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So könnte der Ukraine Krieg laut Experten enden

Russian President Vladimir Putin attends a wreath-laying ceremony marking the 85th anniversary of the Nazi German invasion into the Soviet Union in World War II on the Remembrance and Sorrow Day at th ...
Wladimir Putin im Juni 2026 am Grabmal des unbekannten Soldaten in Moskau.Bild: keystone

Unabhängige Experten sagen, wie der russische Angriffskrieg enden wird

Litauische Sicherheitsanalysten liefern ihre eigene Einschätzung zum Ukraine-Krieg und der Bedrohung durch Russland. Ihre Kernbotschaft: Der Kreml kann nur mit militärischer Stärke gestoppt werden.
14.08.2026, 16:1216.08.2026, 06:16

Die von Wladimir Putin überfallene Ukraine und ihre europäischen Unterstützer hoffen auf Verhandlungen, um das Töten zu stoppen und einen nachhaltigen Frieden zu sichern.

Aber ist das realistisch?

Dass ein imperialistisches Russland «wie zivilisierte Staaten» ticke, sei ein gefährlicher Irrtum, geben zwei Sicherheitsexperten aus Litauen zu bedenken: Aurimas Navys und Mindaugas Sėjūnas kommentieren seit der Invasion 2022 den Krieg und die geopolitische Lage. Und sie formulieren scharfe Kritik am westlichen Umgang mit dem Kreml.

watson fasst die wichtigsten Punkte zusammen.

Wer sind diese Experten?

Das Duo aus Litauen publiziert seit dem Beginn der grossangelegten russischen Invasion im Jahr 2022 regelmässig detaillierte Analysen und Kommentare zum Kriegsgeschehen in der Ukraine und zur russischen Aussenpolitik.

  • Aurimas Navys hat einen militärischen Hintergrund: Er ist ein früherer Elitesoldat und ehemaliger Nato-Offizier. In den litauischen Medien tritt er regelmässig als Militär- und Sicherheitsexperte in Erscheinung. Seine Expertise konzentriert sich auf die operative und strategische Ebene sowie auf geopolitische Sicherheitsfragen.
  • Mindaugas Sėjūnas ist ein litauischer Fernsehproduzent, Moderator und Medienanalyst. Seine Expertise liegt im Erkennen von Propaganda, in der psychologischen Kriegsführung und der Analyse von Desinformations-Kampagnen. Er ergänzt das militärische Fachwissen von Navys.

Die beiden betreiben in Litauen die «Agentur für gesellschaftliche Informationssicherheit» (VISA), eine gemeinnützige Nicht-Regierungsorganisation. Ziel ist es, dem russischen «Informationskrieg» fundierte Analysen entgegenzusetzen.

Ihre Publikationen zeichnet sich durch undiplomatische Sprache aus. Sie vertreten eine kompromisslose Perspektive, bei der die Sicherheit ihres eigenen Landes an oberster Stelle steht. Und sie kritisieren die westliche Naivität im Umgang mit Russlands imperialistischen Bestrebungen.

Wo ist das Problem?

Russian paratroopers take part in St. Elijah the Prophet day and Russia's Airborne Forces day in Moscow, Sunday, Aug. 2, 2026. (AP Photo/Pavel Bednyakov)
Russia Paratroopers Day
Russische Fallschirmjäger am 2. August in Moskau an den Feierlichkeiten zum Tag des Heiligen Propheten Elija und dem Tag der russischen Luftlandetruppen.Bild: keystone
«Krieg war und ist seit Jahrhunderten die Essenz von Russlands Existenz»
Aurimas Navys und Mindaugas Sėjūnas

Was die litauischen Experten immer wieder in Erinnerung rufen: Russlands Krieg gegen die Ukraine ist im zwölften Jahr. 2014 liess Wladimir Putin bewaffnete «grünen Männchen» infiltrieren und die Halbinsel Krim völkerrechtswidrig annektieren. Sieben Jahre später folgte die Grossinvasion.

Was nach dem von Wladimir Putin 2022 initiierten Überfall niemand erwartet hätte: Die massiv unterlegene Ukraine verteidigte sich nicht nur erfolgreich und konnte die Angreifer zurückschlagen; inzwischen habe sie dank ihrer Innovationsfähigkeit das Momentum auf ihrer Seite: Ihre Streitkräfte sind die Vorreiter im weltweit ersten Drohnenkrieg.

Navys und Sėjūnas kommentieren:

«Die Ukraine greift an, um sich zu verteidigen, Russland greift an, um barbarisch alles zu zerstören.»

Doch den Abnutzungs- und Zermürbungskrieg könne die Ukraine mittel- und langfristig nicht gewinnen. Denn Russland mit seinen über 140 Millionen Einwohnern schrecke nicht vor schweren Verlusten zurück. Im Gegenteil.

Warum bringen hohe russische Opferzahlen nichts?

