Wirtschaft
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Nikola Tesla in seinem Labor in Colorado Springs.

Tesla ist mehr als ein Auto – so heisst auch der Begründer des elektrischen Zeitalters

Professor W. Bernard Carlson hat eine faszinierende Biografie über den exzentrischen Wissenschaftler verfasst.



Elon Musk wird oft mit dem legendären Erfinder Thomas Edison verglichen. Doch Musk selbst vergleicht sich mit Nikola Tesla, Edisons grossem Gegenspieler. Nach ihm hat er sein Elektroauto benannt und wie Tesla ist er überzeugt, dass es ausserirdisches Leben gibt, und träumt davon, andere Planeten zu besiedeln.

Tesla verfügte über eine seltene Fähigkeit, die W. Bernhard Carlson in seinem Buch «Tesla» wie folgt schildert: «Man muss träumen, aber man muss seine Träume auch kritisch beurteilen und dabei wissenschaftliche Theorie ebenso berücksichtigen wie verfügbare Materialien und Techniken. » Carlson lehrt Wissenschaft, Technologie und Gesellschaft an der Universität von Virginia.

Tesla konnte sich alles im Kopf vorstellen

Dabei hätte Nikola Tesla Priester der orthodoxen Kirche werden müssen. Geboren wurde er am 10. Juli 1856 in Smiljan, einer kleinen Berggemeinde in Kroatien. Dort war sein serbischstämmiger Vater ebenfalls Priester. Als Gymnasiast wurde Tesla jedoch so schwer krank, dass ihm sein Vater versprach, dass es statt an einem Priesterseminar an der Technischen Hochschule von Graz studieren durfte. Damit war die Karriere eines ausserordentlichen Erfinders lanciert.  

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Der Erfinder war auch ein begehrtes Fotomodell.

Seine Erfindungen konnte sich Tesla im Geist vorstellen. «Seine Einbildungskraft diente ihm nicht nur dazu, sich fantastische Reisen vorzustellen, sondern er konnte sein Talent auch dazu nutzen, neue Maschinen zu entwerfen», schreibt Carlson. Doch Tesla fantasierte nicht einfach wild drauflos. Er «lernte, eine gute Balance zu finden zwischen einer völlig freien, ungezügelten Fantasie und ihrer Disziplinierung, ohne die er die Details einer neuen Maschine gar nicht hätte ausarbeiten können».  

Insgesamt 280 Patente in 26 Ländern sollte Tesla dereinst einreichen. Zuvor begab er sich auf seine Lehrwanderreise. Über Budapest führte sie ihn nach Paris und dann nach New York, wo er kurzzeitig für General Electrics arbeitete, dem Unternehmen von Thomas Edison. Er fühlte sich jedoch bald unverstanden, denn er war ein ganz anderer Erfindertyp.  

Prätentiös, elitär, exzentrisch

Tesla war kein Tüftler, der etwas Bestehendes verbessern wollte, er dachte in grossen Dimensionen. «(...) im Gegensatz zu Edison oder Henry Ford, die beide als gewöhnliche Menschen betrachtet wurden, die die Bedürfnisse einfacher Leute verstanden und daraufhin massentaugliche Güter wie Automobile, elektrische Beleuchtungen und Kinofilme schufen, erschien ihnen (dem amerikanischen Durchschnittsbürger, Anm. d. Red.) Tesla wohl prätentiös, elitär und ja, exzentrisch», so Carlson.  

Auch in der Sache waren sich die beiden nicht einig. Edison setzte auf Gleich-, Tesla auf Wechselstrom. Die Erfindung des Wechselstrommotors gilt bis heute als eine seiner grössten Taten. «Sein Wechselstrommotor überzeugte in den 1880er Jahren die Energieversorger, von Gleichstrom auf Wechselstrom umzustellen, da sie so nicht nur eine Serviceleistung für Beleuchtung bieten, sondern auch Strom liefern konnten, der sowohl von der Industrie als auch von den Verbrauchern genutzt werden konnte», so Carlson.  

