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Katar lädt Journalisten für PR-Aktion ein – und lässt sie anschliessend einsperren



Ein Filmteam der BBC war Anfang Mai einer Einladung des katarischen Premierministers gefolgt, um die neuen Wohnungen für Gastarbeiter zu inspizieren: Zu sehen bekamen sie Schwimmbecken, Fitnessraum, saubere Dreierzimmer sowie dankbare Bewohner. Nach all der Kritik über den Umgang mit ihren Gastarbeitern, welche zu Hunderttausenden die Infrastruktur für die Fussball-WM 2022 aus dem Wüstenboden stampfen, lautete die Botschaft: Problem erkannt, Problem gelöst.

Am anderen Ende Dohas und «abseits von den PR-Aufpassern» stiessen die Journalisten hingegen auf wesentlich bescheidenere Unterkünfte. Und anderswo sei es noch schlimmer, versicherten die Gastarbeiter. Das wollten sich BBC-Reporter Mark Lobel und seine Kollegen mit eigenen Augen ansehen – aber dazu kam es nicht.

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Mark Lobel über seine Verhaftung in Katar. YouTube/BBC News

«Unsere Verhaftung war dramatisch», sagt Lobel. «Acht Autos hielten uns an, Fahrer, Übersetzer, Kameramann und ich wurden wie Spione behandelt und getrennt voneinander verhört. Unsere Ausrüstung und Aufnahmen beschlagnahmt.» Anschliessend hätten sie zwei Nächte in einer schmutzigen Gefängniszelle verbracht. Beängstigendes Detail: Sie bekamen Fotos zu sehen, die klar zeigten, dass sie seit ihrer Ankunft beschattet wurden.

Ist Katar als Austragunsort der Fussball-WM 2022 noch tragbar?

In Handschellen seien sie dem Staatsanwalt vorgeführt worden, der ihnen mit weiteren vier Hafttagen drohte. «Das ist nicht Disneyland, Sie können nicht einfach überall Ihre Kamera draufhalten», habe er gesagt. Nach zwei Tagen seien freigelassen worden, so Lobel. Die katarische Regierung veröffentlichte später eine Erklärung, wonach das BBC-Team bei ihren Filmarbeiten privates Gelände betreten hätte, was in Katar «wie in den meisten Ländern» verboten sei.

Die BBC erklärte ihrerseits, dass Katar widersprüchliche Angaben zum Grund der Verhaftung gemacht habe. Auch sei die Ausrüstung bislang nicht zurückgegeben worden. Es ist nicht das erste Mal, dass ausländische Medien die Paranoia Katars zu spüren bekommen: Im Oktober 2014 waren zwei deutsche Journalisten verhaftet und für 27 Stunden festgehalten worden.

Auch die FIFA hat sich zu dem Vorfall geäussert: «Die FIFA erachtet jeden Fall, in dem offenbar die Medienfreiheit eingeschränkt wird, als besorgniserregend und wird ihn mit der nötigen Ernsthaftigkeit untersuchen.»

BBC-Reporter Mark Lobel hat sich heute auf Twitter zu Wort gemeldet:

«Ich erwarte nicht viel, aber eine Entschuldigung und die Rückgabe meines Telefons wären nett.»

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