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So qualmt die Schweiz: Die Raucher, die Kosten und die Folgen

So qualmt die Schweiz: Die Raucher, die Kosten und die Folgen

Warum sterben immer mehr Frauen an den Folgen von Tabakkonsum? Und müssen die Raucher jetzt auch hier mit grossen Schockbildern auf den Packungen rechnen? Die wichtigsten Antworten.
12.11.2015, 07:0912.11.2015, 07:21
Sven Altermatt / Aargauer Zeitung

Wie viele Menschen rauchen in der Schweiz eigentlich?

Krebs, Atemwegserkrankungen, Herzleiden: Wer sich täglich den Zigaretten hingibt, erhöht sein Krankheitsrisiko erheblich. In der Schweiz raucht fast ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung. Die Raucherquote sank zwischen 1997 und 2007 zwar um fünf Prozent, doch seitdem stagniert sie bei 28 Prozent. Jeder siebte Todesfall in der Schweiz kann dem Konsum von Tabak zugeschrieben werden, wie Zahlen des Bundesamts für Statistik zeigen. Jährlich sterben 9500 Schweizerinnen und Schweizer an den Folgen des Rauchens.

Was auffällt: Während die Zahl der Todesopfer bei den Männern sinkt, steigt sie bei den Frauen. Der Bund führt dies vor allem darauf zurück, dass Frauen bis zur Jahrtausendwende vermehrt mit Rauchen begannen und nun auch häufiger an Lungenkrebs erkranken. Die tabakbedingten Todesfälle entwickeln sich nämlich zeitverzögert zu den Gewohnheiten der Raucher.

Steigt der Raucheranteil noch immer besonders unter Frauen?

Nein, neue Zahlen zeichnen ein anderes Bild. In den 80er-Jahren stieg der Raucheranteil besonders unter jungen Frauen, und noch zu Beginn der Jahrtausendwende setzte sich diese Entwicklung fort. Parallel dazu begannen verhältnismässig immer weniger Männer mit Qualmen. Nun sollen in der Schweiz wieder mehr Junge rauchen. Der Anteil steigt erstmals seit längerer Zeit wieder. Zu diesem Schluss kommt eine bislang unveröffentlichte Studie des Bundesamts für Gesundheit, wie die «Rundschau» gestern enthüllte. Der Anteil der minderjährigen Raucher ist von 18,7 Prozent im Jahr 2012 auf 20,7 Prozent im Jahr 2014 gestiegen.

Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass anteilsmässig wieder deutlich mehr junge Männer als junge Frauen rauchen: Unter den Männern im Alter von 15 bis 25 Jahren liegt der Anteil bei 36,2 Prozent, unter den gleichaltrigen Frauen nur bei 26,8 Prozent. Der Unterschied der Geschlechter hat sich seit 2012 mehr als verdoppelt.

Welche Kosten verursacht das Rauchen für die Gesellschaft?

Genaue Zahlen gibt es keine, nur Schätzungen. Schweizer Behörden und Krankenversicherer verweisen stets auf eine Berechnung der Universität Neuenburg aus dem Jahr 1998. Demnach belaufen sich die sozialen Kosten des Tabakkonsums auf knapp zehn Milliarden Franken pro Jahr. Darunter verstehen sich alle direkten, indirekten und immateriellen Kosten: Also etwa auch für medizinische Behandlungen und veränderte Lebensgewohnheiten. Die Kosten tragen die Raucher grösstenteils selbst, da sie die Rentensysteme über die Tabaksteuern mitfinanzieren. Allerdings profitieren sie weniger von denselben. Denn ihre Lebenserwartung liegt noch immer tiefer – trotz des medizinischen Fortschritts.

Werden die Warnbilder auf den Packungen jetzt drastischer?

An Schockbilder auf Zigarettenschachteln hat man sich mittlerweile gewöhnt. Doch den Deutschen oder den Franzosen soll die Lust auf das Rauchen künftig so richtig vermiest werden. Ab dem kommenden Frühling müssen die Warnhinweise auf den Packungen in der EU mit drastischen Bildern versehen werden. Im Grossformat sind dann etwa verfaulte Zähne, riesige Krebsgeschwülste oder Raucherlungen während einer Operation zu sehen. Die Warnhinweise müssen nicht mehr nur einen Drittel, sondern zwei Drittel der Verpackung bedecken. Für Schweizer Raucher ändert sich vorerst nichts: Die neuen Warnhinweise sollen hierzulande nach Angaben des Bundesamts für Gesundheit nicht gelten.

Die Vorderseite einer Schachtel muss weiterhin zu 35 Prozent mit einem Texthinweis bedeckt sein, auf der Rückseite muss ein Warnhinweis mit Text und Bild mindestens 50 Prozent einnehmen. Die Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention forderte vergeblich, dass Schockbilder auch auf der Vorderseite angebracht werden.

Jetzt auf

Kommen die Packungen ohne Logos auch in die Schweiz?

Diese Forderung dürfte für längere Zeit vom Tisch sein. Dem Bundesrat gehen neutrale Zigarettenpackungen zu weit, erklärte Gesundheitsminister Alain Berset gestern vor den Medien. «Und mit dem neuen Gesetz sind solche auch gar nicht möglich.» Damit werden Markenlogos auf den Packungen nicht verboten.

Umso bemerkenswerter: Noch im vergangenen Sommer kam eine Umfrage zum Ergebnis, dass neutrale Packungen immer mehr Befürworter haben. So stellt sich 45,8 Prozent der Bevölkerung hinter die Idee, dass auf Logos und andere charakteristische Merkmale verzichtet wird. Das Bundesamt für Gesundheit selbst hatte die Umfrage in Auftrag gegeben. In Australien gibt es die markenlosen Packungen mit Schockbildern seit drei Jahren. Frankreich, England und Irland wollen nachziehen. 

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Bund hält 1,25 Millionen Franken für Ärzte ohne Grenzen zurück – die Sonntagsnews
Der Bund hat wegen eines Missbrauchsskandals 1,25 Millionen Franken für Ärzte ohne Grenzen zurückgehalten. Zudem schliesst Lindt-Präsident Ernst Tanner einen Rücktritt vorerst aus. Das und mehr findet sich in den Sonntagszeitungen.
Der Bund hat laut der «NZZ am Sonntag» wegen eines Missbrauchsskandals in Tschad eine Zahlung von 1,25 Millionen Franken an Ärzte ohne Grenzen zurückgehalten. Das Hilfswerk habe die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) nicht rechtzeitig über das Ausmass der sexuellen Ausbeutung geflüchteter Frauen und Mädchen durch eigene Mitarbeiter informiert. Eine interne Untersuchung habe 59 Vorwürfe ergeben und zur Entlassung von 18 Mitarbeitern geführt. Sechs davon seien bei der Schweizer Sektion angestellt gewesen. Obwohl die Deza bereits im November 2024 erste Hinweise erhalten habe, sei ihr das volle Ausmass erst durch Medienberichte im Juni 2026 bekannt geworden. Ärzte ohne Grenzen habe damit laut dem Aussendepartement seine vertragliche Meldepflicht verletzt. Die NGO räume ein, die Erkenntnisse nicht früh genug offengelegt zu haben. Der Bund prüfe weitere Sanktionen und eine externe Untersuchung. Ab 2027 würden zudem die Meldepflichten für sämtliche Schweizer NGO-Partner verschärft.
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