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Von Tesla inspiriert: Der verrückte Professor Brown in «Back to the Future».

Als sich das erste grosse Wasserkraftwerk bei den Niagarafällen für Wechselstrom entschied, feierte Tesla seinen grössten Sieg über Edison. Damit wurde der definitive Sieg des Wechselstroms eingeleitet. Im Gegensatz zu Gleichstrom kann man diesen Strom nämlich hochtransformieren und über weite Strecken transportieren.  

Voraussetzung dafür war jedoch der Wechselstrommotor. Ihn hatte Tesla vor seinem geistigen Auge schon entworfen, bevor er in die USA ausgewandert war. Entscheidend dabei war, dass er sich nicht auf den Motor allein konzentrierte. «Sich den Motor als Teil eines ganzen Systems vorzustellen, war ein zentrales Element seines späteren Erfolgs», stellt Carlson fest. (Wer sich für die grusligen technischen Details interessiert, sollte das Buch lesen.)  

Für diesen Erfolg brauchte Tesla Hilfe. Er war zwar ein brillanter Erfinder, aber ein lausiger Geschäftsmann. Diese Hilfe erhielt er von Alfred S. Brown und Charles F. Peck, zwei erfahrenen Businessmännern. Schon damals war Genialität allein kein Erfolgsrezept für ein Start-up-Unternehmen. Es brauchte auch eine Story, um die Investoren zu überzeugen. Die lieferten Brown und Peck. Sie ermöglichten ihm den Zugang zur rasch wachsenden Gemeinde der Elektroingenieure und verschafften ihm einen Auftritt vor dem renommierten American Institute of Electrical Engineers.

Die feine Gesellschaft entdeckt Tesla

Dieser Auftritt sollte den Durchbruch für Tesla bedeuten. Der Grossindustrielle George Westinghouse wurde auf ihn aufmerksam und kaufte ihm die Patente für den Wechselstrommotor ab. Tesla war vorläufig finanziell abgesichert und konnte in seinem Labor in New York weitertüfteln.  

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Lange wohnte Tesla im noblen Waldorf-Astoria in New York. 

Bald verkehrt er auch in der besseren New Yorker Gesellschaft. Schuld daran waren seine spektakulären Auftritte. Tesla war ein ausgezeichneter Showman. Wie ein Magier liess er Strom durch seinen Körper laufen und glühte dabei wie eine Lampe. Funken sprühten und Kugelblitze sausten über die Bühne. Die Menschen prügelten sich, um Zutritt zu seinen Vorträgen zu erhalten, die Zeitungen überschlugen sich mit euphorischen Artikeln.  

Tesla wurde Mitglied der richtigen Clubs und traf dort die wichtigen Menschen seiner Zeit. Mark Twain wurde gleichzeitig Fan und Freund von ihm. Tesla zügelte ins vornehme Waldorf-Astoria – er wohnte zeitlebens in Hotels –, dessen Besitzer John Jacob Astor IV wurde ein Investor. So konnte Tesla ein Forschungslabor in Colorado Springs einrichten.  

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Nikola Tesla (verschwommen im Hintergrund) leitet Strom durch seinen Bewunderer – den amerikanischen Schriftsteller Mark Twain – und den Schauspieler Joseph Jefferson (rechts), um eine Glühbirne zum Leuchten zu bringen, 1895. bild: imgur

Dummerweise war inzwischen jedoch sein Business-Partner Charles Peck verstorben. In Colorado Springs pröbelte Tesla deshalb an seinem grossen Traum herum: Er war überzeugt, dass es ihm gelingen würde, eine drahtlose Stromübertragung durch die Erde zu entdecken. Doch John Astor hatte er versprochen, ein neuartiges Beleuchtungssystem zu entwickeln. Frustriert wandte sich der Investor von ihm ab.  

Tatsächlich gelang es Tesla in Colorado Springs, die Grundlagen für ein drahtloses Übertragungssystem zu entdecken. Dieses System eignet sich auch für die Übertragung von Nachrichten. Daran forschte auch der Italiener Guglielmo Marconi. Die beiden wurden erbitterte Rivalen.  

