Nacht auf den 9. Oktober. Bereits der 32. deutsche Angriff in Folge. Als Morley im betroffenen Holborn-Distrikt eintraf, sah er die ganzen Trümmer und wie die Feuerwehrmänner versuchten, das Feuer einzudämmen. Würde er die Szenerie einfach so fotografieren, dürfte es keine Zeitung abdrucken. Das horrende Ausmass der Zerstörung sollte nicht gezeigt werden, um die Nation ruhig zu halten. Und so lieh er die Arbeitsmaterialien des Milchmannes aus der Gegend, hängte seinem Assistenten dessen weissen Kittel über, drückte ihm die Milchflaschen in die Hand und liess ihn über den Schutt spazieren.

Das Ergebnis war ein Bild, das spontan wirkte und gleichzeitig den Stoizismus des britischen Arbeiters zeigte, der unbeeindruckt von Gefahr und Zerstörung seiner Arbeit nachgeht. Die britische Zensur erkannte die Kraft der Botschaft und beschloss, das Foto in den Zeitungen zu drucken.

Viktorianische Nasenpoplerin

ca. 1885:

bild: via dangerousminds

Wenn man bedenkt, wie aufwändig und teuer Porträt-Aufnahmen im 19. Jahrhundert waren, kann es sich hier wohl kaum um einen ungewollten Schnappschuss handeln.

Nein, diese Dame posiert sehr bewusst so. Nur bohrt sie nicht in der Nase, sondern schnupft Tabak. Ein den reichen Menschen des viktorianischen Zeitalters vorbehaltenes Privileg. Während die Bauern den Tabak rauchen, zieht sich der Adel das Nikotin durch die Nase.

Mit dieser Pose demonstriert die Dame also ihre gesellschaftlich hohe Stellung.

Lichtflut I

New York City, Grand Central, 1929:

bild: reddit

Heute verhindern die hohen Gebäue ringsum den spektakulären Lichteinfall, der hier vom amerikanischen Fotografen Louis Faurer eingefangen wurde.

Lichtflut II

Ho-Chi-Minh-Pfad, 1969:

bild: reddit

Bereits während des Indochinakriegs, doch besonders während des Vietnamkriegs wurde der Ho-Chi-Minh-Pfad (von den Amerikanern nach dem nordvietnamesischen Präsidenten benannt) von den Vietcong und den Soldaten der Vietnamesischen Volksarmee als Versorgungsroute genutzt. Es war ein riesiges logistisches Netz aus Strassen, Rad- und Fusswegen, das von Nordvietnam über Laos und Kambodscha nach Südvietnam führte.

Die Versorgung des Südens mit Soldaten und kriegswichtigen Materialien war eine beispiellose militärische Leistung, da der Ho-Chi-Minh-Pfad Schauplatz der intensivsten Luftangriffskampagne der Geschichte wurde. Durchschnittlich warfen die US-Streitkräfte alle sieben Minuten eine Bombe darüber ab.

Schnipp-schnapp

Auf dem Nil, Ägypten, 1852:

bild: wikimedia

Der in Grossbritannien geborene deutsche Fotograf Ernest Benecke (1816-1894) hat hier wohl als Erster eine Krokodil-Autopsie fotografiert.

Die etwas andere Aschenbrödel-Geschichte

Paris, Place de la Révolution (heute Place de la Concorde), 1793:

Marie Antoinette verlor ihren Schuh nicht, nachdem sie ihren Prinzen gefunden hatte. Sie verlor ihn kurz vor ihrem Kopf. Als sie am 16. Oktober 1793 um 12:15 Uhr die Treppen zum Schafott emporstieg.

Die letzte französische Königin folgte ihrem Mann Louis XVI. in den Tod. Sie beide waren die Köpfe des so verhassten Ancien Régimes – und die mussten rollen. Im Namen der Republik, die bald auf dem vom Blut der «Revolutionsfeinde» getränkten Boden erstehen sollte.

