DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Südliche Küste von Kreta: Strände würden hier von einem Tsunami im östlichen Mittelmeer besonders stark getroffen.
Südliche Küste von Kreta: Strände würden hier von einem Tsunami im östlichen Mittelmeer besonders stark getroffen.Bild: Wikimedia/Olaf Tausch

Simulation: Ein Tsunami im Mittelmeer könnte ganze Küstenstreifen verwüsten

28.08.2015, 12:3228.08.2015, 12:49

Eine fünf Meter hohe Welle könnte bei einem Seebeben im Mittelmeer verheerende Folgen haben. Zu diesem Schluss kommen europäische Forscher, die die Gefahr von Tsunamis in Mittelmeer simuliert haben.

Etwa jeder zehnte Tsunami weltweit geschieht im Mittelmeer, wie die Europäische Geowissenschaftliche Gesellschaft (EGU) in einer Mitteilung schreibt. Davon ist im Schnitt einer pro Jahrhundert ein Grosser. Das Risiko sei heute grösser als je zuvor, weil rund 130 Millionen Menschen entlang der Küsten leben, schrieb die EGU. 

Animiertes GIFGIF abspielen
Animation: Ausbreitung des Tsunamis nach einem Seebeben bei Sizilien. Bild: Samaras et al., Ocean Science, 2015
Animiertes GIFGIF abspielen
Animation: Ausbreitung des Tsunamis nach einem Seebeben bei Kreta.Bild: Samaras et al., Ocean Science, 2015

Weil das Mittelmeer nur klein ist, bleibe zudem nur eine kurze Zeit für Warnung und Evakuation. Um mehr Informationen für die Frühwarnung zu sammeln, hat das Team um Achilleas Samaras von der Universität Bologna modelliert, wie sich Tsunamis bilden, ausbreiten und die Küste treffen könnten. 

Bis zu zehn Meter hohe Wellen

Anhand von Meerestiefe, Küstenform und Bodenreliefs simulierten die Forscher, wie ein Erdbeben der Stärke 7.0 vor Ostsizilien und Kreta die Wassermassen verschieben würde. «Wir wollten wissen, wie Küsten von Tsunamis betroffen wären, die nicht nur zu den tektonisch aktivsten gehören, sondern zudem in der Vergangenheit zahlreiche Tsunamis erlebt haben», liess sich Samaras in der Mitteilung zitieren. 

Die im Fachjournal «Ocean Science» präsentierten Resultate zeigen, dass die so entstandenen Wellen tiefliegende Küstengebiete bis zu einer Höhe von fünf Metern über dem Meeresspiegel überschwemmen würden. Kreta wäre am schlimmsten betroffen, dort würden 3,5 Quadratkilometer Küste von der Fluten überrollt. 

Die Geschichte zeigt, wie verheerend sich Tsunamis im Mittelmeer auswirken können. Im Jahr 1908 erschütterte ein Beben der Stärke 7.0 die sizilianische Region Messina und erzeugte einen Tsunami, der an manchen Stellen mit etwa zehn Metern Höhe die Küste überflutete. Tausende Menschen kamen dabei ums Leben.

Betroffene Küstenstreifen auf Kreta und Sizilien. 
Betroffene Küstenstreifen auf Kreta und Sizilien. Bild: Samaras et al., Ocean Science, 2015

5000 Menschen getötet

Auch aus der Antike sind solche Katastrophen überliefert: Im Jahr 365 nach Christus löste ein Beben der Stärke 8.0 bis 8.5 vor der Küste Kretas eine Welle aus, die antike Städte in Griechenland, Italien und Ägypten zerstörte und allein in Alexandria etwa 5000 Menschen tötete.  

Zwar könne man nicht davon ausgehen, dass ein fünfmal stärkeres Beben auch eine fünfmal so grosse Überflutung auslösen würde, erklärte Samaras. Ihre Resultate könnten aber darauf hindeuten, wie verschiedene Gegenden von grösseren Ereignissen betroffen sein könnten.

Simulation: Errechnete Wasserhöhe der beiden Szenarien.
Simulation: Errechnete Wasserhöhe der beiden Szenarien.Bild: Samaras et al., Ocean Science, 2015

Die Forscher wollen ihre Simulationen Behörden und politischen Entscheidungsträgern im östlichen Mittelmeer zur Verfügung stellen, damit diese damit Tsunami-Szenarien erstellen und für bedrohte Küsten geeignete Massnahmen ergreifen können. (dhr/sda)

Wellenhöhe des Tsunamis 2004 im Vergleich

1 / 10
Wellenhöhe des Tsunamis 2004 im Vergleich
quelle: watson/sven rüf
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Tsunami 2004: Bilder der Zerstörung

1 / 14
Tsunami: Zerstörung
quelle: http://imgur.com/gallery/v63wm
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Neu entdecktes Enzym zersetzt Plastik in Rekordzeit

Forschende der Universität Leipzig haben ein Enzym entdeckt, das PET-Kunststoff doppelt so schnell zersetzt wie andere Enzyme. Ausgerechnet in einem Komposthaufen auf dem Friedhof haben die Chemikerinnen und Chemiker das Eiweissmolekül gefunden.

Zur Story