Erneut gelang es Tesla, einen potenten Geldgeber zu finden, den legendären Banker J.P. Morgan. Ihm versprach er ein drahtloses Nachrichtensystem über den Atlantik. Stattdessen steckte er das Geld erneut in sein Stromsystem und überliess Marconi weitgehend das Feld in Sachen drahtloser Nachrichten. Auch J.P Morgan liess Tesla deshalb fallen.  

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Liess Tesla fallen: JP Morgan.

Der geniale Erfinder kam damit nicht zurecht. «Vielleicht war Tesla der Meinung, dass die schiere Quantität seiner Erfindungen die Menschheit von der grossen Kraft seines Genies überzeugen würde, doch bei den Investoren kam diese Botschaft nicht an», stellt Carlson fest. Tesla versank in Depressionen und wurde zunehmend kauziger.  

Der lange Abstieg

Er begann, sich zu verzetteln, bot der Marine funkgesteuerte Boote an, aber auch eine drahtlose Superkanone. Immer noch war er jedoch seiner Zeit weit voraus. «Tesla wies daraufhin, dass fast die gesamte Energie auf Erden schlussendlich von der Sonne kam und zeigte sich zuversichtlich, dass die Menschheit grosse Mengen Solarenergie gewinnen und in billigen Strom würde verwandeln können», schreibt Carlson.  

Doch Teslas unaufhaltsamer Abstieg war nicht mehr aufzuhalten. Die Zeitungen, die ihm einst zu Füssen lagen, machten sich nun über ihn lustig. Seine Patente liefen aus. Tesla musste in immer schäbigere Hotels ziehen und immer häufiger vor Gläubigern flüchten. Am 8. Januar 1943 wurde er im Alter von 86 Jahren tot in seinem Zimmer aufgefunden.  

Viele Kritiker bemängeln, dass Tesla sein geniales Talent nicht voll ausnutzen konnte. Dem widerspricht Carlson entschieden. «Tesla war zwar ein ausgebildeter Ingenieur, weigerte sich aber, sich ausschliesslich vom Diktat des Marktes oder der Wissenschaft leiten zu lassen. Stattdessen kamen seine Erfindungen aus ihm selbst, und durch diese Erfindungen versuchte er, sein Leben und die Welt um ihn herum zu ordnen. (...) Er schuf grossartige Technologie durch Introspektion und offenbarte so, wie sich das Spirituelle mit dem Materiellen verbinden lässt.»

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Cover der Tesla-Biografie.

Selbstverständlich findet sich Tesla auch hier unter den 100 bedeutendsten Menschen aller Zeiten:

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38Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Openyourmind 21.02.2017 23:59
    Highlight Highlight Herr Löpfe... Kroatien hat es damals nicht gegeben. Das war damals ein Teil der Österreichisch-Ungarischer Monarchie und deshalb war auch ein Studium an der Hochschule von Graz möglich.
    • Weisnidman 22.02.2017 05:43
      Highlight Highlight Kroatien gibt es seit 910 als Staat und Königreich! Was leider sehr wenige nicht wissen...König Tomislav war der erste König und eroberte einen großen Teil des Balkans. Auch das moderne Bild Europas kann man zum Teil an Kroatien verdanken mit dem aufhalten des Osmanisches Reiches. Die Geschichte schreiben halt die "Sieger" und so gehen viele Tatsachen verloren
    • kupus@kombajn 22.02.2017 08:04
      Highlight Highlight Natürlich gab es damals Kroatien, und zwar das Königreich als Teil der Habsburgermonarchie. Und so, wie Löpfe es schreibt, ist es ohnehin richtig. Er beschreibt Smiljan nicht aus damaliger Zeit, sondern er präzisiert, dass es sich bei Smiljan um ein Bergdorf in Kroatien handelt.
    • Philipp Löpfe 22.02.2017 08:59
      Highlight Highlight Das stimmt, aber tut nichts zur Sache. (Tesla hätte übrigens auch Dienst in der österreichischen Armee leisten müssen.)
  • dä dingsbums 21.02.2017 23:02
    Highlight Highlight Die ganze Geschichte auf unterhaltsame Weise erzählt:

