Neun Kilometer langes Tunnelsystem unter der Hagia Sophia freigelegt
Laut Angaben des türkischen Kultur- und Tourismusministers Mehmet Nuri Ersoy befindet sich unter der Hagia Sophia ein recht ausgedehntes System aus unterirdischen Gängen und Tunneln. Einzelne Abschnitte erstrecken sich über eine Länge von bis zu neun Kilometern. In naher Zukunft könnte das riesige Tunnelnetz, das unter dem historischen Bauwerk verborgen liegt und seit Jahrhunderten Gegenstand von Legenden ist, Besucher empfangen.
«Allerdings gibt es Einstürze und Bereiche, die den Durchgang verhindern. Derzeit setzen wir die Reinigungs- und Sanierungsarbeiten in den zugänglichen Abschnitten fort. Sobald die Arbeiten abgeschlossen sind, können wir erwägen, geeignete und sichere Abschnitte für Besucher zu öffnen», erklärte der Minister in der türkischen Tagszeitung Yeni Şafak.
Umfangreiche Restaurierung
«Um das Bauwerk sicher an künftige Generationen weiterzugeben, führen wir die umfangreichsten Restaurierungs-, Konservierungs- und Verstärkungsarbeiten in der Geschichte der Republik durch», stellte Ersoy fest. Bereits abgeschlossen seien unter anderem Arbeiten an Grabstätten, einer während der osmanischen Zeit errichteten Schule, dem Uhrturm, dem Fussboden, der Galerie sowie einem im Nordosten hinzugefügten Minarett.
Die Arbeiten zur baulichen Verstärkung der Hauptkuppel, die die wichtigste Phase des Projekts darstellten, würden fortgesetzt. «Auch in der östlichen Halbkuppel wird nun, parallel zur Verstärkung des Tragwerks, eine neue Phase eingeleitet, die sich auf die Konservierung der Mosaike, der Malereien und der Marmoroberflächen konzentriert», erklärte Ersoy weiter.
Man gehe davon aus, dass die Hauptarbeiten an der Kuppel mindestens ein Jahr in Anspruch nehmen würden. Die Restaurierung der Aussenfassade werde voraussichtlich bis Ende 2027 abgeschlossen sein; bis dahin könne ein Grossteil der Gerüste abgebaut werden und das Erscheinungsbild der Hagia Sophia weitgehend in seinen ursprünglichen Zustand zurückgeführt sein. Danach könnten die Arbeiten in den unteren Stockwerken und in den für Besucher nicht einsehbaren Bereichen fortgesetzt werden.
Patriarchalkirche von Konstantinopel
Die Hagia Sophia wurde zwischen 532 und 537 unter Kaiser Justinian I. errichtet. Sie gilt als Meisterwerk der spätantiken Architektur und eines der bedeutendsten Gebäude aller Zeiten. Sie war über Jahrhunderte die Patriarchalkirche von Konstantinopel und das bedeutendste Gotteshaus des Oströmischen Reiches. Nach der osmanischen Eroberung Konstantinopels 1453 wurde sie in eine Moschee umgewandelt. 1935 erhielt sie den Status eines Museums, bevor die türkischen Behörden sie 2020 erneut in eine Moschee umwandelten. (dhr)
