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Alte DNA weist auf Ursprünge der germanischen Sprachen hin

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Germanen Käpfer eines Stammes der Germanen im Wald. (Symbol)Bild: imago stock&people

Alte DNA weist auf Ursprünge der germanischen Sprachen hin

04.11.2026, 17:00

Die germanischen Sprachen könnten ihren Ursprung in einer bisher unbekannten Völkerwanderung vor rund 4000 Jahren haben. Das zeigt eine Analyse alter DNA, mit der ein internationales Forschungsteam die Ausbreitung germanischer Sprachen in Europa rekonstruiert hat.

Germanische Sprachen wie Deutsch, Englisch und Niederländisch werden heute von Millionen Menschen gesprochen. Für die neue Studie, die in der Fachzeitschrift «Nature» veröffentlicht wurde, hat das Forschungsteam unter der Leitung der Universitäten Kopenhagen und Leiden nun die Erbsubstanz aus Überresten von mehr als 4500 Menschen analysiert. «Diese DNA-Sequenzen verraten uns nicht direkt, welche Sprache die Menschen sprachen», erklärte Eske Willerslev von der Uni Kopenhagen in einer Mitteilung. Doch durch die Kombination der DNA-Daten mit sprachwissenschaftlichen und archäologischen Belegen gelang es ihnen nachzuvollziehen, wie sich Sprachen über Jahrtausende hinweg verbreitet und verändert haben.

Bisher unbekannte Wanderungsbewegung identifiziert

So konnten die Forschenden eine bisher unbekannte grosse Migrationsbewegung nach Skandinavien vor rund 4000 Jahren identifizieren. Die Menschen gelangten vermutlich aus dem baltischen Raum in das heutige Schweden und breiteten sich innerhalb von rund 500 Jahren in ganz Skandinavien aus. Die Neuankömmlinge hatten einen nachhaltigen Einfluss auf die in Nordeuropa ansässigen Bevölkerungsgruppen und könnten den frühesten Vorläufer der heutigen germanischen Sprachen mitgebracht haben.

Die Ausbreitung dieser Bevölkerungsgruppe fällt zeitlich mit kulturellen Veränderungen zusammen. Dazu zählten etwa neue Bestattungsformen, neue Haustypen und der Beginn weitreichender Handelsnetzwerke. Diese Menschen könnten die frühe Vorstufe des Germanischen verbreitet haben. Das würde bedeuten, dass die Wurzeln dieser Sprachen erst deutlich später nach Nordeuropa gelangten. Bisher ging man davon aus, dass dies mit früheren Migrationsbewegungen bereits vor rund 5000 Jahren passierte.

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Kühe laufen bei Sonnenuntergang in Ydre, Schweden, über eine Wiese. Ydre, Schweden. (Symbol)Bild: www.imago-images.de

Vor rund 1600 Jahren gab es dann stärkere Migrationsströme von Südskandinavien nach Mitteleuropa, in die heutigen Niederlande, Polen und Grossbritannien. Das Forschungsteam vermutet, dass diese Wanderungsbewegungen mit germanischen Gruppen wie Angelsachsen, Langobarden und Goten in Zusammenhang stehen.

Viele Wikinger haben Norddeutsche Abstammung

Dem Forschungsteam gelang mit seiner Analyse eine weitere unerwartete Erkenntnis: Vor rund 1500 Jahren, also mehrere Jahrhunderte vor der Wikingerzeit, wanderten Menschen aus dem heutigen Norddeutschland nach Dänemark und Südschweden aus. In einigen Regionen, insbesondere auf Seeland, der grössten Insel des heutigen Dänemarks, stellten sie einen grossen Teil der lokalen Bevölkerung. Diese Wanderbewegung fällt mit dem Aufkommen des Altnordischen zusammen, der Sprache der Wikinger.

Den Forschenden zufolge deuten die Analysen darauf hin, dass viele Wikinger im heutigen Dänemark und Schweden zum Grossteil von diesen Neuankömmlingen abstammten. Dieser Befund könnte die bisher rätselhaften kulturellen und sprachlichen Verbindungen und Ähnlichkeiten zwischen Skandinavien und Grossbritannien erklären.

Ursprünge der keltischen Sprachen

In einer weiteren, ebenfalls in «Nature» veröffentlichten Studie nutzten die Autoren aus Kopenhagen und Leiden denselben Ansatz, um auch Hinweise auf die Ursprünge der keltischen Sprachen zu finden. Diese wurden vor rund 2500 Jahren in weiten Teilen Europas gesprochen, bis heute erhalten geblieben sind sie vor allem in Irland, Wales, Schottland und der Bretagne.

Die Analysen alter DNA deuten auf eine Wanderungsbewegung aus Mitteleuropa vor rund 3000 Jahren hin, die sich Richtung Frankreich, Grossbritannien, Irland und auf die Iberische Halbinsel ausbreitete. Für das Forschungsteam liefert diese Migration die einfachste Erklärung für die Ausbreitung der keltischen Sprachen. Sie stellen damit eine seit langem diskutierte Theorie in Frage, wonach diese an der Atlantikküste entstanden seien. (sda/apa)

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