Der österreichische Schriftsteller Stefan Zweig hat Marie Antoinettes Fahrt zum Richtplatz literarisch festgehalten:

«Der erbärmliche Wagen rattert langsam über das Pflaster. Man lässt sich absichtlich Zeit, jeder soll genau das einzigartige Schaustück betrachten können. Auf dem harten Sitz spürt die Königin jedes Holpern des groben Karrens über das schlechte Pflaster bis ins Mark, aber, unbewegt das blasse Gesicht, mit ihren rotgeränderten Augen starr vor sich hinschauend, gibt Marie Antoinette kein Zeichen von Angst oder Schmerz der enggereihten Neugier preis. Alle Seelenkraft strafft sie zusammen, um bis zum Ende stark zu bleiben, und vergebens spähen ihre grimmigsten Feinde, sie bei einem Augenblick des Versagens oder Verzagens zu ertappen. [ ...]

Ihr Antlitz bleibt ehern verschlossen, sie scheint nichts zu hören, nichts zu sehen. Die auf den Rücken gebundenen Hände steifen ihr nur den Nacken höher empor, geradeaus blickt sie vor sich hin, und all die bunten und wilden Bilder der Strasse dringen nicht mehr ein in ihre Augen, die von innen her überschwemmt sind von Tod. Kein Zittern regt ihre Lippen, kein Schauer bebt über ihren Leib; ganz Herrin ihrer Kraft sitzt sie da, stolz und verächtlich ...»
Stefan Zweig, Marie Antoinette

Marie Antoinette auf dem Weg zur Guillotine, Federzeichnung des grossen Historienmalers und damaligen Augenzeugen Jacques-Louis Davids.
Marie Antoinette auf dem Weg zur Guillotine, Federzeichnung des grossen Historienmalers und damaligen Augenzeugen Jacques-Louis Davids.

Ruhig und jede Hilfe zurückweisend, steigt Marie Antoinette die bretternen Stufen zum Schafott hoch.

Man erzählt sich, ihre letzten Worte seien an den Henker gerichtet gewesen, nachdem sie diesem versehentlich auf den Fuss getreten war:

«Verzeihen Sie, Monsieur, ich habe es nicht mit Absicht getan.»
Marie Antoinette

Vielleicht war das der auch der Moment, in dem sie ihren eigenen Schuh verlor.

Danach ging alles sehr schnell. Marie Antoinette wurde auf das Brett geworfen, ihr Kopf unter die Schneide geklemmt, ein kräftiger Riss am Strang, das Messer sauste nieder, ein dumpfer Schlag und schon hob der Henker an den Haaren das rot tropfende Haupt empor.

«Vive la République!», ruft die Menge, bevor sie sich hastig zerstreut. Zeit fürs Mittagsbrot.

«Wozu noch länger herumstehen! Morgen und alle die nächsten Wochen und Monate kann man doch auf dem gleichen Platz beinahe täglich dasselbe Schauspiel nochmals und nochmals sehen. [ ...]

«Nur die Göttin der Freiheit, in ihren weißen Stein gebannt, ist unbeweglich auf ihrem Platz geblieben und starrt weiter und weiter auf ihr unsichtbares Ziel. Sie hat nichts gesehen, nichts gehört. Streng blickt sie über das wilde und törichte Tun der Menschen hinweg in die ewige Ferne. Sie weiß nicht und will nicht wissen, was in ihrem Namen geschieht.»
Stefan Zweig, Marie Antoinette

Verdeck runter, bitte

London, 1927:

Ein Kamel braucht seinen Platz.

Arnie forever

Los Angeles, USA, 1977:

Bild: Michael Ochs Archives

Unser aller Arnold Schwarzenegger föhnt sich das Haar.

«So stirbt man also!» – 17 Berühmtheiten und ihre letzten Worte

1 / 19
«So stirbt man also!» – 17 Berühmtheiten und ihre letzten Worte
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das ultimative watson-Sommerhit-Album 2021 mit Maddy & Dave

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Erektoteles

Als Louis' XVI. sexuelle Unfähigkeit ganz Europa zum Lachen brachte

Warum gibt's jetzt dafür ein eigenes Format?

Damit sich watson-User wie MartinZH nie wieder ungewollt in Artikeln mit derlei fragwürdigem Inhalt wiederfinden!

Und weil mein Chef es erfunden hat und wir zwei gute Wochen lang herzlich darüber lachen konnten.

Gut, da das nun geklärt ist: Auf in die heutige Geschichte!

«Rien», schrieb der französische Kronzprinz Louis Auguste am 17. Mai 1770 in sein Tagebuch. Es war der Tag nach seiner Hochzeitsnacht mit der habsburgerischen Prinzessin Marie …

Artikel lesen
Link zum Artikel