Selbst Millionen getötete Soldaten und wirtschaftliche Zerstörung würden das russische System nicht zwangsläufig schwächen, argumentieren Navys und Sėjūnas. Solche negativen Meldungen dienten dem Kreml vielmehr als Instrument, um die Gesellschaft zu mobilisieren und totale Kontrolle auszuüben. Krieg sei für das System existenzsichernd.

Worin besteht der Denkfehler des Westens?

In ihren Blog-Beiträgen krisieren Navys und Sėjūnas regelmässig eine aus ihrer Sicht gefährliche diplomatische Fehleinschätzung. Westliche Regierungen versuchten weiterhin, mit einem System zu verhandeln, dessen Existenz auf der ständigen Ausweitung von Konflikten beruhe.

Gleichzeitig hoffe man etwa in Brüssel, dass das imperialistisch geprägte Russland auf dieselben wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Anreize respektive Sanktionen reagiere wie demokratische Staaten.

Die litauischen Experten winken ab:

«Die Vorstellung, dass die Russen aus irgendeinem Grund plötzlich die Feindseligkeiten einstellen, ihre Waffen niederlegen und alle friedlich Kartoffeln jäten [...], als ob sie eines Morgens den Wunsch hätten, wie Österreicher, Belgier oder Amerikaner zu leben, ist sowohl unbeschreiblich naiv als auch tödlich.»

Der russische Angriffskrieg sei nicht an einem einzelnen Akteur festzumachen, halten die beiden Sicherheitsexperten fest. Sie beschreiben Putin nicht als isolierten Alleinherrscher, sondern lediglich als Aushängeschild eines massiven, an die 25 Millionen Menschen umfassenden Sicherheits- und Geheimdienstapparates. Und sie halten fest, es gebe keine leichten Ausweg aus dem geopolitischen Konflikt.

Weshalb will Russland keinen Frieden?

Westliche Politiker machen laut Navys und Sėjūnas den Fehler, dem Kreml eine zivilisierte, auf Wohlstand ausgerichtete Logik zu unterstellen. Doch der russische Staat habe eine völlig andere Werte- und Entscheidungsbasis.

Russland agiere nicht als Nationalstaat, der um das Wohl seiner Bürgerinnen und Bürger besorgt sei, sondern als Imperium. Der eigene Erfolg bemesse sich an territorialer Grösse, geopolitischem Einfluss und der Fähigkeit, bei anderen Staaten und dem eigenen Volk Angst zu verbreiten.

Die teilweise absurde russische Propaganda ziele nicht auf den Westen ab, sondern auf die eigene, oft verarmte Bevölkerung. Ihr wolle man das Gefühl der Überlegenheit geben.

Auch sogenannte russische Oppositionelle steckten tief im imperialen Denken fest, forderten Zugeständnisse des Westens und dächten in veralteten «Einflusszonen».

«Statt einen Staat des 21. Jahrhunderts aufzubauen, bietet Russland der Welt an, in die Zeit der Imperien zurückzukehren – zu Einflusszonen, Abkommen der Grossmächte und der geopolitischen Aufteilung der Welt. Da Russland kein Projekt für die Zukunft hat, sucht es seine Stärke in der Vergangenheit, denn dort sieht es Siege, Grösse und Feinde.»

Wann erhebt sich das russische Volk?

Ein Volksaufstand oder ein Putsch gegen den Kreml sei unrealistisch, geben sich Navys und Sėjūnas überzeugt. Der gigantische Sicherheitsapparat profitiere direkt vom System und halte die russische Gesellschaft rigoros in Schach.

«Ein gewöhnlicher Russe mag zwar in der Küche beim Kohlschneiden leise über die Regierung schimpfen, aber er wird keinen alles hinwegfegenden Sturm entfachen.»

Genügt es, Wladimir Putin auszuschalten?

Die litauischen Experten verneinen.

Wladimir Putin selbst sei nur ein Repräsentant des grossen staatlichen Sicherheitssapparates, geführt vom Inlandsgeheimdienst der Russischen Föderation (FSB).

«Auch wenn wir Putin als Diktator bezeichnen, müssen wir ihn als einen Kader des russischen Sicherheitssystems sehen, als ein Rädchen im Getriebe, das vom FSB-Umfeld aufgebaut und gepflegt wird.»

Wie kann der Krieg beendet werden?

People walk through Red Square during sunset in Moscow, Monday, July 6, 2026. (AP Photo/Pavel Bednyakov)
Russia Daily Life
Passantinnen auf dem Roten Platz in Moskau, fotografiert am 6. Juli 2026.Bild: keystone

Navys und Sėjūnas heben sich von den auf Deeskalation bedachten westeuropäischen Analysten ab. Sie empfehlen der Ukraine eine massive, unproportionale Vergeltung. Dies sei die einzige Sprache, die der Kreml verstehe.

«Die militärischen Handlungen werden dann aufhören, wenn ballistische Raketen anfangen, auf Moskau zu fliegen. [...] Wenn auf jeden russischen Raketenschlag eine doppelt so starke Antwort folgt.»

