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Ultra-Orthodoxe protestieren gegen Kunsthaus Zürich wegen Friedhof

Die Baustelle beim Kunsthaus Zürich: Liegen hier jüdische Gebeine aus dem Mittelalter begraben?
Die Baustelle beim Kunsthaus Zürich: Liegen hier jüdische Gebeine aus dem Mittelalter begraben?
Bild: KEYSTONE

Ultra-orthodoxe Juden in London und New York protestieren gegen Kunsthaus Zürich – wegen eines Friedhofs

19.01.2016, 16:0819.01.2016, 17:16

Eine ultra-orthodoxe jüdische Sekte protestiert gegen den Erweiterungsbau des Kunsthauses Zürich, weil auf dem Gelände im Mittelalter ein jüdischer Friedhof stand, dessen Gräber nun entweiht würden. Vor der Schweizer Botschaft in London demonstrierten gestern mehrere Dutzend Männer mit Transparenten, auf denen es unter anderem hiess:

«Bitte löschen Sie die letzten Überreste des glorreichen jüdischen Volkes in der Schweiz vor seiner Vertreibung nicht aus.»
Anhänger der ultra-orthodoxen jüdischen Satmar-Sekte protestieren vor der Schweizer Botschaft in London (18.01.2016). 
Anhänger der ultra-orthodoxen jüdischen Satmar-Sekte protestieren vor der Schweizer Botschaft in London (18.01.2016).
bild via thejc.com
Die Vertreibung der Schweizer Juden
Die von den Satmar-Anhängern erwähnte Vertreibung bezieht sich auf die Pogrome und Vertreibung der Schweizer Juden im 14. Jahrhundert, als in ganz Europa Pestepidemien ausbrachen. Die Juden wurden beschuldigt, sie hätten Brunnen vergiftet und vielerorts auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Die Überlebenden wurden des Landes verwiesen. Mit Ausnahme von einer kleinen Gemeinde in den aargauischen Orten Endingen und Lengnau gab es in der Schweiz bis ins 19. Jahrhundert fast keine Juden.

Bei der Gruppierung handelt es sich um die Sekte Satmar, deren Anhänger vor allem in New York und London leben. Die Schätzungen ihrer Mitgliederzahl schwanken zwischen 50'000 und 100'000. Sie lehnen jeglichen Zionismus ab, der nicht vom Messias persönlich angeführt wird, und sprechen deshalb auch dem Staat Israel die Legitimität ab. Für den Montag hatte ihr prominenter Rabbi David Niederman eine Grossdemonstration vor dem UNO-Hauptsitz in New York angekündigt. Ob sie stattgefunden hat, ist unklar.

Die Stadt Zürich ist sich der Friedhof-Thematik bewusst. Laut dem jüdischen Wochenmagazin Tacheles holte sie im Rahmen der Planung für den Erweiterungsbau ein archäologisches und denkmalpflegerisches Gutachten ein. Dabei kam heraus, dass Ende des 14. Jahrhunderts auf dem Gelände ein jüdischer Friedhof lag und man in einer Tiefe von 5 bis 6,5 Metern auf Gebeine stossen könnte, was allerdings unwahrscheinlich sei. Die Stadt hat versprochen, sich in diesem Fall mit den jüdischen Gemeinden abzusprechen und die «Überreste würdevoll zu behandeln».

Bitte keine Ratschläge aus dem Ausland

Die Proteste der Satmar-Sekte hat bei den Schweizer Juden einigen Unmut ausgelöst: «Die Demonstrationen sind ein unnötiges Ärgernis. Es gibt keinen Grund zu protestieren. Im Gegenteil, die Zusammenarbeit mit der Stadt ist sehr gut», erklärt Jonathan Kreutner, Generalsekretär beim Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund (SIG) auf Anfrage.

Besonders ärgerlich für den SIG: Die alte Geschichte wird just in jenen Tagen wieder herumgereicht, wo die Schweizer Juden in Festlaune sind: «Wir feiern dieses Jahr 150 Jahre Gleichberechtigung der Schweizer Juden und sind selbstbewusst genug, dass wir diese Angelegenheit ohne Ratschläge aus dem Ausland regeln können», so Kreutner.

Andere nehmen es mit Humor: 

«Ganz bestimmt werden die Bauarbeiter nicht auf Särge treffen, zumal Tote zu jener Zeit nur in Tücher gewickelt beerdigt wurden. Gut möglich, dass auch keine Leichen entdeckt werden. Sollte es im neuen Museumsanbau, der planmässig 2020 eröffnet werden soll, allerdings eines Tages spuken, dürfte es sich mit grosser Wahrscheinlichkeit um ein jüdisches Gespenst handeln.»
Benny Epstein

 quelle: quelle: tacheles

Hans Daniel Schürch-Tal von der Jüdischen Liberalen Gemeinde erinnert in diesem Zusammenhang – laut der Halacha dürfen keine jüdischen Gräber umgebettet werden, was auf den Friedhöfen zu akutem Platzmangel führt – an das Bonmot eines israelischen Regierungschefs:

«Haben wir Juden eigentlich nicht genug Probleme über der Erde, müssen wir uns auch noch um Probleme unter der Erde zanken!»
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Erderwärmung um 2,8 Grad: «Dann schaut es in der Schweiz aus wie in Spanien»
Ein neuer Uno-Bericht sagt, dass es keinen Weg mehr gibt, das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. ETH-Klimapolitologe Anthony Patt sagt, warum er trotzdem noch Hoffnung hat.
Ein neuer Bericht der Uno zeigt: Wenn alle Länder mit ihrer Klimapolitik so weiterfahren wie bisher, wird sich die Welt bis 2100 um 2,8 Grad erwärmen. Das ist nochmals eine Verschlechterung um 0,1 bis 0,3 Grad seit dem letzten Bericht vor einem Jahr. Woran liegt das?
Anthony Patt: Die USA sind unter Donald Trump aus dem Pariser Klimaabkommen ausgetreten. In diesem Klimaabkommen hatten sich die USA zu ambitionierten Klimazielen verpflichtet. Weil Trump aus dem Abkommen ausgetreten ist, geht der Emissions Gap Report nun davon aus, dass die USA gar keine weiteren Anstrengungen zum Klimaschutz unternehmen werden. Und weil die USA nach China der zweitgrösste Emittent von Treibhausgasen sind, kommt es zu diesem Anstieg von mehreren Zehntelsgrad.
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