Schweiz
SVP

SVP-Politiker Glarner provoziert in der ARD

ARD fragt den Präsidenten von Oberwil-Lieli AG, warum er lieber 290'000 Franken zahlt als Flüchtlinge aufzunehmen. Antwort: «Die liegen uns ewig auf der Tasche» 

21.09.2015, 16:5222.09.2015, 07:52

Andreas Glarner will in seiner Gemeinde Oberwil-Lieli keine Asylbewerber. Dafür ist er bereit, nächstes Jahr 290'000 Franken an Bussgeldern aus der Gemeindekasse zu zahlen. Glarner politisiert für die SVP und präsidiert deren Fraktion im Aargauer Grossen Rat.

Auf die Geschichte wurde nun auch das deutsche Fernsehen aufmerksam. Ein Reporter des ARD-Morgenmagazins hat die Aargauer Gemeinde und ihren Gemeindeammann besucht (den Beitrag kannst du in der ARD-Mediathek ansehen). 

Andreas Glarner steht Red und Antwort.
Andreas Glarner steht Red und Antwort.
Screenshot: ARD

Der Journalist Daniel Hechler fragt bei Glarner nach:

«Was sagen Sie zu einer Familie, die am Grenzzaun steht? Einer Mutter mit zwei kleinen Kindern, die verzweifelt ist und bittet, Einlass nach Europa zu bekommen und dort Schutz zu erhalten.»
Reporter des ARD-Morgenmagazins
«Dass sie die Reise vergebens gemacht hat.»
Andreas Glarner
«Und was sollen sie machen?»
Reporter
«Umkehren.»
Glarner
«Warum?»
Reporter
«Das sind potentielle Sozialhilfebezüger. Die werden uns für immer und ewig auf der Tasche liegen.»
Glarner

Andreas Glarner fühlt sich falsch dargestellt. «Das ist ein Bericht eines ultralinken Journalisten, der nur zum Ziel hatte, mich als herzlosen Bürgermeister darzustellen», sagt Glarner auf Anfrage. Er habe noch viel mehr gesagt, das sei jedoch herausgeschnitten worden. Etwa, dass man vor Ort Hilfe leisten müsse.

Hier standen die Gebäude, die präventiv abgerissen wurden.
Hier standen die Gebäude, die präventiv abgerissen wurden.
Screenshot: ARD

Als nächstes präsentiert Andreas Glarner das Stück Land, das die Gemeinde aufgekauft hat, um die leeren Gebäude abzureissen, die sich darauf befanden – damit der Kanton keine Asylbewerber darin unterbringen kann.

«Wir hatten Befürchtungen, dass uns der Kanton Asylbewerber aufs Auge drücken will. Da haben wir gesagt: Besser abreissen und auf sicher gehen.»
Andreas Glarner
Balz Bruder, Sprecher des Kantons Aargau hofft, dass nicht weitere Gemeinden nachziehen.
Balz Bruder, Sprecher des Kantons Aargau hofft, dass nicht weitere Gemeinden nachziehen.
Screenshot: ARD

Dass die Gemeinde Oberwil-Lieli 19'000 Franken Busse bezahlt hat, um keine Asylbewerber aufnehmen zu müssen, findet der deutsche Reporter eine «zynische Rechnung». Er fragt beim Kanton Aargau nach.

Gemäss Balz Bruder, Sprecher des Kantons Aargau sei es nicht im Sinne des Gesetzgebers, aber die Auslegung des Gesetzes ermögliche es, sich von Flüchtlingen «freizukaufen». «Hoffentlich macht dieses Beispiel nicht Schule», sagt Bruder abschliessend.

Der Journalist bei seinem Fazit.
Der Journalist bei seinem Fazit.
Screenshot: ARD

Zum Schluss des Beitrags findet Reporter Daniel Hechler deutliche Worte:

«Ansichten, die anderswo als rechtsradikal gelten sind hier salonfähig. Oberwil-Lieli, letztlich ein eher dunkler Fleck der Schweiz, der mit der humanitären Tradition des Landes so gar nichts zu tun haben will.»

(rey)

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