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Fischender Wolf: Die Tiere sind schlauer als bisher angenommen

Video: watson/lucas zollinger

Videoaufnahmen zeigen, dass Wölfe schlauer als bisher angenommen sind

In Britisch-Kolumbien fischen die Wölfe. Das Verhalten der Tiere zeugt von komplexer Intelligenz. Das wirft Fragen auf – auch über die Wolfsjagd.
06.12.2025, 18:4606.12.2025, 18:46

Ein kürzlich im Wissenschaftsjournal Ecology & Evolution erschienenes Paper geht der Frage nach, ob Wölfe intelligenter als bisher angenommen sind – und was das bedeuten würde. Auslöser für diesen wissenschaftlichen Diskurs sind Videos, die letztes Jahr im Territorium der «Haíɫzaqv Nation» im heutigen Britisch-Kolumbien, Kanada, aufgenommen wurden. Sie zeigen etwas Verblüffendes: Wölfe, die fischen. Hier kannst du dir die Szene selbst anschauen:

Video: watson/lucas zollinger

Die beiden Clips wurden bereits am 14. Februar und am 29. Mai 2024 in der Region des Ortes Bella Bella aufgenommen. Haíɫzaqv-Stammeshüter bringen dort schon seit 2023 Krabbenfallen aus, um die invasive Gemeine Strandkrabbe zu bekämpfen. Als immer wieder leere, beschädigte und zerstörte Fallen gefunden wurden, haben sie Kameras installiert. Und sind so den Wölfen auf die Spur gekommen. Die Tiere haben es dabei auf die Köderfische abgesehen, mit denen eigentlich die Krabben in die Netze gelockt werden sollen.

Die Haíɫzaqv werden auch Heiltsuk oder eben Bella Bella genannt.

Für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gleichen die Aufnahmen einer Sensation. So sollen bisher noch nie Wölfe dabei beobachtet worden sein, ein Werkzeug zur Nahrungsbeschaffung zu benutzen. Das aufgezeichnete Verhalten deute auf ein ausgeprägtes Verständnis der Falle und eine ausgeprägte kognitive Fähigkeit im weiteren Sinne hin, schreiben Kyle A. Artelle und Paul C. Paquet, die Verfasser des Ecology-&-Evolution-Artikels.

Dies sei besonders bemerkenswert, weil es sich bei diesen Wölfen um wilde Tiere handle. Oft seien es domestizierte Tiere, die Werkzeuge einsetzen – erstens, weil in ihrer Umgebung mehr davon vorhanden sind und zweitens, weil ihre gesicherten Lebensumstände exploratives Verhalten eher zulassen.

Sind Wölfe schlauer, weil sie nicht gejagt werden?

Obwohl der Einsatz von Werkzeugen in der Wissenschaft mittlerweile nicht mehr als der (einzige) ausschlaggebende Faktor für die Intelligenz einer Spezies gilt, setzt er eine gewisse kognitive Komplexität voraus. Dies könnte laut den beiden Autoren weitere ethische Überlegungen nach sich ziehen. So würden bei vielen Arten die Wahrnehmung komplexer Intelligenz positiv mit der angenommenen Pflicht zur Fürsorge und Rücksichtnahme assoziiert.

Ein Bewusstsein für die Intelligenz des Wolfs könnte also zu einer Neubewertung der gängigen negativen Wahrnehmung dieser Spezies führen. Ausserdem sei es möglich, dass die Wölfe in Bella Bella diese Fähigkeit nur entwickelt haben, weil sie dort kaum gejagt würden, was zusätzliche Fragen zu den Folgen der Wolfsjagd aufwerfe.

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