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Die Reise eines Schweizer Gletschers – von SRF bis Greta Thunberg

HANDOUT - Blick auf die Westflanke des Eigers, nach dem Abruch, Aufnahme vom 24. August 2016. Der seit Tagen erwartete Gletscherabbruch am Eiger ist erfolgt: An der Westflanke sind innert 24 Stunden f ...
Gletscherabbrüche (auch Gletschersturz genannt) zählen zu den Naturkatastrophen: Hier ein Abbruch am Eiger im August 2016.Bild: JUNGFRAUBAHNEN

Die Reise eines Schweizer Gletschers – von SRF bis Greta Thunberg

Der spektakuläre Abbruch verhilft dem Turtmanngletscher in den Walliser Alpen via Greta Thunbergs Twitterprofil zu Weltruhm. Doch ist der Eissturz wirklich ein Zeichen des Klimawandels? Und: Welche Gefahren birgt er?
14.08.2020, 16:5714.08.2020, 17:22

Ein gewaltiges Tosen erfüllt die Luft, wenn sich tonnenschwere Eismassen plötzlich lösen und lawinenartig den Steilhang hinunterdonnern. Augenzeugin dieses Spektakels war unter anderem Luzia Rohrer, die im richtigen Moment die Kamera gezückt hielt. Das Ergebnis ist ein Video des Schweizer Gletscherabbruchs, das nun um die Welt geht – zumindest im digitalen Raum.

Schon zuvor haben mehrere kleine Eisabbrüche am Turtmanngletscher den Sturz angekündigt. Solche Abbrüche zählen zu den hydrologisch-glaziologischen Naturgefahren, da die Massenbewegungen Lawinen und Überschwemmungen verursachen können.

Nach dem Gletschersturz haben die Verantwortlichen des Kraftwerkes Gougra deshalb den Gletscherfluss Turtmänna zwei Stunden zurückgestaut, um einer Flutwelle vorzubeugen.

Thunberg: «Gletscher kollabieren vor unseren Augen»

Nachdem das Schweizerische Radio und Fernsehen (SRF) die Aufnahme auf Twitter teilte, ist die internationale Nachrichtenagentur Reuters darauf aufmerksam geworden. Sie verbreitete das Video auf ihrer eigenen Plattform:

Am 14. August ist dann auch die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg auf den Schweizer Gletschersturz gestossen. Sie schreibt dazu:

Der Zeitraum zwischen dem 1. Juli 2019 und dem 30. Juni 2020 waren die wärmsten zwölf Monate seit Beginn der Aufzeichnungen. Waldbrände, Überflutungen, Stürme, Dürren, Permafrostschmelze, Heuschreckenplagen, historische Hitzewellen. Und nun kollabieren Gletscher im wahrsten Sinne des Wortes direkt vor unseren Augen.

Wann beginnen wir, das endlich als Krise zu behandeln?

Ist Gretas Klimawandel-These gerechtfertigt?

Bei Gletscherstürzen spielen mehrere Faktoren eine Rolle: Eistemperatur, Beschaffung der Felsunterlage und Fliessgeschwindigkeit.

Ein Grossteil der Gletscher dieser Erde erlebt derzeit einen Rückgang ihrer Eismasse – nur ganz wenige verzeichnen einen Zuwachs (meist in Zusammenhang mit mehr Schneefall in der Region). Die Alpengletscher ziehen sich samt und sonders zurück, ihr Eisvolumen und ihre Länge nimmt seit 1850 ab.

Rückgang der Alpengletscher:
Für das Gebiet der Alpen sind in geschichtlicher Zeit während der Kleinen Eiszeit zwei Maximalstände der Gletscher bekannt (um 1600 und um 1850).
Ab 1850 vollzieht sich ein bis heute anhaltender, klimatologisch und glaziologisch sehr gut belegter starker Rückgang, der Bestandteil des globalen Klima- und Umweltwandels ist.
quelle: hartmut leser, diercke Wörterbuch Geographie, s. 231

Dieser Eisrückgang zeigt sich auch beim Turtmann-Gletscher, wie diese Bilder festhalten:

Der nun erfolgte Gletschersturz am 6. August hat die Gletscherzunge, den unteren Teil des Eismassivs, vom oberen Teil abgetrennt – der Sturz ist somit ein Zeichen des Gletscherrückzugs und der wiederum ein Symptom der Erwärmung.

Die Zunge ist nun nicht länger mit der Haupteismasse verbunden und verweilt als sogenanntes Toteis (sich nicht mehr bewegendes Eis) am unteren Felshang. Mit der Zeit wird die ehemalige Zunge schmelzen und kleine Seen und andere Formen in der Landschaft zurücklassen.

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Gletscher in Gefahr
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Gletscher in Gefahr
30. November: Wanderer auf dem Perito Moreno Gletscher in Argentinien.
quelle: getty images south america / mario tama
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