Nur so könne der russische Bombenterror gegen die ukrainische Bevölkerung gestoppt und Wladimir Putin zum Einlenken gezwungen werden. Hingegen betrachten sie die selbstauferlegte Zurückhaltung des Westens und dessen Angst, Russland zu provozieren, als gefährliche Schwäche.

Ihre Prognose: Erst wenn Millionen Russen im Winter im Kalten und Dunkeln sässen, weil die Ukraine ihrerseits russische Kraftwerke ausschalte, werde das System kollabieren oder die russische Elite zum Einlenken gezwungen.

Aber was ist mit den russischen Atomwaffen?

Navys und Sėjūnas gehen in ihren Blog-Beiträgen auf die psychologische Kriegsführung Russlands ein. Die beiden Autoren zeigen auf, wie der Kreml bewusst Ängste schüre – und dabei auch westliche Medien, «nützliche Idioten» und «vermeintliche russische Exil-Oppositionelle» einspanne.

Die nuklearen Drohungen des Kremls werten die beiden litauischen Experten als reinen Bluff, der lediglich die westliche Unterstützung für die Ukraine stoppen soll.

«Die Tatsache, dass die nuklearen Drohungen ein Bluff sind, wird übrigens bereits von russischen Bloggern selbst lautstark verkündet. Es heisst, die Ukraine sei nach einem taktischen Atomschlag in der Lage, strategisch wichtige Objekte auf russischem Territorium, darunter grosse Atomkraftwerke, anzugreifen. Die Beschädigung solcher Objekte könnte katastrophale Folgen haben, die in manchen Fällen nicht weniger gefährlich wären als der Einsatz taktischer Atomwaffen.»

Für die litauischen Experten ist «die westliche Angst vor dem Krieg» die eigentliche Waffe Moskaus, nicht die reale militärische Kapazität Russlands. Die sich häufenden Warnungen, dass in Kürze das Baltikum, Polen oder gar Finnland attackiert werde, seien eine gezielte «Psy-Op» des Kremls. Europa solle dazu gebracht werden, die Ukraine aufzugeben. Faktisch sei Russland derzeit militärisch überhaupt nicht in der Lage, eine weitere Front gegen NATO-Staaten zu eröffnen.

Im Gegensatz zu Kommentatoren, die auf Lösungen am grünen Tisch hoffen, sehen Navys und Sėjūnas den Frieden erst erreichbar, wenn der Druck auf den Kreml seitens des russischen Volkes zunehme. Die ukrainische Strategie, die Ölindustrie und kritische Infrastruktur in der Tiefe des Landes zu zerstören, bewerten sie als wichtigen Hebel.

Paradoxerweise betrachten die litauischen Experten auch eine allgemeine russische Mobilmachung als eine sehr gute Entwicklung – nicht für Russland, sondern für die Ukraine und den Westen. Dies begründen sie wie folgt:

  • Bei der Mobilmachung würden Tausende neuer Rekruten in die russische Armee eingezogen, die absolut nicht wüssten, wie man kämpft. Da die Logistik bereits jetzt stocke und es kaum Nachschub oder Ausrüstung gebe, wäre die Versorgung dieser Massen unmöglich.
  • Die jungen Männer würden unvorbereitet in den «Fleischwolf» geschickt und dort sehr schnell vernichtet. Die daraus resultierenden massiven Opferzahlen führten zu einem nie dagewesenen Schock in der Gesellschaft.

Nur so lasse sich der «Sklavengehorsam» der russischen Bevölkerung brechen und vielleicht ein Implodieren des Imperiums erzwingen – ähnlich wie beim Zusammenbruch des Russischen Kaiserreichs oder der Sowjetunion.

Und positiver gedacht, halten sie fest:

«Wenn Russland jemals wirtschaftlich florieren könnte, wäre das die grösste Garantie für seine und unsere Sicherheit. Die Russen müssen verstehen, dass der Westen, einschliesslich Litauen, nicht die Zerstörung Russlands anstrebt. Im Gegenteil, wir wünschen uns ein prosperierendes, demokratisches Nachbarland.»

Quellen

Die litauischen Original-Quellen wurden mit der KI-basierten Übersetzungs-Software DeepL übersetzt.

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208 Kommentare
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Typ
14.08.2026 16:42registriert Dezember 2017
Und in der Schweiz diskutieren wir mit der "Neutralitätsinitiative" nun nur noch darüber, ob wir Putin noch besser helfen könnten, als es von gewissen Firmen und Personen sowieso schon geschieht...

Beschämend.
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banda69
14.08.2026 16:34registriert Januar 2020
... aber der subventionierte Kleinverleger und SVP-Spitzenpolitiker erzählt Woche für Woche etwas anderes. Und zudem haben unsere Rechtspopulisten Verständnis für den mörderischen Angriffskrieg der Terror-Russen und verteidigen standhaft Treppen im Bundeshaus vor den Ukrainern.
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Bandwurm
14.08.2026 16:37registriert Juli 2025
Spannend. Und mal was anderes als das ewige Gesülze, was sonst so herumfleucht. Nicht nur das. Auch realistischer in meinen Augen.
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