    http://theoatmeal.com/comics/tesla

  • Triple 21.02.2017 22:03
    Highlight Highlight Sorry, aber jemand der Musk auf die selbe Ebene wie Tesla hebt hat null Ahnung von nichts.
    • AJACIED 21.02.2017 23:03
      Highlight Highlight Amen Bro 🖖.
    • Tschedai 22.02.2017 06:41
      Highlight Highlight "null Ahnung von nichts" ... ein solcher jemand weiss also alles.
  • Hades69 21.02.2017 20:55
    Highlight Highlight Tesla hatte die Idee vom unendlich verfügbarem Strom, der freien Energie. Er war der mächtigen Ressourcen gesteuerten Politik im Wege.
    • TobaFett 21.02.2017 21:27
      Highlight Highlight Hach, die Aluhutfraktion kann einem den Tag schon versüssen;)
    • blobb 21.02.2017 23:11
      Highlight Highlight 7 von 14 glauben an freie Energie.

      Was kann man da nur sagen?

      Bildet euch!
    • Weisnidman 22.02.2017 05:50
      Highlight Highlight Tesla hatte auch die Lösung, leider machte er nie Zeichnungen und Pläne. Als ihn der Investor fragte wie er den Strom verrechnen will, also Geld machen kann, antwortete Nikola es wird ein Geschenk für die Menschheit, am nächsten Tag wurde alles gestoppt und der Investor sprang ab... its all about the money
    Weitere Antworten anzeigen
  • Luca Brasi 21.02.2017 19:33
    Highlight Highlight Vielen Dank für diesen grossartigen Artikel.Tesla und sein Nemesis Edison. Da gab es auch schon einmal einen Rap Battle: ;)
    Play Icon
  • Dä Brändon 21.02.2017 18:02
    Highlight Highlight Tesla war der bedeutendste Wissenschlafter der Weltgeschichte. Leider bekommt er nicht die Anerkennung die er eigentlich verdient. Wie auch immer, der Artikel ist toll! Danke
    • blobb 21.02.2017 18:43
      Highlight Highlight Er war Erfinder und Ingenier, vielleicht einer der grössten.
      Aber sicher nicht der grösste Wissenschafter.
    • Dä Brändon 21.02.2017 19:29
      Highlight Highlight Er konnte nur etwa einen Bruchteil von seinen Ideen und Visionen umsetzen. Als man Einstein mal fragte, wie man sich denn als intelligentester Mensch fühle? Sagte er: I dont't know, you'll have to ask Nikola Tesla.
    • blobb 21.02.2017 23:09
      Highlight Highlight Es ändert nichts daran,
      wenn ein Erfinder intelligenter ist als ein Wissenschaftler,
      dass ein Erfinder erfindet und ein Wissenschafftler Wissen schafft.

      Ohne Ampères Erkenntnissen hätte Tesla keinen Wechselstromgenerator erfinden können.

      Der bedeutendste Ingenieur der "Weltgeschichte" ist der, der das Rad erfunden hat, oder den Bogen, oder die Schrift, oder den Transistors, oder den Computers.
      Aber über diese gibt es nicht so viele Pop-Sience-Dokus und Legenden, wie über den Showman Tesla.
      Wechselstrom hätte sich sowieso irgendwann durchgesetzt, also hält sich seine Bedeutung in Grenzen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Uitam 21.02.2017 17:31
    Highlight Highlight Ich liebe solche Artikel. Gerne mehr.
  • nenjin 21.02.2017 17:27
    Highlight Highlight Tesla (die Firma) wurde aber von Martin Eberhard und Marc Tarpenning gegründet, die ihr auch den Namen gaben. Musk kam erst etwas später hinzu.

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